
The New Flesh
(Modern Metal | Thrash Metal)
Label: Nuclear Blast
Format: (LP)
Release: 20.02.2026
SYLOSIS begleiten mich schon seit etwas über zehn Jahren. 2013 war das Album “Dormant Heart” ein komplett unerwarteter Schlag in die Magengrube und hat bis heute einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen als eines der besten Metal Alben der 2000er, mitsamt einem der einprägsamsten Konzerte überhaupt in der Szene Wien.
Dann schloss sich Josh Middleton den arenafüllenden ARCHITECTS an, um sich ab Mai 2023 wieder seiner Liebe für härtere kompromisslose Musik zu widmen. Gottseidank kann man hier nur sagen, denn „The New Flesh“ ist schon fast unerlaubt gut. Die Entwicklung, die mit dem letzten Longplayer „A Sign Of Things To Come“ bereits begann, wird mit dem nun erschienenen Album auf die Spitze getrieben und perfektioniert.
„Beneath The Surface” geht mit einer Entschlossenheit und Groove direkt in die Vollen. Der Song ist ein brutaler Schlag ins Gesicht mit allen SYLOSIS Trademarks. Treibende Riffs, stampfendes Drumming und Josh Middletons Stimme, die an Kraft und Ausdruck nochmals zugelegt hat, machen den Opener zum perfekten Einstieg.
Recht schnell wird klar, dass „The New Flesh“ so etwas wie die Formel für perfekten modernen Metal gefunden hat. Das Album vereint eine technische Meisterklasse mit grandiosem Songwriting und einfach der puren Lust an harter Musik. Anders ist das Folgende schwer zu erklären.
SYLOSIS schaffen den Spagat von „Erased“ und „Lacerations“ hin zu „All Glory, No Valour“ und „Spared From The Guillotine” und machen daraus eine perfekte Einheit. Die Songs bauen sich gekonnt auf und steigern sich in lichte Höhen. Aber diese Peaks sind durchwegs unterschiedlich. Sind es in „Erased“ und „Lacerations“ grandiose melodische Refrains, von Middleton mit cleaner Stimme gesungen, kracht in den beiden anderen Songs die volle Metalgewalt in Wahnsinnsgeschwindigkeit auf einen ein. Und trotz der Unterschiedlichkeit ist alles stets klar als SYLOSIS zu erkennen mit einer kompromisslosen Härte durchsetzt und in großer Atmosphäre inszeniert.
Die technischen Feinheiten streichen dann die Songwriting Fähigkeiten nochmals hervor. Man höre nur auf den coolen Marschbeat in der Mitte von „Erased“ oder das Feeling wenn in „Lacerations“ die Leadgitarre die Vocal Harmonien von Middleton nachspielt und diese dann direkt in ein Solo steigert.
„Adorne My Throne“ beginnt mit sphärischen Keyboard Klängen, die dann tatsächlich auch ein Hintergrundgerüst für den gesamten Song bilden. Kantige Riffs geben gehörig Groove und münden, wieder einmal, in einem tollen Refrain. Das Prunkstück des Tracks ist aber die Rythmusgitarre, die gefühlt in perfekter Harmonie mit dem Keyboard agiert und wundervolle Tiefe gibt. Das ist Modern Metal at its best.
In „Everywhere At Once” zeigt Josh Middleton seine große stimmliche Entwicklung. Der Song ist de facto eine Power Ballade, aber mit so viel Tiefe und eindringlicher Wucht, so dass der Song nie ins Kitschige abdriftet. Was Middleton am Mikro abliefert ist schier unglaublich. Die Breits in der Stimme ist im Metal nicht alltäglich.
Wie sollte es anders sein schließen SYLOSIS „The New Flesh“ mit zwei Krachern ab. Der Härtegrad nimmt direkt wieder zu und „Circle Of Swords“ sowie „Seeds In The River“ thrashen mächtig nach vorne. Vorallem im Closer werden gesanglich nochmals alle Register gezogen.
Dass ich eine Sweetspot für SYLOSIS habe, ist kaum von der Hand zu weisen. Aber „The New Flesh“ sollte endgültig viele Zweifler überzeugen können und die Band endlich auf die besten Spots bei Festivals und in größere Hallen bringen.
Das Album ist eigentlich ein klarer Kandidat für alle Best Of Listen des Jahres. Die Höchstnote gibt es nur nicht, um etwas Platz für einen Nachfolger zu lassen. Besser geht modernen Metal einfach nicht und das Album kann leicht als Blaupause für kommende Bands der Szene gelten.
Autor: Michael Wimmer
Tracklist „The New Flesh“:
1. Beneath The Surface
2. Erased
3. All Glory, No Valour
4. Lacerations
5. Mirror Mirror
6. Spared From The Guillotine
7. Adorn My Throne
8. The New Flesh
9. Everywhere At Once
10. Circle Of Swords
11. Seeds In The River
Gesamtspielzeit: 49:46
