WAR ON WOMEN - Wonderful Hell
Label: Bridge Nine Records
Die feministische Hardcore-Band WAR ON WOMEN feiert heuer nicht nur ihr 10-jähriges Bestehen, sondern hat auch die Zeit des Lockdowns genutzt um ihr insgesamt drittes Album mit dem Titel „Wonderful Hell“ aufzunehmen. Das erste Mal kam mir die Truppe als Vorband von PROPAGHANDI und SHAI HULUD in der Arena Wien unter. Im Zuge des Konzertabends hatte ich auch die Gelegenheit die smarte wie sympathische Frontfrau Shawna Potter kennenzulernen. Seither sorgte die Band mit ihrem Hardcore-Punk, der sich Themen wie Gender Equality, Feminismus, Sozialkritik oder Misogynie nicht nur für Furore, sondern setzten u.a. mit ihren Kampagnen für „Safe Spaces“ für Frauen auf Konzerten auch aktive, politische Zeichen.

Auf „Wonderful Hell“ meldet sich die fünfköpfige Band aus Baltimore noch lauter und wütender denn je zurück. Schon der Opener „Aqua Tofana“ knüppelt nicht nur gewaltig los, sondern glänzt auch mit einer wunderbaren Hommage an Steve Albini’s Band SHELLAC und deren Song „Prayer To God“. So wird die Phrase „Kill him, kill him already, kill him“ im Refrain paraphrasiert und fügt sich nahtlos in die Lyrics von Frau Potter ein. Im konsumkritischen „Milk & Blood” gehen sie kurz vom Gas um beim Titeltrack „Wonderful Hell“ dann das Pedal wieder durchzudrücken. „Stolen Land“ behandelt nicht nur den Umgang der Vereinigten Staaten mit ihrer indigener Bevölkerung, sondern spannt den Bogen bis zur aktuellen Flüchtlingskrise und den von der Regierung Trump in Käfig gesperrte Kinder. Untermalt wird dies mit brutalem Riffing und mehrmaligen Tempiwechsel innerhalb der knapp vier Minuten.

Das gnadenlos groovende „White Lies“ räumt dann gleich mal gnadenlos mit den White Supremacists und Polizeigewalt auf „Get your boots of our necks”. Und in dieser Tonart geht es weiter, lediglich das abschließende „Demons“ fällt ein wenig aus dem Rahmen mit seiner fast epischen Länge von sechs Minuten. Frau Potter darf hier ihre stimmlichen Qualitäten eindrucksvoll unter Beweis stellen und trägt damit viel zur zwingenden Atmosphäre der Schlussnummer bei.

WAR ON WOMEN liefern mit „Wonderful Hell” nicht nur ihr bist dato härtestes Album ab, sondern auch ihr Meisterstück. Noch nie zuvor war die Band so zwingend, so zornig und hat den Zeitgeist so präzise getroffen. Unbedingt Reinhören, denn dies ist ein absoluter Kandidat für das Album des Jahres 2020.

www.bridge9.com/waronwomen


7 von 7 Punkten

Tracklist:
1. Aqua Tofana
2. Milk And Blood
3. Wonderful Hell
4. This Stolen Land
5. White Lies
6. Big Words
7. Seeds
8. Her?
9. In Your Path
10. The Ash Is Not The End
11. Demon
Gesamtspielzeit: 37:12

tsunemoto
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Beitrag vom 30.10.2020
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