SANTANA - Shaman
Label: Arista Records
Ausnahmemusiker wie Carlos Santana stehen weitaus mehr unter dem Druck, bereits veröffentlichtes Material zu toppen oder zumindest das Niveau zu halten, als eine Durchschnittsband (wie gut sie auch sein mag) - und dass das nicht gerade leicht ist, versteht sich wohl von selbst.
Auch ein Santana wird nicht jünger, und auch einem kreativen Kopf wie er es definitiv ist, gehen vielleicht nicht gerade die Ideen aus, aber besser werden sie auch nicht wirklich. Bei "Shaman" stehe ich somit vor folgendem Problem: Ist es überhaupt möglich, nach dem Erfolg und der Genialität von "Supernatural" gleichwertiges oder gar besseres Material zu schreiben? Schwer, sehr schwer. Sollte man Neuveröffentlichungen an den Vorgängern messen? Definitiv. Gab es in der Musikgeschichte schon Fälle, bei denen Meisteralben noch einmal getoppt werden konnten? Mir fällt ad hoc kein Beispiel ein, nein.
Also, was ist zu tun? So viele Gastmusiker wie möglich einzuladen - ob sich das allerdings positiv auf das Album auswirkt, ist die Frage. In der Hinsicht war ich schon immer etwas skeptisch, genauso wenig wie ich Projekt-Bands leiden kann, mag ich Alben, auf denen alles irgendwie durcheinander ist, wo mit den verschiedensten mehr oder weniger prominenten, mehr oder weniger gerade angesagten und ebenso mehr oder weniger talentierten Gastmusikern geworben wird. Gut, was bleibt Carlos Santana schon großartig über - er ist ein hervorragender Gitarrist, aber definitiv weder Sänger noch auf irgendeinem anderen Instrument derart begabt wie auf seiner Paul Reed-Smith - und ein reines Gitarrenalbum abzuliefern wird zumindest für Nichtmusiker auf Dauer doch irgendwie langweilig, ganz egal wie gut die Stücke objektiv gesehen sind.
Ein weiteres Problem ergibt sich ebenso in diesem Zusammenhang: Mag sein, dass jedes Stück für sich gesehen wirklich gut ist, aber aufgrund der unglaublichen Fülle an verschiedenen Gastmusikern (vorallem bei der Vokalisierung) fehlt "Shaman" irgendwie der Rote Faden, das durchgängige Konzept - ganz in der Art "ein bisschen hiervon, ein bisschen davon und dazu setzen wir noch den Namen Carlos Santana dazu".
Natürlich kann man Santana auch nach "Shaman" keine Qualitäten absprechen, musikalisch gesehen ist das Album nachwievor top und äußerst temperamentvoll, aber ein Großteil der Gäste passen entweder nicht dazu oder können mit dem Niveau des Meisters einfach nicht mithalten - das muss einfach mal gesagt werden. Auf der einen Seite schreibt Santana meisterhafte Weltmusik, vielfältig aber doch unverkennbar und unvergleichlich, auf der anderen Seite wirken die Songs vorallem ob der Leistung der Gastmusiker wie ein Fertiggericht, schnell aufgewärmt und serviert. Macht es satt? Ja. Schmeckt es? Naja...
Kurzum: Es war definitiv schwierig und eine riesige Herausforderung, einen adäquaten Nachfolger zu "Supernatural" abzuliefern, und das ist Carlos Santana schon einmal nicht wirklich gelungen, zumal diesmal auch die Leistung der Musiker, die ihm zu Hand gehen weitaus enttäuschender als am Vorgänger ausgefallen ist. "Supernatural" war spontan, überraschend und grenzte an Perfektion, auf "Shaman" herrscht zwar kein reines Absatzkalkül und Werbung mit dem berühmten Namen vor, aber die Qualität ist doch deutlich gesunken, sodass man sich definitiv in mehreren Jahren an keines der hierauf vertretenen Stücke erinnern wird, auch wenn keines schlecht geworden ist - aber man kennt eben besseres, und jenes bleibt auch im Kopf verhaftet.
Von einem Ausnahmemusiker wie Santana kann man einfach mehr als "Shaman" erwarten - alles in allem eine zwiespältige Geschichte, weder top noch mies, einfach eine gute CD für zwischendurch, aber auch nicht mehr.




4.5 von 7 Punkten

Tracklist:
1. Adouma
2. Nothing At All
3. The Game Of Love
4. You Are My Kind
5. Amore (Exo)
6. Foo Foo
7. Victory Is Won
8. America
9. Sideways
10. Why Don't You And I
11. Feels Like Fire
12. Let Me Love Tonight
13. Aye Aye Aye
14. Hoy Es Adios
15. One Of These Days
16. Novus
Gesamtspielzeit: xx:xx

Macabre
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Beitrag vom 08.12.2002
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