WILDERUN - Veil Of Imagination
Label: Century Media
Mit ihren Erstwerken „Olden Tales & Deathly Trails“ (2012) und „Sleep At The Edge Of The Earth“ (2015) konnten die Amis von WILDERUN mit ihrer ganz eigenen und recht einzigartigen Art des intensiven Prog Metal mit folkloristischen Anteilen grandiose Kritiken einfahren und eine eingeschworene Fanbase aufbauen. Dennoch dauerte es noch vier weitere Jahre sowie einen Eigenrelease des Drittlings „Veil Of Imagination“, bis sich endlich ein größeres Label, in diesem Fall Century Media, für die Truppe interessiert. So kommt das besagte Album nun endlich regulär auf den Markt und das hat es wieder ziemlich in sich.

Das Genre Folk darf man hier nicht falsch verstehen, denn mit Truppen wie KORPIKLAANI, ENSIFERUM oder ELUVEITIE haben die Amis wahrlich nichts am Hut. Eher noch die Art, wie sie in den 90ern oder früher schon gerne von JETHRO TULL oder heute AYREON benutzt wird. Unterschwellig, geschmackvoll und in den – so paradox es auch klingt – gefühlvollen Extreme Metal Sound eingewoben, als hätten diese Genres seit jeher zusammengehört. Warum das so gut gelingt, überrascht auch nicht, wenn man sieht, dass die Jungs von WILDERUN allesamt Musik studiert und eine gemeinsame Vision haben. So treffen hier genannte Elemente auf heftige Grunts, abwechslungsreiche und intensive Riffs ausgeklügelte Arrangements sowie dichte Atmosphäre.

Der 14-Minüter „The Unimaginable Zero Summer“ fordert sogleich und zeigt das breite Spektrum der Band auf. Gemütliche Akustik-Teile, gelungene Percussion und verträumte Vocals runden den Track ab, aber noch viele weitere Überraschungen sind in dem Epos enthalten. Als Anspieltipp für Ungeduldige eignet sich dann im Anschluss auf jeden Fall „O Resolution“, das mit seinen fast sieben Minuten zu den kürzeren Tracks gehört. Hier regieren mehr Keys und der Bombast, aber auch hier kommt der Härtegrad definitiv nicht zu kurz. Hier treffen SEPTICFLESH auf DEVIN TOWNSEND und OPETH. Was für ein wilder Mix – doch der funktioniert und tönt gar nicht so anstrengend oder vertrackt, wie man es erwarten möchte.

Also schon, aber doch schön einprägsam und verdaulich. Weiter Songs hervorzuheben ist schwer, denn die Qualität der Tracks ist enorm und kein Stück gleicht dem anderen, außerdem würden ein paar Sätze diesen komplexen Kompositionen halt einfach nicht gerecht werden. Somit gibt es nur ein paar kurze Wegweiser: „Sleeping Ambassadors Of The Sun“ bringt gleichzeitig Musical- und Doom-Flair mit, „Scentless Core (Budding)“ und „Scentless Core (Fading)“ sind wunderschöne Stücke mit viel Piano und cineastischer Atmosphäre, „Far From The Dreams“ ist der wohl härteste und am Death Metal näheste Song des Albums und „The Tyranny Of Imagination“ bringt wieder SEPTICFLESH aber auch DIMMU BORGIR und DREAM THEATER ins Spiel. Das finale und 12-minütige „When The Fire And The Rose Were One“ fährt dann nochmal ziemlich alle Geschütze auf und entführt in eine ganz eigene Welt, die einen nicht mehr so schnell loslässt.

In der Musik von den Bostoner Herren WILDERUN kann man sich absolut verlieren. Hier kommen sowohl Fans der harten Symphonic Black/Death Schule als auch Fans des verträumten Prog voll auf ihre Kosten. Vielleicht die Entdeckung des Jahres!

www.wilderun.com


6 von 7 Punkten

Tracklist:
1. The Unimaginable Zero Summer
2. O Resolution!
3. Sleeping Ambassadors Of The Sun
4. Scentless Core (Budding)
5. Far From The Dreams
6. Scentless Core (Fading)
7. The Tyranny Of Imagination
8. When The Fire And The Rose Were One
Gesamtspielzeit: 66:12

maxomer
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Beitrag vom 23.08.2020
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