DARK TRANQUILLITY - Moment
Label: Century Media
Auch wenn DARK TRANQUILLITY in ihrer Karriere schon ein paar Umbesetzungen hatten, konnte man diese immer mühelos und ohne viel Tamtam wegstecken und für eine Band, die im 31. Jahr ihres Bestehens ist, ist das Ganze bis heute ja noch relativ übersichtlich. Doch nun mussten sie den Abgang des Gründungsmitglieds, Gitarristen, Hauptsongwriters, Artwork-Artist, Video-Regisseur und Kopfes hinter vielen Konzepten, Niklas Sundin, verkraften. Um das zu gewährleisten, ließen sich Mikael Stanne und seine Schweden nicht lange lumpen und übernahmen niemand geringeres als Christopher Amott (Ex-ARCH ENEMY), der bereits länger live aushalf und den nicht minder erfahrenen Johan Reinholdz (SKYFIRE, ANDROMEDA, NONEXIST), was sich als absoluter Glücksgriff herausstellen sollte.

Ergebnis dieser neuen Zusammenarbeit ist das nunmehr zwölfte Werk „Moment“, das ganze vier Jahr nach „Atoma“ erscheint. Grundsätzlich bleiben sich DARK TRANQUILLITY treu und liefern einmal mehr düsteren und modernen Melodic Death Metal, der in der Produktion recht glatt gebügelt, aber doch auch über weite Strecken aggressiv und hungrig wirkt, gepaart mit den typischen Synthies, atmosphärischen Keys und dem einzigartigen Gesangsstil von Mikael, der immer wieder zwischen harsch und clean wechselt. Im Detail können die beiden Neuzugänge aber auf jeden Fall zahlreiche Akzente setzen, die aber teilweise erst durch mehrmaliges Hören so richtig zur Geltung kommen. Man nehme da zum Beispiel das außergewöhnliche Riffing in Kombination mit den Rhythmen von „Transient“, das schon relativ bald ins Auge beziehungsweise Ohr sticht und sich mit den bekannten DT Trademarks wunderbar verbinden. Ein erster Hitkandidat für die zukünftige Setlist. Aber auch „Phantom Days“ besticht schon durch intensive Gitarrenarbeit und emotionale Screams, sowie gekonnte Melodieführung am Keyboard, dass sich aber dezent im Hintergrund hält. Etwas flotter und heftiger geht es beim dynamischen „Identical To None“ zu, dafür nimmt sich „The Dark Unbroken“ in vielen Belangen zurück, lässt den Keys immer wieder mal den Vortritt, wodurch Stannes cleane Vocals besser zur Geltung kommen, und das macht sich bezahlt.

Auch wenn im Detail einige Riffs so noch nie bei DARK TRANQUILLITY zu hören waren, schafft es „Moment“ irgendwo sich zwischen „Damage Done“, „Fiction“ und „Atoma“ zu platzieren und geht weitestgehend auf Nummer Sicher. Das soll nicht negativ gemeint sein, denn das Material klingt, wie man es von der Band erwartet und auch irgendwie etwas frischer als zuletzt, etwas mehr Mut wäre schon nett gewesen, denn im Mittelteil plätschert das Album bei den ersten Anläufen doch manchmal etwas weniger spektakulär vor sich hin. Das aggressive „Ego Deception“ sticht da vielleicht noch etwas heraus. Aber nach einiger Zeit entwickeln sich auch das nach vorne preschende „A Drawn Out Exit“ oder das hochmelodische „Standstill“ zu Higlights. Gegen Ende geben die Schweden mit dem einprägsamen „Failstate“ und seinen verdammt coolen Rhythmen, dem intensiven „Empires To The Lost“ und dem verträumten Finale „In Truth Divided“ nochmal richtig in die Vollen.

DARK TRANQUILLITY zeigen mit „Moment“, dass man bereit ist neue Wege zu gehen, ohne seine Wurzeln zu vergessen und lässt auf mehr Mut zur Weiterentwicklung hoffen. „Moment“ ist ein verdammt starkes Werk, dass aber seine Zeit braucht um zu wachsen und große Überraschungen scheut, dafür aber unter der Lupe einige wirklich gelungene Ideen und Neuerungen finden lässt und so zu einem kleinen Meisterwerk heranwächst.

www.darktranquillity.com


6.5 von 7 Punkten

Tracklist:
1. Phantom Days
2. Transient
3. Identical To None
4. The Dark Unbroken
5. Remain In The Unknown
6. Standstill
7. Ego Deception
8. A Drawn Out Exit
9. Eyes Of The World
10. Failstate
11. Empires Lost To Time
12. In Truth Divided
Gesamtspielzeit: 50:30

maxomer
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Beitrag vom 18.11.2020
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