Das SBÄM Fest ’25 war bereits in vollem Gange, als die sympathischen Skate-Punker KRANG gerade von der Bühne kamen und sich beim Publikum bedankten. Wir nutzten die Gelegenheit, die vierköpfige Band aus Tschechien in der Festivalzentrale zu interviewen.
Wie war der Auftritt beim SBÄM Fest?
Hallo! Es war gut! Ja, perfekt! Es hat sich angefühlt wie bei der Warped Tour – Sonne, riesige Menge, große Bühne, großartiger Sound. Wirklich perfekt.
Würdet ihr sagen, SBÄM ist die Warped Tour Europas?
Ja, auf jeden Fall. Es gibt einen gewissen Wettbewerb zwischen Punk Rock Holiday und dem SBÄM Fest. Aber beide sind unterschiedlich und haben diesen typischen Warped-Tour-Vibe: Punkrock, schöne Umgebung, gute Leute.
Das Publikum beim SBÄM ist also unschlagbar?
Ja, absolut. Ihr werdet bezahlt, oder? Hahaha!
Hahaha, wir sind ein unabhängiges Magazin. Apropos Warped Tour: Wie fühlt es sich an, beim selben Label wie Authority Zero, Mad Caddies und Useless ID zu sein?
Für eine Band aus Tschechien ist das fantastisch. Wir kommen aus einem kleinen Land mit wenigen Punkrock-Bands und fühlen uns privilegiert. Es ist toll, Teil davon zu sein. Ich weiß nicht, ob es je eine tschechische Band gab, die international im Punkrock wirklich viel unterwegs war. Wir sind vielleicht Pioniere – nur circa 15 Jahre zu spät.
Euer Sound klingt auf den Alben großartig – moderner Heavy Pop Punk, obwohl ihr nicht aus Prag kommt. Wie habt ihr das aus eurer kleinen Stadt geschafft?
Die Tschechische Republik ist generell klein, ebenso die Szene. Es gibt nicht viele große Städte oder viele Punkrock-Bands. Wenn man die Musik liebt und Leute kennt, kommt man leicht z. B. nach Prag. Aber aus einer kleinen Stadt muss man mehr arbeiten und sich beweisen. In Prag ist alles da – Shows, Studios, Bands –, man kann faul werden. Bei uns war mehr Eigenantrieb nötig.
Habt ihr eure Alben in Tschechien aufgenommen?
Ja, alle. Beim letzten Mal haben wir ein Studiohaus auf dem Land gemietet, ohne Handyempfang, und ein paar Tage durchgearbeitet. Unser Tontechniker kommt aus Prag – Damien von The Skywalker. Er hat die letzten beiden Alben aufgenommen, produziert wurden sie von Yotam (Useless ID).
Die letzten beiden Alben klingen richtig fett. Die Drums sind super druckvoll, die Produktion ist sehr tight.
Danke. Da sind wir sehr stolz darauf.
Eure Songs sind meist zwischen 1:30 und 2:30 Minuten lang – trotzdem passiert in dieser kurzen Zeit viel. Wie schreibt ihr so kompakte Stücke?
Wir sagen immer: Besser zweimal hören als sich in der Mitte zu langweilen. Besonders auf den ersten Alben waren alle Songs unter zwei Minuten. Beim neuen Album sind ein paar etwas länger. Aber wie Dan sagt: Lieber ein kurzer Song, den man gern wiederholt, als einen langen, der nervt.
Mein Favorit vom aktuellen Album ist „Distance“.
Ja, den spielen wir bisher nicht live. Das ist ein Midtempo-Song. Bei der Probe hat jeder auf einen Zettel seine fünf Favoriten geschrieben – dann gezählt und sechs Songs fürs Live-Set ausgewählt. Ich war für „Distance“, weil ich ihn geschrieben habe. Er ist vielleicht etwas anders, aber ich mag ihn sehr.
Ihr habt heute „Everyday Brand New Leader“ gespielt, oder? Vom ersten Album „The Baddest Brain“ – 2016 erschienen. Heißt, nächstes Jahr ist Jubiläum?
Das Album ja, aber die Band ist dieses Jahr zehn Jahre alt. Letztes Jahr war schon das große Jubiläum, und heute feiern wir. Früher waren wir oft wütend, heute sind wir glücklich.
Und was sind die Pläne für die nächsten Jahre?
Ein neues Album, hoffentlich. Dieses Jahr gibt’s noch eine Tour, die wir in wenigen Wochen ankündigen. Im September stehen weitere Termine an, danach einzelne Shows bis Jahresende. Dann arbeiten wir langsam an neuem Material. Wenn alles klappt, nehmen wir es bis Ende nächsten Jahres auf.
Könnt ihr schon sagen, in welche Richtung es musikalisch geht? Wieder Comics, Gaming, TV-Shows?
Vielleicht mehr österreichische Pop-Szene. Wie FALCO. Ich liebe FALCO – er war mein erstes Vorbild. Ich bin großer Fan.
Welcher Song von ihm ist dein Favorit?
„Der Kommissar“, ganz klar. Aber Österreich hatte auch eine starke Punkband: RENT TO KILL. Ihr Album „Anti-Chorus“ ist eines der besten europäischen Punk-Alben.
Ja, RENT TO KILL waren großartig.
Leider sind sie nicht mehr aktiv – keine Shows, keine neuen Releases. Ich glaube, sie haben aufgehört.
War Rory Gilmore dein großer Schwarm in der Schule?
Ich würde sagen, ich habe die Serie geliebt. Ich habe sie vor ein paar Jahren nochmal geschaut und dachte: Ich muss einen Song schreiben. Auf Instagram ist heute alles so perfekt. In den USA sind alle wie Rory Gilmore – Kaffee trinken, Filme schauen, lernen, alles schaffen, Einser schreiben. Aber niemand ist so perfekt. Also dachte ich: Ich schreibe einen Song darüber, dass niemand Rory Gilmore sein kann.
So eine tiefgründige Antwort habe ich nicht erwartet. Ein paar Trivia-Fragen zum Schluss. Wer ist der Erzfeind der Turtles?
Shredder oder Krang. Oder der Foot Clan. Auch Rocksteady & Bebop gehören dazu.
In „Zurück in die Zukunft I“ – in welches Jahr reist Marty McFly zurück?
War es 2021? Oder die 60er? Vielleicht späte 50er, frühe 60er. Da wurde Rock’n’Roll gespielt – Pin-up-Style. Also mein Tipp: späte 50er.
1955. Nächste Frage: Wann kam das erste Super Mario von Nintendo in Europa raus?
Europa? Puh … vielleicht auf dem SNES oder Sega. Für Nintendo? 1994?
Danke. War knapp daneben. Und: Wie heißt der Opa von Donkey Kong?
Keine Ahnung, ich hasse das Spiel. Es ist so schwer! Besonders in Arcade-Bars auf „schwierig“. Früher war’s leichter. Jetzt ist alles schwerer – auch alte Games wie Warcraft 1.
Welcher Song funktioniert live am besten? Bei welchem geht das Publikum richtig ab?
„Wicked Game“ vielleicht. Das Publikum reagiert unterschiedlich. Ich persönlich mag „The Guns“ live sehr.
Letzte Frage – was wollt ihr unseren Leser:innen noch mitgeben?
Hört Punkrock weiter. Schaut bei uns vorbei. Wir arbeiten an einem neuen Album und wollen es noch besser machen als das letzte.
Autor: Stefan Pravits
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