AYREON - Transitus
Label: Mascot Records | Music Theories
Drei Jahre für ein AYREON Album sind überraschend kurz, wenn man bedenkt, was auf so einem Doppel-Album dieses einzigartigen Prog Opern-Konzept Album so alles passiert. Von der meist opulenten und ausgefallenen Story über die zahlreichen Gastmusiker bis hin zur abwechslungsreichen und einzigartigen Musik, die Arjen Lucassen nun schon zum zehnten Male zum Leben erweckt. Nachdem er sich zuletzt mit „The Source“ doch wieder seinem großen Weltraum-Konzept über die Forever und deren Schicksal widmete, geht es bei „Transitus“ wieder eine Spur geerdeter zu. So gibt es nun wieder eine für sich alleinstehende Geschichte, vergleichbar mit „The Human Equation“ und „The Theory Of Everything“, die von Liebe, Eifersucht, Intrigen und dem Tod handelt.

Hauptcharakter Daniel, gespielt von Tommy Karevik (KAMELOT) kommt aus adeligem Haus und verliebt sich in die bürgerliche Abby, die von Cammie Gilbert (OCEANS OF SLUMBER) verkörpert wird. Es könnte alles so schön sein, doch Bruder Henry sieht eine Gefahr in der Liebe. Doch bevor dieser einschreiten kann, passiert eine Tragödie und Daniel stirbt in den Flammen. Abby wird des Mordes bezichtigt und durch Intrigen des Bruders und ihrer eigenen Mutter Lavinia droht auch ihr ein schreckliches Schicksal. Daniel findet sich in der Zwischenwelt Transitus wieder und versucht den Todesengel davon zu überzeugen, seine geliebte Abby zu retten.

Das Album beginnt bombastisch und bedrohlich mit düsterer Atmosphäre, sphärischen Keys und einer Erzählerstimme, die von niemand geringerem als Schauspieler Tom Baker, bekannt von Doctor Who, der in die Story einführt. Das 10-Minuten Epos „Fatum Horrificum“ fährt gleich viele bekannte Trademarks auf und sorgt mit seinen Chören und bombastischer Inszenierung schon jetzt hier und da für Gänsehaut. Proggige Ausflüge und erste Vocals von Karevik und Gilbert zeigen in Kombination mit der Musik auch auf, dass sich Arjen hier gerne bei Andrew Lloyd Webber und seinen legendären Musicals wie zB inJesus Christ Superstar inspirieren ließ.

Wer das volle AYREON-Erlebnis haben möchte, nimmt sich normalerweise sowieso das Booklet mit den Texten zur Hand, bei „Transitus“ geht der Niederländer noch weiter und veröffentlicht sogar einen eigenen Comic dazu. Bald darf Karevik sein Können theatralisch unter Beweis stellen, bekommt aber den Angel Of Death in Form von Simone Simmons zur Seite gestellt. Die EPICA Fronterin ist hier auch über jeden Zweifel erhaben und wieder kitzelt Arjen aus den sowieso schon talentierten Sängern noch mehr Emotion heraus. Gemeinsam springen die beiden ins Jahr 1884 und erleben die Story im abgefahrenen Musical-Stück „Listen To My Story“ von Daniel, die sie überzeugen soll, ihm zu helfen, um Abby zu retten. Man braucht schon echte Prog Rock Nerven um „Transitus“ vollends genießen zu können, doch auch Hitkandidaten sind hier versteckt. Nach der PINK FLOYDigen Nummer „Two Worlds Now One“ kommen nämlich die echten Anspieltipps, die man auch isoliert vom Konzept super konsumieren kann.

Für „Talk Of The Town“ kommt Bruder Henry bzw. Paul Manzy (ARENA) ins Spiel und liefert in der bluesigen Nummer eine grandiose Leistung. Der schickt Daniel zu seinem Vater Dee Snider, der ihn gleich mal im Heavy Classic Rocker „Get Out! Now!“ mitsamt seinen Chören aus der Familie verstößt und eine geniale Performance runterreißt. Zuvor trifft sich der verstoßene aber mit seinem imaginären Freund und mittlerweile ebenfalls AYREON Stammgast Mike Mills (TOEHIDER) in „Dump Piece Of Rock“, der wieder eine richtig verrückte Rolle abbgekommen hat und dazu passend steil geht. Danach wird es wieder proggiger, denn mit „Condemned Without A Trial“ wird es hektisch, „Daniels Funeral“ bedrohlich und „Hopelessly Slipping Away“ verdammt traurig. Simone Simmons gibt sich mit dem Tribut an das bereits erwähnte und ähnlich betitelte Album „This Human Equation“ wirklich Mühe, einen weiteren Hit abzuliefern, ehe es in Richtung Finale geht und man mit Abbys Vater Abraham die wohl größte Überraschung des Albums abliefert. Denn hinter der souligen Stimme verbirgt sich Johanne James, denn man eigentlich „nur“ als Drummer von THRESHOLD kennt. Dieser sorgt gerade im dramatischen „Inferno“ einmal mehr für Gänsehaut und vielleicht sogar Tränen in den Augen.

Erneut bietet Arjen die volle Palette an Gefühlen von Liebe, Hass, Neid, Wut und Hoffnung und lässt zahlreiche Genres von Prog und Power Metal über Classic sowie Melodic Rock bis hin zu Blues, Pop und Folk einfließen. So gibt es auch die Hurdy Gurdy, eine Violine ein Cello, ein Horn und Wind Instrumente als weitere außergewöhnliche Stilmittel. Dazu gesellen sich Solo-Beiträge von Legenden wie Marty Friedman oder Joe Stariani, opulente Chöre und Backings sowie eine herzzerreißende Story, erzählt von Tom Baker, der überraschenderweise kaum stört, sondern tiefer in die Geschichte eintauchen lässt.

Fans des Projekts greifen zu, sollten sich aber auf mehr Musical und weniger Eingängigkeit als am Vorgänger einstellen.

www.facebook.com/ArjenLucassenOfficial


6.5 von 7 Punkten

Tracklist:
1. Fatum Horrificum
2. Daniels Descent Into Transitus
3. Listen To My Story
4. Two Worlds Now One
5. Talk Of The Town
6. Old Friend
7. Dumb Piece Of Rock
8. Get Out! Now!
9. Seven Day, Seven Nights
10. Condemned Without A Trial
11. Daniels Funeral
12. Hopelessly Slipping Away
13. This Human Equation
14. Henrys Plot
15. Message From Beyond
16. Daniels Vision
17. She Is Innocent
18. Lavinias Confession
19. Inferno
20. Your Story Is Over!
21. Abby In Transitus
22. The Great Beyond
Gesamtspielzeit: 39:01 + 41:54

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Beitrag vom 25.09.2020
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