This Is Goodbye…
(Psychotic-Mosh-Metal)
Label: Pure Noise Records
Format: (LP)
Release: 27.03.2026
2024 war für mich musikalisch das Jahr von BOUNDARIES und „Death Is Little More“. 2025 übernahmen ORTHODOX mit „A Door Left Open“. Mit CHAMBER und ihrem neuen Album „this is goodbye…“ geht diese Serie 2026 nun wunderbar weiter. Was alle drei Alben verbindet: Produzent Randy LeBoeuf, der in drei aufeinanderfolgenden Jahren mein jeweiliges Lieblingsalbum abgemischt hat.
CHAMBER kannte ich lange nur als Name, der immer wieder im Umfeld von ORTHODOX auftauchte. Die Bands teilen sich Nashville als Heimat und standen gemeinsam auf Tour. CHAMBERs Sänger Jacob Lilly spielte vorher sogar Bass bei ORTHODOX. Als „A Love To Kill For” 2023 erschien, war der Funke übergesprungen. Ein Album, das Aggression und Songwriting auf einem Level vereinte, das mich irrsinnig gespannt auf den Nachfolger machte.
„this is goodbye…“ liefert ab. Zwölf Songs in knapp 30 Minuten, kein Füller, kein Leerlauf. Die Band nennt ihren Sound „psychotic-mosh-metal“, und das trifft es hier so gut. Wilde Rhythmuswechsel, virtuose Spielereien und eine Unberechenbarkeit, die das Album definitiv zu keiner leichten Kost machen. Die Breakdowns (wobei jedes Lied eigentlich durchgehend ein Breakdown ist) profitieren enorm davon. Durch die ständigen Tempi- und Rhythmuswechsel treffen sie umso härter. „violins“ und „resurrect“, letzteres mit einem Feature von Vincent Bennett (THE ACACIA STRAIN), sind die besten Beispiele dafür.
Die Produktion ist eine der besten Seiten des Albums. LeBoeuf mischt so, dass Gesang, Drums und irrsinnig reißerische Gitarren genau dort sitzen, wo sie hingehören. Nichts geht unter, nichts drängt sich vor. Wie schon bei ORTHODOX und BOUNDARIES fängt er den rohen, chaotischen Charakter der Musik ein, ohne an Klarheit zu verlieren.
Neu sind die cleanen Vocals. Die Dosierung stimmt, nicht zu viel, nicht zu wenig. In „scarlet ink“, einem meiner beiden Favoriten, stehen sie im Kontrast zu den harschen Screams. Überhaupt bildet „scarlet ink“ die ganze Bandbreite des Albums in knapp drei Minuten ab. Mein zweiter Favorit, „parting gift“, sitzt in einer Dreiergruppe mit „surveillance“ und „angel“, die mit unter zum Intensivsten gehört, was CHAMBER bisher geschrieben haben.
Textlich geht es um die Erschöpfung des Bandalltags, den Zweifel, ob der kreative Weg der richtige ist und die Last, die das alles mit sich bringt. Als Hörer*in erlebt man das weniger als Geschichte, eher als emotionalen Strom, der von Track zu Track dichter wird. Die Zeile „forever is too much for a soul to endure“ aus dem Intro des Openers gibt die Richtung vor. In „angel“ taucht ein Mitschnitt einer Beerdigung auf, den Gitarrist Gabe Manuel laut eigener Aussage seit Jahren verwenden wollte. Ein Moment, der seine Wucht nicht aus Lautstärke holt, sondern aus Ehrlichkeit.
Das 48-sekündige „death without departure“ schafft kurz vor Schluss einen Moment der Stille, bevor der Closer „in revolving doors“ mit vier Minuten den Schlusspunkt setzt. Aus diesem Song stammt auch der Albumtitel. Das geglitchte Elektropiano-Outro passt perfekt zu allem, was davor war. Weniger Auflösung als Bestandsaufnahme.
„this is goodbye…“ ist – Stand jetzt – mein Albumfavorit 2026, das Jahr ist aber noch jung. Als Fan von „A Love To Kill For“ hatte ich gehofft, dass CHAMBER genauso weitermachen. Dass sie ein Album gebracht haben, das so gut ist und klingt, hatte ich nicht erwartet. Nashville hat erneut geliefert.
Tracklist “This Is Goodbye…”:
1. Arms Of Eternity
2. Scarlet Ink
3. Violins
4. Vanity
5. Surveillance
6. Parting Gift
7. Angel
8. Pale Blue (why?)
9. Without A Trace
10. Resurrect (feat. Vincent Bennett)
11. Death Without Departure
12. In Revolving Doors
Gesamtspielzeit: 29:17
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