VOR DIE HUNDE - Ein Gehirn Wäscht Das Andere
Label: Eigenproduktion
Dass im Extreme Metal Sektor deutsch-österreichische Kooperationen wunderbar funktionieren zeigten schon Truppen wie U.G.F. oder ULTRAWURSCHT. So holten sich die beiden Passauer Gebrüder David und Stefan Ka Unterstützung aus unserem Land in Form von zwei in dem Genre mehr als bekannten Namen. Armin Schwaiger, den wir wahlweise als Sänger, Gitarrist oder Schlagzeuger von AFGRUND, GODHATECODE, U.G.F. oder DISTASTE kennen, sitzt hier an den Kesseln, während Lukas Haidinger, der ebenfalls alles drei Positionen, immer mal wieder bei U.G.F., ULTRAWURSCHT, DISTASTE, GODHATECODE oder GODS OF EMPTINESS inne hatte.

Und die Jungs von VOR DIE HUNDE meinen es ernst, wie man schon am Bandnamen und dem Titel „Ein Gehirn Wäscht Das Andere“ sieht. Hier wird mit schnörkellosem Grindcore mit allem abgerechnet, was auf unserem Erdenrund schief läuft – und davon gibt es reichlich. In deutscher Sprache prangert Lukas Faschismus („Propaganda“), Konsumverhalten („Gib“, „Gratisversand“), Vorurteilen („Subuntermensch“), Religion („Unter Mein Dach“) oder auch sozialen Medien bzw. Handy-Sucht („Gegen Anti“, „Orthogott“) aggressiv, aber mit stets guten Argumenten gewaltig an. Und obwohl es hier um reale Themen geht und man vor Augen geführt bekommt, dass heute gewaltig viel schief läuft, schaffen es VOR DIE HUNDE mit klug angelegten Texten auch mal ein Schmunzeln zu provozieren, wie das kompakte „Optimiert“ schön zeigt: „Prozess um Prozess wird genau analysiert rationalisiert, der Gewinn wird transferiert, Belegschaft dezimiert, die Kosten minimiert, Gratulation, du bist optimiert“.

Auf musikalischer Seite klauen die vier bewusst bei Genregrößen, wie sie selbst zugeben. Neben fett groovenden Parts, stehen der Punk von NAPALM DEATH sowie das skandinavische Death Metal Riffing klar im Vordergrund. Die Tracks schwanken zwischen einer knappen Minute bis hin zu dreieinhalb Minuten. Die kurzen Tracks sind schnörkellose Grindattacken, während die längeren Songs oftmals mit Vorgeplänkel und viel Groove ausgestattet sind. Man merkt, dass VOR DIE HUNDE vor allem das Statement in den Vordergrund stellen, anstatt das Grindrad neu zu erfinden. Technisch ist das aber auf jeden Fall nicht von schlechten Eltern. Der Mix aus Grind, Groove, Death und Punk sitzt und sollte Genrefrans mühelos zufriedenstellen. Experimentelle Ausflüge, wie sie die britische Speerspitze gerne unternimmt, braucht mal somit nicht großartig erwarten. Aber „Unter Mein Dach“ überrascht mit cleanem Gitarrenintro, Blastbeats und ein paar Melodien, das durch den Fleischwolf gedrehte DEICHKIND Cover „Limit“ versucht sich erfolgreich mit mehrstimmigen Vocals und „Subuntermensch“ überrascht dann doch mit Western-Flair inklusive „These Boots Are Made For Walking“ Tribut, das mit seinem Text erneut einen Grinser hervorruft. Zum Schluss gibt es in „Mittlere Mittelschicht“ und „Schwarz“ noch etwas modernere Ansätze im Riffing, ansonsten wird aber traditionell weitergeknüppelt und –gebrüllt. Außerdem findet sich mit `Hurra Die Welt Geht Unter` noch ein weiteres, ungewöhnliches Cover von K.I.Z wieder.

Kurzum: Ein knappe halbe Stunde Grindcore mit allem was dazugehört, auf hohem Niveau, kritischen Texten zum Abreagieren und Moshen was das Zeug hält.

www.facebook.com/4dieHunde


5.5 von 7 Punkten

Tracklist:
1. Propaganda
2. Gib
3. Gratisversand
4. Gegen Anti
5. Optimiert
6. Unter Mein Dach
7. Limit (DEICHKIND)
8. Orthogott
9. Subuntermensch
10. Veriert
11. Hurra Die Welt Geht Unter (K.I.Z.)
12. Mittlere Mittelschicht
13. Schwarz
Gesamtspielzeit: 32:30

maxomer
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Beitrag vom 31.03.2018
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