KARNIVOOL – In Verses
KARNIVOOL
In Verses
(Progressive Metal)

 


Label: Inside Out Music
Format: (LP)

Release: 06.02.2026


Dreizehn Jahre sind eine Ewigkeit in der Musik. So lange waren die Aussie Prog Giganten von KARNIVOOL nicht mehr im Studio. Auf den Bühnen waren sie seit dem Hitalbum „Asymmetry“ weiter zu sehen, aber die Motivation für neue Musik war einfach nicht gegeben. An die 300.000 verkaufte Alben und ein Nummer 1 Album in ihrer Heimat waren mehr als genug, um das bisher Geschaffene zu überdenken und sich Zeit zu nehmen für eine etwaige Neuausrichtung.

Ganz so ist es dann doch nicht gekommen. „In Verses“ ist nach dreizehn Jahren vieles, aber mit Sicherheit ist es keine komplette Neuorientierung. Der Sound ist unverkennbar KARNIVOOL und ihre Trademarks blieben gottseidank erhalten. Diese sind bei aller progressiver Ausrichtung trotzdem ein unfassbares Gespür für Melodien, Hooks und eine herausragende gesangliche Performance. Alles auf Basis einer Weltklasse Rhythmusfraktion am Bass und den Drums.

„In Verses“ ist ein Werk von fünf großartigen sich perfekt ergänzenden Musikern. Die Songs sind progressiv, das Gitarrenspiel teils wahnwitzig und dissonant, aber allem fehlt nie der rote Faden und der Groove. Den KARNIVOOL sind vor allem unendlich groovig. Das liegt wohl zu einem Großteil an der Gesangsperformance von Ian Kenny, der vor allem in den hohen Lagen brilliert und dem sensationellen Drumming von Steve Judd, der technisch so perfekt weiß viele Kleinigkeiten einzubauen und das ganze so funky und dynamisch zu halten.

„Ghost“ beginnt schon mit coolem funkigen Beat und fast INCUBUS ähnlichem Vibe bevor sich die Gitarren mächtig auftürmen. Mit dem Opener sowie dem folgenden „Drone“ stehen die härtesten Stücke des Albums gleich zu Beginn. Hier dürfen sich die Gitarren stark verzerrt austoben. Genauso wie Ian Kenny an den Vocals, der gefühlt spielerisch zwischen tiefen, mittleren und höchsten Tonlagen wechselt, ganz so wie es der Song von ihm verlangt. Das ist schon sehr große Klasse. Bereits in den ersten beiden Stücken wird die Stärke von KARNIVOOL offensichtlich. Die Rhythmen sind vielschichtig, die Takt- und Tempowechsel passieren gefühlt im Halbminutentakt, aber es bleibt trotzdem ungemein eingängig. „Drone“ mit seinem hymnischen Refrain ist dafür das beste Beispiel.

Mit „Aozora“ wird es dann proggy. Die Rhythmik gleich zu Beginn ist an TOOL angelehnt, so sperrig und schwer zu fassen. Das Drumming hört sich schlichtweg sensationell an bevor der Song in sphärischen Gitarren und einem fantastischen Refrain aufgeht. Das ist Songwriting at its best. Überhaupt sind die großen melodischen Refrains wieder zurück bei KARNIVOOL wie neben „Aozora“ auch „Conversations“, „Reanimation“ und „Opal“ zeigen. Wer diese Hymnen auf dem Vorgänger „Asymmetry“ vermisste, sollte mit „In Verses“ schnell warm werden.

„Animation“ überrascht mit unüblichem Takt und wieder gewissen TOOL Vibes zu Beginn. Der Song schwimmt, wie im Wellenbad zwischen langsamen und leisen Phasen auf Eruptionen zu, bevor die Spannung wieder abnimmt, um erneut Anlauf zu nehmen.

Das abschließende Trio an Songs hat es nochmals in sich. „Remote Self Control” ist ein steter Kampf zwischen von Gitarrenriffs vertonter Wut und der Melancholie in Form von Kennys Stimme. Die Gitarren und Drums duellieren sich in vertrackten Rhythmen, der Sound ist fast an DREDG angelehnt und geht als kleines Prog Meisterwerk durch Mark und Bein.

Mit „Opal“ und „Salva“ wird es langsam und ruhig. Ist ersteres noch im Midtempo angesiedelt geht der Closer als Prog Balade durch. KARNIVOOL schaffen es aber auch hier nicht cheesy oder anbiedernd zu werden, sondern kreieren pure Atmosphäre, die nachdenklich zurücklässt.

„There ain’t no place I’d rather be. But I’ve gotta go, I’ve gotta run away. I’ll carry my heart down to the sea And let the salt dissolve it”  “Salva”

„In Verses“ ist ein Comeback, von dem viele Bands nur träumen können. Basierend auf dem enormen technischen Können aller Mitstreiter wurde der vierte Streich von KARNIVOOL vielleicht zu ihrem besten Album bisher. Einziger Wehrmutstropfen sind leichte Längen in „Conversations“ und „Reanimation“, die es schwer machen stets im Kopf komplett dabei zu bleiben.

Autor*in: Michael Wimmer


Tracklist „In Verses“:
1. Ghost
2. Drone
3. Aozora
4. Animation
5. Conversations
6. Reanimation (feat. Guthrie Govan)
7. All It Takes (2025 Remastered Version)
8. Remote Self Control
9. Opal
10. Salva

Gesamtspielzeit: 63:07

 


Band-Links:
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KARNIVOOL – In Verses
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LineUp:
Ian Kenny (Vocals)
Drew Goddard (Guitars)
Mark Hosking (Guitars)
Jon Stockman (Bass)
Steve Judd (Drums)
9.5
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