Schon seit Monaten hatte ich mich auf diesen Abend gefreut. SPIRITBOX, eine der spannendsten modernen Metal-Bands, endlich als Headliner in Europa – und das in der ausverkauften TonHalle in München. Mit dabei: STRAY FROM THE PATH und PERIPHERY.
Ich kenne STRAY FROM THE PATH schon eine Weile, habe mich aber nie tiefer mit ihrer Musik beschäftigt. Doch je mehr ich im Vorfeld reingehört habe, desto größer wurde meine Vorfreude auf ihren Auftritt – und sie wurden meinen Erwartungen mehr als gerecht. Die Band lieferte mit einer Intensität ab, wie ich sie selten bei einem Opener erlebt habe. Ihr Set war kompromisslos, roh und energiegeladen. Fünf von sieben Songs stammten von ihrem aktuellen Album „Euthanasia“, dazu gesellten sich „Fortune Teller“ von „Internal Atomics“ sowie ihre neue Single „Kubrick Stare“ – möglicherweise ein Vorbote auf ein weiteres Album. Ein wilder Auftakt, der Lust auf mehr machte und mindestens mich als Fan dazu gewann.
PERIPHERY feierten an diesem Abend nicht nur ihr Set, sondern auch den Geburtstag von Sänger Spencer Sotelo. Doch trotz aller Spielfreude wurde ich nicht wirklich warm mit ihrem Auftritt. Der Sound war leider extrem laut und matschig, sodass die einzelnen Instrumente kaum voneinander zu unterscheiden waren. Technisch sind die Musiker auf einem sehr hohen Level und liefern beeindruckende Parts ab, doch die Kombination mit den Vocals gefiel mir einfach nicht so ganz. Die Musik an sich finde ich eigentlich ziemlich gut, aber insgesamt war es für mich persönlich der schwächste Moment des Abends.
Setlist PERIPHERY:
(Crush)
Wildfire
Atropos / Icarus
Masamune
The Bad Thing
Chvrch Bvrner
Marigold
Blood Eagle
Bereits im August letzten Jahres hatte ich mir voller Vorfreude Tickets für SPIRITBOX gesichert. Seitdem ist viel passiert: Eine Grammy-Nominierung, die Ankündigung eines neuen Albums und drei neue Singles, die das Warten noch spannender machten. Meine Erwartungen an die erste Europa-Headliner-Tour der Kanadier waren entsprechend hoch – und wurden größtenteils übertroffen.
Als Opener wählte die Band „Fata Morgana“, den Eröffnungstrack ihres noch unveröffentlichten Albums – ein perfekter Einstieg. Danach folgten „Cellar Door“ und “Jaded“, wobei es etwas dauerte, bis sich die Menge richtig bewegte. Ich hatte ehrlich gesagt erwartet, dass das Publikum von Anfang an mehr Energie zeigt. Ein etwas seltsamer Aspekt ihres Konzerts war, dass nach fast jedem Song die Musiker für eine halbe Minute die Bühne verließen. Vielleicht eine Verschnaufpause, vielleicht Teil der Inszenierung – für mich wirkte es nach dem fünften Mal eher störend und nahm dem Set etwas an Dynamik. Doch musikalisch und visuell ließen SPIRITBOX nichts anbrennen. Die Performance, vor allem von Courtney LaPlante, war absolut beeindruckend – ihre Bühnenpräsenz fesselte, ihre Stimme war live genauso kraftvoll und vielseitig wie auf Platte. Unterstützt wurde das Ganze durch eine aufwendige Lichtshow und beeindruckende Visualisierungen, die den Songs eine zusätzliche Dimension verliehen.
Nach fünf weiteren Songs, darunter der Publikumsliebling „Circle With Me“, fand Courtney endlich Zeit, ein paar Worte ans Publikum zu richten. Sie erklärte, dass dies ihre erste Europa-Headliner-Tour sei und sie versuchen wollten, möglichst viele Songs unterzubringen – daher auch die wenigen Ansagen zwischendurch. Dann gab es dann noch die volle Wucht der „Rotoscope”-EP mit allen drei Songs in Folge, die mit “Hysteria“ ein absolut intensives Ende fand. Mein persönliches Highlight waren aber die beiden neuen Singles „Soft Spine“ und „No Loss“, No Love, die live noch einmal deutlich brachialer wirkten als auf Platte. Besonders letzterer wurde zu einem echten Highlight, als Sänger Drew York von STRAY FROM THE PATH mit auf die Bühne kam – ein genialer Moment.
Man hätte erwarten können, dass SPIRITBOX mit „Holy Roller“ ihr Set mit einem Knall beenden würden. Stattdessen entschieden sie sich für einen emotionalen Abschluss mit Constance, das zunächst akustisch angespielt wurde, bevor es in der vollen Albumversion zu Ende gebracht wurde. Courtney erklärte, dass sie mit diesem Song die „Eternal Blue“-Ära bewusst abschließen wollten, bevor sie sich mit dem neuen Album auf eine neue Reise begeben.
Setlist SPIRITBOX:
Fata Morgana
Cellar Door
Jaded
Halcyon
Perfect Soul
The Void
Eternal Blue
Circle With Me
Rotoscope
Sew Me Up
Hysteria
Soft Spine
The Mara Effect, Pt. 3
No Loss, No Love
Holy Roller
Constance
Ein wirklich starkes Konzert, das musikalisch, visuell und atmosphärisch auf höchstem Niveau stattfand. Trotz kleinerer Makel – insbesondere der merkwürdigen Pausen und des etwas zurückhaltenden Publikums – war dies eine Show, die bewiesen hat, dass SPIRITBOX für größere Bühnen bestimmt sind. Wer sie bald sehen will, hat am Nova Rock in Österreich die Chance – und danach bleibt nur zu hoffen, dass sie bald wieder mit einer eigenen Tour zurückkommen.
SPIRITBOX sind bereit für den nächsten großen Schritt – und dieses Konzert war der perfekte Beweis dafür.
Fotos zur Verfügung gestellt von:
(c) Alexander Bemis