SAMAEL - Reign Of Light
Label: Regain Records
Im Kinofilm „Hellboy“ fand sich kürzlich SAMAEL als schleimiges Monster, beziehungsweise im Konkreten als Inkarnation eines Dämonen wieder. Das rief in mir die Erinnerung hervor aus welcher Motivation die Schweizer einst ihren gewählt hatten. Doch die Tage, zu denen man den Gehörnten pries, sind vorbei. Ebenso durchlief die Band eine konstante musikalische Entwicklung, die zwar viele nicht gerne sehen, die nichtsdestotrotz bei genauerem Betrachten Schritt für Schritt nachvollziehbar ist.
Aber mal ehrlich, die Leute, die mit SAMAELs Umstieg auf eine modernere, elektronischere Schiene nicht klarkommen, die haben längst aufgehört, der Band Gehör zu schenken – liegt doch die Veröffentlichung von „Passage“, dem ersten Album auf dem Xy den Drumhocker gegen einen Stehplatz hinter seiner Keyboardburg mit Minimal-Drumrack eingetauscht hat, auch schon acht Jahre zurück. Für die, die die Entwicklung nachvollziehen konnten, sowie für die neueren Fans gibt es nach fünf Jahren endlich wieder etwas Neues. Dass die Erwartungshaltung, mit der sich die Band konfrontiert sah, keine Geringe war, ist evident. Eine Entwicklung zurück in Richtung der legendären, alten Tage war nicht zu erwarten, sondern umso mehr ein Ausbau der esoterischen, transzendentalen und spirituellen Inhalte, sowie den dazugehörigen musikalischen Einflüsse aus dem indischen Raum sowie elektronischer Klänge.

Demgemäß beginnt „Reign Of Light“, dessen Cover eine Sonnenfinsternis ziert, mit Sitarklängen, Vorph, der sich in einer Art hypnotischem Sprechgesang sowie einem halb gesungenen Refrain übt und der logischen Konsequenz der Beats auf „Eternal“. Das Lied hätte komplett auf „Eternal“ stehen können und erinnert in seinen Teilen an verschiedene Songs auf dem Vorgänger. Was rasch auffällt ist, dass zu vielen Teilen des Albums der Drumcomputer, wenn auch stets tanzbare, aber trotzdem eher realem Schlagzeugspiel nachempfundene Beats spielt, als es auf dem eher elektronisch ausgerichteten Vorgänger „Eternal“ der Fall war. Als Co-Produzent fand sich abermals Waldemar Sorychta (GRIP INC), der Haus und Hof-Producer der Band ein. Der Mix wurde von Stefan Glaumann vorgenommen, der bereits mit RAMMSTEIN und CLAWFINGER gearbeitet hat. Wider Erwarten ist der Sound dadurch nicht härter geworden – wohlgemerkt der Sound, nicht die Songs!

„Inch´Allah“, der zweite Track ist einen Deut härter als der erste Song und geht aber durchaus vorwärts. Wer sich ein wenig an „New World Order“ von THE KOVENANT erinnert fühlt, liegt absolut nicht falsch, der Refrain kommt dann wieder aus der melodietechnischen Schmiede des Vorgängeralbums.
„High Above“ erinnert danach ein wenig an die schweren Industrial-Klänge in „Jupiterian Vibe“ vom „Passage“-Album, wobei der Einsatz der Vokalistin beim Refrain besonders gelungen ist. Der darauffolgende Titeltrack geht abermals flott geradeaus und könnte ebenso auf „Passage“ stehen.
„On Earth“ besingt eine globale, spirituelle Einigkeit, die sich im Tanz findet und kann durch eine relativ hypnotische Struktur überzeugen. Beim Refrain des Songs begibt man sich dann wieder in die auf „Eternal“ entwickelten halb gesungenen Linien.
Dass die die Single „Telepath“ ein tanzbares Stück geworden ist, war absehbar, der Song erinnert jedenfalls ein wenig an den Opener des Vorgängeralbums. Besonders was die Vocals betrifft.
„Oriental Dawn“ wird zu Beginn entgegen seinem Titel klassisch und nicht orientalisch intoniert, bevor es schleppend in den Song geht – einige Melodibögen in dem Song stünden den Norwegern ARCTURUS gut zu Gesicht. „As The Sun“ präsentiert dann wieder mal die elektronischere Seite der Schweizer, bevor „Further“ den Spannungs- und Härtegrad ein wenig runterdreht und mit einem besonders eingängigen Refrain besticht – ok nächste Parallele, denkt mal an „The Cross“.
In „Heliopolis“ begibt sich die Band erneut nach Indien, bevor im Rausschmeißer „Doors Of Celestial Peace“ der Zuhörer mit einer einfachen, aber umso wirksameren Gitarrenmelodie umgarnt wird, um gefesselt sitzen zu bleiben und den Repeat-Knopf zu betätigen.

Die Plattenfirma spricht vom besten SAMAEL-Album; das würde ich zwar in der Form nicht unterschreiben, sondern es folgendermaßen umbauen, dass „Reign Of Light“ zwar einige Durchläufe benötigt, dann aber ein abwechslungsreiches und typisches SAMAEL-Album ist, das einerseits einen Schritt weitergeht, andrerseits einen guten Mix aus den beiden Vorgängeralben darstellt und das gewohnt hohe Level hält. Als Anspieltipps checkt mal die ersten beiden Songs oder „Door of Celestial Peace“ an.

www.samael.info


6 von 7 Punkten

Tracklist:
1. Moongate
2. Inch´Allah
3. High Above
4. Reign Of Light
5. On Earth
6. Telepath
7. Oriental Dawn
8. As The Sun
9. Further
10. Heliopolis
11. Door Of Celestial Peace
Gesamtspielzeit: 42:34

Gore
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Beitrag vom 10.10.2004
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