SÓLSTAFIR - Endless Twilight Of Codependent Love
Label: Season Of Mist
Nicht sehr viele Bands polarisieren dermaßen wie SÓLSTAFIR – entweder werden sie vergöttert oder abgelehnt. Ich gehöre zur ersten Kategorie, und so bin ich wie viele andere schon sehr gespannt auf das neue Album „Endless Twilight Of Codependent Love“. Was gleich einmal ins Auge sticht, dass erstmals ein englischer Albumtitel verwendet wurde, aber es findet sich nur ein englischer Song auf dem Album, dessen Artwork eine Art Engel mit einem Raben auf der Schulter und einem Schwert in der Hand ziert.

Diese ganz besonderen Gitarrenklänge, dieser beinahe schmerzverzerrte Gesang, alles da, genauso wie auf den vorherigen Alben, und auch wenn alles vollkommen neu ist auf dieser Platte, so fühlt man sofort das besondere Feeling, das die Isländer, wie wenige andere Bands, vermitteln können. SÓLSTAFIR sind aber auch für extreme, jedoch stets gelungene Wechsel zwischen harten und hochmelodischen Parts bekannt, und diese finden sich auch gleich auf dem Opener „Akkeri“. Beim nachfolgenden „Drýsill“ werden genau diese Gegensätze stark betont, denn nach einem dermaßen bretternden Beginn, würde man kaum einen so hochmelodischen Song mit beinahe sanftem Gesang erwarten. Bei „Rökkur“ gibt es eine epische, mystische Eröffnung, die sich in ruhiger Musik fortsetzt, und beinahe zerbrechlich wirkende Vocals sorgen für eine triste Stimmung. Darauf folgt der einzige englischsprachige Track „Her Fall From Grace“, bei dem es, abgesehen von ein paar kurzen druckvollen Riffs, eher soft und traurig zur Sache geht. Auch wenn die Musik wunderschön ist, so geht aber gerade durch die englischen Lyrics viel vom Zauber des Songs verloren. Nach diesen eher langsamen Klangwelten, gibt es bei „Dionysus“ Knallhartes auf die Ohren, und die Stimme von Aðalbjörn Tryggvason überschlägt sich beinahe. Darauf folgt die sanfte Ballade „Til Moldar“, und in der ersten Hälfte von „Or“ kommen wir dann sogar beim Blues an – sehr ungewöhnlich, aber gut anzuhören. Das abschließende „Úlfur“ ist so wie der Opener ein typischer SÓLSTAFIR-Track, also genau das, was man eigentlich hören möchte.

Normalerweise entsteht bei der Musik von SÓLSTAFIR ein sehr intensives Feeling, das durchgehend anhält, aber das entsteht bei „Endless Twilight Of Codependent Love“ leider nur stellenweise. Die Isländer stellen zwar erneut unter Beweis, dass sie begnadete Musiker sind, aber irgendwie klingt zu wenig von den speziellen Riffs durch, die sonst so faszinieren können. Eine ziemliche Fehlentscheidung ist meiner Meinung nach der englische Song, da die besondere Mystik ja auch durch die isländischen Lyrics entsteht. Man darf gespannt sein, wie die Fans auf diese Platte reagieren werden, mich hat sie leider, trotz einigen mitreißenden Stücken, nicht völlig überzeugt.

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5.5 von 7 Punkten

Tracklist:
1. Akkeri
2. Drýsill
3. Rökkur
4. Her Fall From Grace
5. Dionysus
6. Til Moldar
7. Alda Syndanna
8. Or
9. Úlfur
Gesamtspielzeit: 62:56

Metalmama
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Beitrag vom 07.11.2020
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