
Confusion Gate
(Atmospheric Black Metal)
Label: Gilead Media
Format: (LP)
Release: 21.10.2025
Im Black Metal ist Norwegen der Nabel der Welt. Punkt. Man kann dieses Statement vielleicht noch auf die anderen skandinavischen Länder erweitern, aber ein Großteil des Genres stammt aus dem europäischen Norden.
Doch auch über dem Teich ist die Black Metal Szene gar nicht so klein. Sie definiert sich über eine etwas andere Ausrichtung und Spielart. Weniger roh, mit mehr Melodik gespickt, recht oft mit Post Metal Elementen versehen und kulturell immer wieder mit folkigen Ansätzen verbunden. Bands wie WOLVES IN A THRONE ROOM, KRALLICE und AGALLOCH konnten auch hierorts schon größere Erfolge verbuchen. Neuerdings sind es Bands wie UADA und BLACKBRAID die Europa mit Touren heimsuchten. Und der Underground ist mit PANOPTICON, AGRICULTURE und den hier zu besprechenden YELLOW EYES groß im Kommen.
YELLOW EYES kommen aus New York, sind seit 2010 aktiv und wirkliche Arbeitstiere. Bisher gab es bereits sechs Longplayer des Quartetts. Und nur zwei Jahre nach dem bereits sehr gut in der Szene aufgenommenen „Master’s Murmur“ folgt nun der siebte Streich „Confusion Gate“.
Wurde für die Genrekollegen von AGRICULTURE hier vor kurzem schon fast die Bestnote vergeben, ist dieses Album nahe dran. „Confusion Gate“ ist ein absolutes Meisterwerk im atmosphärischen Black Metal. Auf einer Laufzeit von über einer Stunde ist das Album eine Reise durch Landschaften und Emotionen in einem steten Wechselspiel von perfekter wunderschöner Melodik und infernaler purer Raserei. Die Vocals sind hier nur Beiwerk und nie im Vordergrund, sondern verschmelzen einfach als weiteres Instrument in der wirklich nahezu perfekten Klanglandschaft von YELLOW EYES.
Angeführt von den Brüdern Sam und Will Skarstad ist ab dem Opener „Brush The Frozen Horse“ der Fokus auf dem schon fast unheimlichen Gespür für Melodien im Gitarrenspiel gelegt. Die beiden erschaffen mit ihrem Werkzeug Stimmungen, die teils greifbar werden und teils eher subtil Gefühle vermitteln. Oft sind es dissonante Riffs, die schon fast an ältere BLUT AUS NORD erinnern, dann wieder hypnotisch schöne Melodien. Dazu ist Mike Rekevics an den Drums der perfekte Taktgeber und kontrolliert die Geschwindigkeit dieser Reise.
Das gesamte Album fußt auf starkem traditionellen Black Metal Untergrund. Es beginnt stets mit Blastbeat, Tremolo Riffing und Krächzgesang. Doch schaffen es YELLOW EYES darauf aufzubauen und ihre Welt zu erschaffen, in der man versinkt. Sind die Riffs zu dissonant, wie in „The Thought Of Death”, folgt darauf immer wieder ein Auftauchen durch ein Becken voller wunderschöner Melodien.
„Suspension Moon” und „I Fear The Master’s Murmur” verkörpern perfekt eine durch Musik entstehende Emotionalität. Die Gitarrenarbeit ist sensationell und der gesamte Songaufbau durch sich ständig steigernde Spannungsbögen ist hervorragend gelungen. Es ist, wie auch durch das Cover perfekt verbildlicht, ein Schwanken durch wunderschöne Landschaften, aber durch einen Schatten aus dem Hintergrund immer mit ängstlicher und teils negativer Spannung geladen. Nur die drei instrumentalen Interludes geben eine Verschnaufpause.
In „A Forgotten Corridor” schaffen leise Synth Soundflächen eine bedrohliche Stimmung während der Closer und Titeltrack nochmals alle stilistischen Eigenheiten und Ideen in sich vereint. Ein langsamer Aufbau mit sphärischen Keyboard-Klängen und Klargesang steigert sich mehr und mehr bis zum Ausbruch.
Es gibt nur ein kurzes und klares Fazit: „Confusion Gate“ ist eines der besten Black Metal Alben seit Langem.
Tracklist „Confusion Gate“:
1. Brush The Frozen Horse
2. The Thought Of Death
3. Suspension Moon
4. I. Nocturne
5. A Forgotten Corridor
6. I Fear The Master’s Murmur
7. II. Beyond
8. The Scent Of Black Mud
9. III. The Entrance
10. Confusion Gate
Gesamtspielzeit: 60:59
