„Alles bisher nur Übung“, das verkündeten die Schweden AVATAR vor ihrer aktuellen „In The Airwaves“ Tour, die ihre bis dato fettesten Shows versprach. Zudem hat man aktuell ja mit „Don’t Go In The Forest“ ein neues großartiges Album in der Hinterhand, das ebenso präsentiert werden wollte, wie so manch Hit und Klassiker. Zuvor durften aber WITCH CLUB SATAN und ALIEN WEAPONRY auf ihre Weise für Stimmung im Gasometer in Wien sorgen.
Von Hexen, Satan und Feminismus
Female Rage: Die drei Damen von WITCH CLUB SATAN aus dem fernen Norwegen haben sich in der Black Metal Szene einen Namen gemacht, orientieren sich an Legenden wie MAYHEM, DARKTHONE oder EMPEROR und identifizieren sich als Hexen. Dementsprechend intensiv war die Show von Sekunde eins. Mit stanischem Wollmützchen und passender Strickjacke zelebrierte man einen Hexentanz, der viele verwirrte Blicke zurückließ. Als dann das wüste und chaotische Black Metal Geballer losging, war noch mehr Staunen zu erkennen. Drei Damen, halbnackt auf der Bühne, verkünden satanische Rituale und bieten passend dazu auch gleich den Höllen-Soundtrack, das kann im Vorprogramm von AVATAR durchaus irritieren und die Fragen wurden rundum gestellt, wie diese Band hier im Gasometer landen konnte.
Doch schon eine kurze Recherche erklärt, warum man mit diesem Wechsel aus okkulten Beschwörungen und krachenden Extreme Metal, auch abseits der Black Metal Szene Fuß fassen kann, behandeln die drei Norwegerinnen, die nach einiger Zeit sich dann komplett frei von Kleidung machten, doch feministische Themen, orientieren sich aber auch am Weltgeschehen. Ob man das Ganze aber hier wirklich transportieren konnte, ist fraglich, wurden weder die Texte, noch die Rituale akustisch verständlich dargeboten und auch die kurzen Ansagen verkündeten vorrangig typische Black Metal Tropes.
Routinierte Haka-Metal Aktion
Weiter ging es in eine ganz andere Richtung. Die Jungs von ALIEN WEAPONRY konnten einst mit ihrem Debüt – da waren die Mitglieder gerade mal 15-16 Jahre alt – für Aufsehen sorgen. Die Neuseeländer brachten Māori-Themen, Texte und auch deren Sprache in ihre Musik. Die Nähe zu frühen SEPULTURA, aber auch weiteren Einflüssen war auch an diesem Abend zu spüren und mit dem Opener „Rū Ana Te Whenua“, der sogleich auch die Rufe zum traditionellen Kriegstanz der Māori, genannt Haka, verkündete, war die Stimmung gleich großartig. Die drei Jungs hatten sichtlich Spaß auf der Bühne, zockten sich gekonnt durch ihr kurzes Set, ließen aber abgesehen vom Opener und Abschlusstrack „Kai Tangata“ etwas an Effekt und Highlights vermissen. Aber die technischen Probleme scherzte man routiniert weg und auch sonst war die Chemie in der Halle an dem Abend großartig. Und so war auch schon der Weg für den Headliner geebnet.
Setlist ALIEN WEAPONRY:
Rū Ana Te Whenua
Te Riri O Tāwhirimātea
Mau Moko
Taniwha
Kai Tangata
Manege frei für AVATARs „In The Airwaves“
AVATAR haben einen Ruf und den galt es auch an diesem Abend zu verteidigen. Die Jungs überzeugten spätestens seit ihrem Druchbruch Album „Hail The Apocalpyse“ mit starkem Melodic Death Metal, aber auch mehr. Frontclown Johannes Eckerström ist nicht nur eine Rampensau und Entertainer wie im Bilderbuch, er ist auch ein extrem smarter Kerl, der mit seinen Kollegen, immer weitere Einflüsse im Sound zuließ, die Show immer opulenter gestaltete und auch sonst ein sprudelnder Brunnen an Ideen ist. Und so war klar, dieser Abend im Zuge der „In The Airwaves Tour“ wird etwas besonderes….
Man verkündete ja auch vorab, dass alles bis zu diesem Punkt nur Training war und man nun eine wahre Show abliefern wolle. Nicht, dass man zuvor auf Festivals, Clubs oder auch im Vorprogramm von IRON MAIDEN (Live-Report) zeigte, dass man das Zeug zum echten Headliner hat, nein auch hier fuhr man so viele Geschütze auf wie noch nie.
Los ging es mit einem intensiven Intro, das dicke Drumkit in der Mitte fuhr auseinander und die Band stapfte in die Front der Bühne um das hypnotische „Captain Goat“ vom aktuellen Werk zu intonieren. Pyros, Lichteffekte und so manch Konfettiregen ließen die Meute jubeln. Aber auch das bald im Set platzierte „The Eagle Has Landed“, das tausende Kehlen aufwärmte, tat der Stimmung gut. Johannes zeigte sich charmant, witzig und kreativ wie immer, machte seinen: „Ich spreche nicht so gut deutsch, aber besser als ihr schwedisch“ –Witz, um das Eis nochmal zu brechen und sorgte auch im Verlauf des Sets für weitere Lacher. „In The Airwaves“ und der Titeltrack „Don’t Go In The Forest“ vom aktuellen Werk sind echte Live-Banger und fügen sich neben Klassikern wie dem unverschämt eingängigen „Bloody Angel“ oder dem Rhythmus-Monster „Colossus“ wunderbar ein. Auch dieses Mal packte der Fronter mit der Clownsvisage, der immer mal wieder an seinem magischen Benzinkanister nippte, ans kleine Klavier. Dieses Mal gab es zwar leider nicht „The Tower“, aber auch „Howling At The Waves“ sorgte mühelos für Gänsehaut.
Auch seine Verbindung zu Österreich unterstrich Johannes in dem er erzählte, dass er in Fuschl am See sein erstes Sackhaar gefunden habe und dort zum Mann wurde und bedankte sich bei den Fans, denn AVATAR würden immer weiter machen, auch wenn keiner mehr zuhören würde, doch mit „uns“ mache es ihm natürlich doch mehr Spaß. Auch Dank an die Vorbands gab es und so wurden die Hexen ebenso wie die Aliens nochmal erwähnt, wobei er letztere als das Beste aus Neuseeland seit Frodo Beutlin bezeichnete.
Und so verging die Zeit wie im Fluge, die Manege wurde leer. Doch das nur, um jemand anderes Platz zu machen, denn der König machte seine Aufwartung wie das Intro „Glory To The King“ schon andeutete. Gitarrist, Dreadlocke und Rauschebart Jonas Jarlsby nahm auf dem Thron Platz, vergaß dabei aber seine Axt nicht und schon ging die Rock-Party mit „Legend Of The King“ weiter.
Auch der Rote IT-Luftballon schwebte bei der Zugabe durch den Raum und schon nahm der Sänger nochmal einen tiefen Atemzug, denn er rieche da etwas: „Smells Like A Freakshow“ brachte nochmal Bewegung in die Reihen, ehe „Hail The Apocalpyse“ den Abend mehr als würdig und schön aggressiv beschloss.
Setlist AVATAR:
Captain Goat
Silence In The Age Of Apes
The Eagley Has Landed
In The Airwaves
Bloody Angel
Death & Glitz
Blod
The Dirt I’m Buried In
Colossus
Torn Apart
Howling At The Waves
–
(Glory To Our King)
Legend Of The King
Let It Burn
Tonight We Must Be Warriors
–
Don’t Go In The Forest
Smells Like A Freakshow
Hail The Apocalpyse
AVATAR kamen sahen und siegten! Die Band hat alles, was es zum echten Headliner braucht. Eine grandiose Show, zahlreiche und abwechslungsreiche Hits, eine Nähe zum Publikum und vor allem Energie und Freude am Auftreten, die viele alte Helden nicht (mehr) so grandios auf die Bühne bringen. Eine Band, die man erlebt haben sollte.
Autor & Fotos: Max Wollersberger