W.E.B. - Tartarus
Label: Apathia Records
Neben SEPTICFLESH und ROTTING CHRIST agieren die Herren von W.E.B. in Griechenland in ähnlichen Genregefilden, leider blieb diesen der Durchbruch, den die Kollegen bereits vor Jahren, wenn nicht Jahrzehnten schafften, noch verwehrt. Was absolut schade ist, und die seit 2002 agierenden Griechen hauen mit „Tartarus“ ein Album raus, das Fans der Kollegen und auch DIMMU BORGIR, CRADLE OF FILTH, aber auch BELPHEGOR Freudentränen in die Augen bringen könnte.

Zwar kenne ich die Vorgänger noch nicht und mit ein paar Recherchen findet man auch schnell raus, dass die Südländer schon zahlreiche Besetzungswechsel hinnehmen mussten und nicht immer ganz regelmäßig ins Studio fanden, doch „Tartarus“ ist immerhin nun das vierte Album raus und präsentiert eine Band auf höchstem Niveau, irgendwo zwischen Symphonic Black Metal, Gothic, Dark Metal und einer Prise Death.

Schon das über zweiminütige Cello-Intro mit dem Titel „Where Everything Begun“ (die Initialen der Band) sorgt für Spannung und Gänsehaut und könnte auch mühelos als Theme für eine Serie im Bereich Horror oder Fantasy fungieren, ehe man mit dem Titeltrack sofort Erinnerungen an SEPTICFLESH wach werden lässt. Bombastische Orchestration trifft auf modernen Black Metal, giftige, keifende Vocals von Sakis Darkface und düstere Atmosphäre. Im Gegensatz zu SEPTICFLESH, die mittlerweile in Perfektion und technischer Brillanz, hier und da den Song selbst auf der Strecke lassen, gehen W.E.B. weit weniger sperrig zur Sache. Dennoch könnte man meinen, die gleichen Profis für die Orchestration angeheuert zu haben – und damit sollte man auch Recht behalten, denn hier ist eben genau Christos Antoniu am Werke. Jedenfalls stimmt das Verhältnis zwischen Extreme Metal und Symphonic hier von Anfang an perfekt und das obwohl der Opener und das folgende „Ave Solaris“ fast zu den schwächeren Songs des Albums gehören, und die sind schon nahe an der Perfektion. „Ave Solaris“ bringt etwas mehr CoF mit in den Sound und gibt sich eine Spur hektischer, wird seinem Titel aber auch von den Vocallines her gerecht. Hier werden definitiv Höllenhunde von der Leine gelassen.

Es folgt mit „Dragona“ mein erstes großes Highlight. Bläser und dezente Trommeln leiten ein, ehe man den Song mit düsteren Riffs und dichter Atmosphäre immer weiter ausbaut und in BELPHEGOR-Manier mit leicht melodischen Leads losprescht. Der Refrain ist dann über jeden Zweifel erhaben und an Epik und Dramatik kaum zu überbieten.

Doch das Herzstück des Albums ist der epische Dreiteiler „Thanatos“, der auf 20 Minuten kommt und W.E.B. in absoluter Perfektion zeigt. „Part I: Golgotha“ (Name des Hügels an dem Jesus gekreuzigt wurde) beginnt melodisch und leicht verträumt, baut aber schon einen guten Spannungsbogen auf und walzt sich mit starken Leads im Downtempo nach vorne, ehe erstmals cleane Vocals einsetzen. Und verdammt, die klingen vertraut, was aber nicht verwundert, denn die stammen von niemand Geringerem als SEPTICFLESH Gitarrist Sotiris Vayenas, der hier grandiose Arbeit leistet, ehe der Song theatralisch und mit heftigen Blastbeats zu Ende geht und direkt in „Part II: Epitaphios“ (zu Deutsch Leichenrede / Leichespiele) überleitet. Erneut baut man einen orchestralen Spannungsbogen auf, erinnert stark an SEPTICFLESH und liefert eine achtminütige Extreme Metal Achterbahnfahrt, die es in sich hat. Vor allem die Harfe im Mittelteil ist eine große Überraschung und lockert mit weiblichen Vocals, die unter die Haut gehen und einen perfekten Kontrast zu den tiefen, bedrohlichen Screams von Sakis darstellt, auf. Das Finale in Form von „Part III: Mnemosynon“ (Latein für Denkmal / Monument) kommt technischer und opulenter daher und erzeugt eine dichte Atmosphäre mit Flüsterstimme und traurigen Streichermelodien im Mittelteil, bevor man das Album filmreif abschließt.

Nun noch das restliche Material zu nennen, würde den Rahmen sprengen, aber es sei gesagt, dass, auch wenn die „Thanatos“ Trilogie und „Dragona“ die großen Highlights des Albums sind, so kann das restliche Material auch als überdurchschnittlich und hörenswert erwähnt werden. Wer filmreif inszenierten Extreme Metal mit Orchestration auf höchstem Niveau hören will, der muss hier zugreifen. Vor allem wem SEPTICFLESH heute aufgrund von technischer Perfektion zu sperrig erscheinen, der hat mit „W.E.B.“ die optimale Alternative oder Ergänzung für das CD-Regal.

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7 von 7 Punkten

Tracklist:
1. Where Everything Begun
2. Tartarus
3. Ave Solaris
4. Dragona
5. I, The Bornless
6. Morphine For Saints
7. Cosmos In Flames
8. Thanatos Part I: Golgotha
9. Thanatos Part II: Epitaphios
10. Thanatos Part III: Mnemosynon
Gesamtspielzeit: 52:30

maxomer
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Beitrag vom 28.11.2017
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