DORNENREICH   VANITAS    LOST DREAMS    SPRAWL  
01.03.2001 @ Planet Music

SPRAWL stellte sich als Drei-Mann-Band heraus, die grob gesagt Black Metal spielen. Grob gesagt deshalb, weil sie mit Blues-Einflüssen und jazzigen Teilen überraschten, was zwar relativ originell war, das Gesamtbild des Auftrittes aber doch etwas störte. Corpsegepaintete, die Jazz spielen-naja. Die Keys und der Drumcomputer kamen vom Band, was aber nicht weiter störte. Die Drums wurden nicht selten industrial-mäßig eingesetzt, was dem Ganzen ein gewisses Etwas gab. Dass der Sänger sich ab und zu hinhockte und "gefährlich" das Publikum taxierte gefiel mir ebenso wenig, wie der glücklicherweise selten eingesetzte cleane Gesang. Insgesamt nicht überwältigend, aber trotzdem eine interessante Darbietung.

LOST DREAMS wirkten schon um einiges professioneller. Das Death/Black-Gemisch kam relativ druckvoll rüber, der Sänger gröhlte und kreischte (cradle-mäßig) abwechselnd und animierte das Publikum ganz gut.

OLEMUS spielten nicht und somit waren als nächste VANITAS dran, die es nach der anfangs noch gedämpfteren Stimmung wieder mal schafften einen unterhaltsamen und mitreißenden Gig zu spielen. Diesmal hatten sie auch eine Sängerin (ausgeborgt von AGONY) dabei, die die leider nicht besonders oft eingesetzten weiblichen Gesang optimal rüberbrachte.

Schließlich kamen DORNENREICH, die einen Wahnsinns-Gig ablieferten. "Wahnsinns-" nicht insofern, als dass sie auf der Bühne herumgehüpft wären oder das Publikum total ausgezuckt wäre, sondern insofern, als dass ihre Darbietung, wie ihre Musik eben, absolut intensiv und eigenständig war. Obwohl sich nur drei Leute auf der Bühne befanden (Drums, Git., Keys) wurde ein dichter Klangteppich erzeugt. Mit Ausnahme von "Reime faucht der Märchensarg" wurden nur Songs von der neuen Platte "Her von welken Nächten" gespielt. Auch wenn "Reime..." nur fragmentarisch dargebracht wurde, da die akustischen Teile auf der Bühne schwer umzusetzen sind, war es sehr erfreulich einen "alten" Song zu hören. Verständlicherweise wurde dann auch auf die ganz langsamen, stark akustisch gehaltenen Songs von "Her von welken Nächten" verzichtet und eher Songs wie "Eigenwach" und "Ich bin aus mir" gespielt, die zum Großteil aggressiv-wütend-verzweifelt sind, andererseits aber auch ruhig-angstvoll-unheimliche Teile enthalten. Sänger Eviga unterstrich seinen Gesang, Geflüster und Geschrei mit Mimik und Gestik, so eindringlich, wie man es (im Metal) eigentlich nie sieht. Der Keyboarder ließ in sein Spiel vertieft auch oft die Haare kreisen, während der Drummer das Schlagzeug quälte. Genial! Als ich mich mal umdrehte, waren mindestens die Hälfte der Leute schon verschwunden; schon arg, wenn man -vermute ich mal- um den letzen Bus/U-Bahn zu erwischen, eine Band wie DORNENREICH verpasst.



Lisi

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Beitrag vom 06.05.2001
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