ROTERFELD - Hamlet At Sunset
Label: True Artist
Die Biografie des Vorarlberger Marnus Flatz, eher bekannt als Aaron Roterfeld liest sich eigentlich wie ein kitschiger Roman. Als Jugendlicher von zuhause abgehauen (wenn auch mit Erlaubnis der Eltern) schlug sich der Tausendsassa durch Japan und Afrika, gründete später eine erfolgreiche Softwarefirma, setzte sich für humanitäre Projekte ein, moderierte im ORF und bastelte sich sein eigenes Studio. Für uns ist er aber vorrangig eines: einer der erfolgreichsten Österreichischen Musiker und Dark Rocker. Sein Debüt „Blood Diamond Romance“ schlug in den deutschen Charts auf Platz #2 ein und der Falco des Düsterrock, der auch mit David Bowie verglichen wurde, bestritt Auftritte auf großen Bühnen des Summer Breeze, M´era Luna und Nova Rock sowie eine Nominierung für den Amadeus Austrian Music Award.

Dennoch sollte es sieben Jahre dauern um den Nachfolger „Hamlet At Sunset“ zu veröffentlichen. Doch hat sich das Warten auf das Comeback gelohnt? ROTERFELD bleibt sich hier treu, wagt aber auch große Schritte nach vorne. Das Album klingt zwar ebenso wie sein Vorgänger wie ein Flickenteppich, der wohl in den letzten sieben Jahren entstanden ist – dafür aber wie ein wunderschöner Flickenteppich. Die Songs sind abwechslungsreich, voller Ideen, aber vor allem Herz und Seele. „No Friend Of Mine“, ein düsterer Synthie-Rocker geht gleich wunderbar nach vorne, geizt nicht mit coolen Hooks und lebt vor allem durch die verspielten Vocallines und die starke Leistung am Mikro von Aaron. Der Opener rockt wie Sau und mach sofort Lust mehr – und wir bekommen auch mehr.

„Bring Your Own Star To Life“ startet mit gewaltig heavy Riffing, verfällt aber schnell in düsteren Synthie-Pop, der aber im Radio funktionieren würde und einfach Spaß macht und nicht minder gut ins Ohr geht wie der Opener. „I Want More“ ist eine klare Aussage des Vorarlbergers, besticht zudem durch klassische Rock-Leads und hymnischem Refrain. Ein Novum, aber fast unverzichtbar, wenn man schon mit dem großen FALCO verglichen wird, ist die Deutsche Sprache, die zu „Flieg“ nicht schlecht past. Irgendwo zwischen CREMATORY und LETZTE INSTANZ. Tiefgründig und verträumt gehen hier Musik und Text eng Hand in Hand. Bei „Black Blood“ weiß man dann echt nicht mehr wo die Einflüse her kommen. Hier treffen DAVID BOWIE und BILLY IDOL auf Industrial Klänge, die an softere Versionen von MARILYN MANSON oder ROB ZOMBIE erinnern. Egal wo das Teil her kommt, es rockt wieder gewaltig und macht eine Menge Spaß. „King Of This Land“ wurde bereits im Vorfeld veröffentlicht, kommt um ein gutes Stück bombastischer daher und kratzt zeitweise knapp an der Kitschgrenze, wird aber wohl die neue Bandhymne auf kommenden Konzerten werden. Apropos Bombast: der 9-Minüter „Father And Son“ kommt mit kompletter und opulenter Orchestrierung und einer Menge mehr Klimbim daher. Ein gewagtes, aber auf jeden Fall gelungenes Experiment, denn das Epos kann sich auf jeden Fall hören lassen. Da wirken das abwechselnd erdig rockende und verträumte „Sea Of Stones“ und die Piano Ballade „Great New Life (Reborn)“ fast irgendwie klein. Den Track kennt man in anderer Form aber bereits vom Debüt. Dank Synthies, die nach Akkordeon tönen und später einsetzender Tuba, ist „You Are The One I´d Spend All My Money On” wohl am Gewöhnungsbedürftigen und etwas cheezy ausgefallen.

ROTERFELD ist das überraschende Comeback wirklich gelungen. Schon das Debüt klang für einen Künstler aus unseren Landen überraschend international konkurrenzfähig. Dass das keine Eintagsfliege war beweist Aaron mit „Hamlet At Sunset“, das seinen Vorgänger um Längen schlägt, auf jeden Fall mühelos.

www.roterfeld.com


6 von 7 Punkten

Tracklist:
1. No Friend Of Mine
2. Bring Your Own Star To Life
3. I Want More
4. Flieg
5. Black Blood
6. King Of This Land
7. Sea Of Stones
8. Father And Son
9. Great New Life (Reborn)
10. You Are The One Spend All My Money On
Gesamtspielzeit: 49:30

maxomer
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Beitrag vom 08.05.2018
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