SEPULTURA - Quadra
Label: Nuclear Blast
Mit ihrem 15. Album wagen sich die Brasilianer SEPULTURA nach über 35 Jahren wieder an Experimente, die man von ihnen so eher nicht mehr erwartet hätte, verzichten aber auch nicht auf die brachiale Urgewalt Südamerikas, die man von ihnen dann doch wieder erwartet.

Derrick Green ist wütend und motiviert zugleich, so klingt jedenfalls der Opener von „Quadra“. Nach überraschend bombastisch und bedrohlich anmutendem Intro, bricht eine Gewalt über uns herein, wie man sie nur von SEPULTURA kennt. „Isolation“ brescht mit starkem Riffing nach vorne, während uns die Rhythmusfraktion, namentlich Paulo Jr. und Eloy Casagrande, gewaltig einheizt. Nach einigen Attacken kommen aber wieder bombastische Elemente zum Tragen, die werden aber nie aufdringlich, sondern verbreiten ein leicht apokalyptisches Flair. Auch „Means To An End“ ist brutal und experimentell zugleich, tönt aber weit mehr nach Süd-Amerika, ehe „Last Time“ nochmal gewaltig thrasht. Aber auch hier hört man in einem längeren Instrumental-Part die Experimentierfreudigkeit schon raus.

Wer auf die guten alten brasilianischen Sounds der Truppe steht, der wird dann mit „Capital Enslavement“ belohnt. Hier kommt das Feeling vollends auf, aber auch hier gibt man gut Stoff und Green brüllt sich einmal mehr die Seele aus dem wuchtigen Leib. Auch wenn SEPULTURA bis hier hin schon einige kleine Ideen und Experimente in die trotzdem stets brachialen Songs eingewebt haben, wird es in der zweiten Hälfte dann mutiger. Das vertrackte „Raging Void“ überrascht zum beispiel mit episch angehauchtem Refrain in dem Derrick von mehrstimmigen Chören unterstützt wird, „Guardians Of Earth“ bietet danach ein überlanges Akustik-Intro mit weiblichen Chören und dichter Atmosphäre, ehe das abgefahrene Instrumental „The Pentagram“ alle Musiker virtuos aber doch auch aggressiv auftrumpfen lässt. Hier bekommt jeder seinen großen Moment spendiert. Auch das thrashig- bis sogar blackmetallisch anmutende „Autem“ ist als virtuos zu bezeichnen, während das hochatmosphärische „Agony Of Defeat“ erst einmal als SEPULTURA Song identifiziert werden muss, aber auf jeden Fall als großartig bezeichnet werden kann. „Fear, Pain, Chaos, Suffering“ schließt das Album dann auch eher sperrig und ungewöhnlich ab. Der progressive Song braucht schon seine Zeit zum Zünden, gefällt aber nach einigen Durchläufen ebenfalls.

SEPULTURA schaffen es irgendwie den „Arise“ Drive mit der Experimentierfreudigkeit von „Roots“ zu paaren ohne wirklich nostalgisch zu erscheinen, denn gerade die brutalen Brecher zu Beginn hätten auch auf einem der letzten Werke Platz gefunden. So sollten Fans der alten Schule genauso viel Freude mit dem Werk haben, wie experimentierfreudige Thrasher. Wenn nicht, dann kann man das Album auch zweiteilen und so findet sich wahrscheinlich ziemlich jeder zumindest seine zwei bis drei Highlights. Der Mut von SEPULTURA zahlt sich meiner Meinung nach aus, denn lange habe ich kein so authentisches und persönliches Album mehr von der Truppe gehört.

www.sepultura.com


6 von 7 Punkten

Tracklist:
1. Isolation
2. Means To An End
3. Last Time
4. Capital Enslavement
5. Ali
6. Raging Void
7. Guardians Of Earth
8. The Pentagram
9. Autem
10. Quadra
11. Agony Of Defeat
12. Fear, Pain
13. Chaos
14. Suffering
Gesamtspielzeit: 51:20

maxomer
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Beitrag vom 04.02.2020
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