SAXON - Thunderbolt
Label: Silver Lining (Warner)
Wir leben in verrückten Zeiten, in denen sich die Welt immer schneller dreht und kaum noch etwas Wert hat. Ist es da nicht verständlich, wenn man sich nach konstanten Dingen sehnt? Zum Glück gibt es die in der Musik noch, genauer gesagt im Hard Rock oder Metal. Einer dieser Konstanten sind die Briten von SAXON, die seit fast 40 Jahren funktionieren wie ein Schweizer Uhrwerk oder ein gut geölter Motor. Die Vorreiter der New Wave Of British Heavy Metal schütteln alle zwei bis drei Jahre ein Album aus dem Ärmel, dass man sich blind kaufen kann, den die Jungs von der Insel wissen wie kaum eine andere Band wie man seinem Stil treu bleibt, jedoch nicht auf der Stelle tritt.

So auch ihr neuerster Streich „Thunderbolt“, der nur so vor neuen Idee strotzt. Kurzes Instrumental Intro mit Choral Gesang zur Einstimmung, ehe der gleichnamige Titeltrack sofort Fahrt aufnimmt. Starker Opener, bei dem Nigel Glockler am Schlagzeug ordentlich den Takt vorgibt, während Sänger Peter „Biff“ Byford wie gewohnt Stärke beweist. Verschnaufpause wird einem keine gegönnt, denn „The Secret Of Flight“ mit kurzem melodischen Mittelteil, bei dem sich die Gitarristen Doug Scarratt und Paul Quinn eine feines Duell liefern und „Nosferatu (The Vampires Waltz)“ stampfen ordentlich durch die Gehörgänge. Nichte jede Nummer kann als Welthit bezeichnet werden, doch die Refrains bleiben im Gedächtnis und der Gesamteindruck passt einfach.

Weiter mit „They Played Rock And Roll“, das einem gewissen Lemmy gewidmet wurde und laut Biff genau jene Worte wiederspiegelt, die der legendäre MOTÖRHEAD Sänger jeden Abend aufs Neue verkündete. Als Produzent durfte diesmal Andy Sneap (KREATOR, MEGADETH, MACHINE HEAD) ran, der für frischen Wind sorgen sollte, während man sich beim Artwork-Zeichnen auf den Langzeit-Partner Paul Raymond Gregory verlies.

Für die nächste Überraschung und einige offene Münder dürfte „Predator“ sorgen, den niemand Geringeres als Stimm-Monster Johan Hegg von AMON AMARTH schreit oder singt hier im Duett mit Biff. Aber schon nach ein paar Sekunden wird einem klar, diese Zusammenarbeit funktioniert ausgezeichnet. Die Härte im Gesangsorgan von Johann und die unverwechselbare Stimme des Briten im Paarlauf harmoniert einfach.

Mein persönliches Highlight ist jedoch „Sons Of Odin“, das dezent beginnt, dann noch einmal eine Spur Geschwindigkeit heraus nimmt, ehe fast doomiger Sound die Stimmung aufbaut und Biff die Vocals nur so raushaut. Mit fünfeinhalb Minuten der längste Track und so bleibt gegen Ende noch Zeit die Gitarren erneut auf Anschlag zu trimmen. Mehr SAXON geht nicht.

Von Verschnaufpausen oder gar Balladen keine Spur und so denkt man bei „Sniper“ kurz an VAN HALEN, bei „A Wizard’s Tale“ mal eher an Durchschnittsware oder bei „Roadies’ Song“, bei dem auch die hart arbeitende Zunft im Hintergrund eine Würdigung verdient hat. Und so verfliegen die knapp 50 Minuten NWOBHM, bleiben jedoch erst nach dem zweiten Durchgang im Ohr hängen.

Das 22 Studioalbum der Engländer kann vielleicht den drei Vorgängern „Battering Ram“, „Sacrifice“ oder „Call To Arms“ nicht ganz das Wasser reichen, da die Hitdichte nicht so groß ist, einen höheren Einstieg in diversen Charts kann es dennoch vorweisen. SAXON sind seit 1979 eine Macht und starten ihre Welt Tournee mit einem feinen Album im Gepäck.

www.saxon747.com


5.5 von 7 Punkten

Tracklist:
1. Olympus Rising
2. Thunderbolt
3. The Secret Of Flight
4. Nosferatu (The Vampire’s Waltz)
5. They Played Rock And Roll
6. Predator
7. Sons Of Odin
8. Sniper
9. A Wizard’s Tale
10. Speed Merchants
11. Roadies’ Song
12. Nosferatu (Raw Version)
Gesamtspielzeit: 47:44

AndyVanHalen
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Beitrag vom 20.02.2018
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