ANNIHILATOR - For The Demented
Label: Silver Linings
Gut zwei Jahre ist es nun her, dass Jeff Waters das Ruder von ANNIHILATOR und somit auch den Posten des Sängers wieder komplett übernahm, nachdem Dave Padden überraschend von Bord ging. Mit „Suicide Society“ bewies das kanadische Riff-Genie, dass bei der Band (bzw. wieder viel mehr Jeff Water vs the World Solo-Projekt) nach wie vor alles in Ordnung ist, auch wenn das Gefühl, dass irgendwie was fehlt, doch immer da war.

Mit „For The Demented“ legt Jeff nun nach und bietet auf dem 16ten Werk von ANNIHILATOR so ziemlich alles, was der Fan der Band erwaret. Schon „Twisted Lobotomy“ ballert nach kurzem, melodischen Intermezzo, das den Track sofort als den von Jeff auszeichnet, gewaltig los und reiht sich in die Riege der heftigsten Songs der Bandgeschichte ein. Jeff röchelt zunächst ziemlich wütend, ehe er etwas mehr Melodie in die Stimme legt, doch insgesamt herrschen hier furiose Rhythmen, knackige Riffs und typisch abgefahrene Waters-Leads vor. Nach dieser Thrash-Achterbahn geht´s flott weiter. „One To Kill“ bringt auch bekannte Trademarks mit, wirkt aber etwas entspannter, aber auch recht bekannt. Da hat der Titeltrack schon einen anderen Ansatz mit cleanem Gitarrenintro und unüblichen Rhythmen. Zudem herrscht ein düsterer Unterton und Jeff versucht stilistisch an Dave anzuknüpfen, was er auch gar nicht schlecht macht, jedoch beim Chorus etwas unkreativ wirkt, was durch den Instrumentalpart im letzten Drittel aber wieder gut gemacht wird.

Generell hat Jeff in den zwei Jahren einiges dazugelernt und ist von seinen Hetfield/Mustain Imitationen zum Glück viel weiter entfernt und klingt wieder mehr nach seinen früheren Alben wie auf „Refresh The Demon“ oder „King Of The Kill“, nur halt ein gutes Stück besser und variabler. Abgesehen davon gibt es aber auch gewohnt starke Riff- und Solokost von Waters, die ihm so schnell keiner nachmacht. Da kommt dann auch gleich die geniale Ballade „Pieces Of You“ ins Spiel. Nicht nur, dass sich der Text in Kombination mit der balladesken Ausrichtung als grandiose Idee herausstellt, geht es hier doch um Kannibalismus, bzw. jemanden, der seine aus Versehen getötete Partnerin loswerden will, auch stimmlich wächst hier der Meister über sich heraus.

Auch wenn mir auf „For The Demented“ die großen Hits etwas fehlen und sich ANNIHILATOR nicht wirklich aus der Komfortzone herauswagt, ist absolut für Abwechslung gesorgt. So steht beim fiesen und dynamischen „The Demon You“ der Bass etwas mehr im Vordergrund, „Phantom Asylum“ führt einen herrlichen Schlenzer zurück zu den 90ern der Band und gefällt im Mittelteil mit Western-Atmosphäre, und „Altering The Altar“ bindet überraschend Keyboards im Intro im Chorus ein und kombiniert diese mühelos mit typischen Riffattacken. Nur das rockige „The Way“ schwächelt ein bisschen, während „Dark“ als kurze Überleitung zum finalen „Not All There“ fungiert. Dieses gibt nochmal Stoff, zeigt sich aber auch vielschichtig mit cleanem Part und einigen Tempiwechsel.

Irgendwie geht mir Dave schon noch eine Spur ab, doch Jeff füllt diesen Posten nun wirklich bestens und man hat sich definitiv richtig entschieden, nicht schon wieder einen neuen Sänger zu suchen. „For The Demented“ ist ein starkes Album, das sich mühelos in die geniale Diskografie dieser Ausnahmeband einreiht.

PS: Die restliche Mannschaft bleibt unerwähnt, da Jeff sowieso alles selber macht und die Herren ja in spätestens zwei Jahren wieder ausgewechselt werden.

www.annihilatormetal.com


6 von 7 Punkten

Tracklist:
1. Twisted Lobotomy
2. One To Kill
3. For The Demented
4. Pieces Of You
5. The Demon You Know
6. Phantom Asylum
7. Altering The Altar
8. The Way
9. Dark
10. Not All There
Gesamtspielzeit: 48:10

maxomer
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Beitrag vom 17.11.2017
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