DRACONIAN – In Somnolent Ruin
DRACONIAN
In Somnolent Ruin
(Doom | Gothic)

 


Label: Napalm Records
Format: (LP)

Release: 08.05.2026


Wir sind keine Band für Partys. Wenn die Leute nach unseren Konzerten mit Tränen in den Augen nach Hause gehen, wissen wir, dass wir unseren Job richtig gemacht haben

Die schwedische Band DRACONIAN wurde 1994 gegründet und gilt als eine der einflussreichsten Formationen im Gothic Doom Metal. Ihr Stil zeichnet sich durch die Verbindung von schweren Riffs, poetischer Melancholie und dem Kontrast zwischen tiefen Growls und klarem Frauengesang aus.  Mit „Turning Season Within“ (2008) und „A Rose For The Apocalypse“ (2011) festigte die Band ihren Status, bevor die langjährige Sängerin Lisa Johansson die Gruppe verließ.  In der darauffolgenden Ära mit Heike Langhans entstanden die atmosphärischen Werke „Sovran“ (2015) und „Under A Godless Veil“ (2020), die verstärkt gnostische und ätherische Themen behandelten. Im Jahr 2022 kehrte Lisa Johansson schließlich zu DRACONIAN zurück, womit die Band heute wieder in ihrer ikonischen Original-Besetzung aktiv ist.

Sechs Jahre musste gewartet werden, bis sie nach ihrer Originalbesetzung wieder in Erscheinung traten. Durch ihr neues Album „In Somnolent Ruin“ wird DRACONIAN aufhorchen lassen. Ich durfte bereits vorab lauschen und werde euch mit Freuden davon erzählen. Doch lasst uns noch kurz zu meiner „Nice to know“ – Ecke schauen: In den ganz frühen Demo-Tagen (Mitte der 90er) experimentierte DRACONIAN kurzzeitig mit Black-Metal-Elementen, bevor sie ihre Liebe zur Langsamkeit und Melancholie des Doom entdeckten.

Nun aber lange genug gequasselt, lasst uns reintauchen in das neue Album „In Somnolent Ruin“: Eine Reise durch die Dunkelheit. Manchmal begegnet man Alben, die sich nicht einfach nur im Hintergrund abspielen, sondern einen regelrecht fordern. „In Somnolent Ruin“ ist genau so ein Werk. Schon der Opener „I Welcome Thy Arrow“ fesselt mich jedes Mal aufs Neue; dieses Wechselspiel zwischen einer fast schmerzhaften Zerbrechlichkeit und dieser urtypischen, kraftvollen Stimme ist einfach packend.

Danach lassen DRACONIAN einem kaum Zeit zum Luftholen. Mit „The Monochrome Blade“ und „The Face Of God“ zieht die Intensität massiv an. Die Songs entwickeln eine eruptive Dynamik, die sich wie ein musikalischer Ausbruch anfühlt. Ein echtes Highlight ist für mich die Kollaboration in „Anima“. Gemeinsam mit Daniel Änghede wird hier eine emotionale Tiefe erreicht, die mich tief in meine eigene Gedankenwelt gezogen hat. Es geht um diese universellen Gefühle – das Verlorensein, die dunklen Impulse und die ehrliche Selbstreflexion, die einen manchmal Nachts wachhält.  Zwischen dem hoffnungsvollen „I Gave You Wings“ und der harten Realität von „Cold Heavens“ liegt das Interlude „Asteria Beneath The Tranquil Sea“. Es wirkt wie eine kurze Atempause, bevor „Cold Heavens“ die wohl intensivste Gesangsleistung des Albums abliefert. Die Art und Weise, wie hier die fragile Grenze zwischen Leben und Tod besungen wird, ist schlichtweg beeindruckend.

Was mich aber am meisten überrascht hat, ist „Misanthrope River“. Der Song lässt sich Zeit, beginnt mit einem langen instrumentalen Intro und der markanten Stimme von Simon Bibby. Das entschleunigt die Platte zwar, nimmt ihr aber nichts von ihrer Schwere. Man fängt unweigerlich an, über die eigenen alltäglichen Kämpfe nachzugrübeln.

Den Abschluss bildet „Lethe“, benannt nach dem mythologischen Fluss des Vergessens. Die Vorstellung, dass ein Schluck aus diesem Fluss alle Erinnerungen löscht, ist faszinierend und beängstigend zugleich. Wenn Jacobsson dann mit seinen tiefen, fast dämonischen Growls „Oh, shooting star… Drown in me! Drink. Forget. Repeat.“ intoniert, schließt sich der Kreis auf eine sehr düstere, reflektierte Weise.

Aber trotz dieser Einladung zum Vergessen: Dieses Album ist ein Kunstwerk, das man festhalten will. Es bleibt hängen, in jedem einzelnen Moment.

Autorin: Bianca Ully


Tracklist „In Somnolent Ruin“:
1. I Welcome Thy Arrow
2. The Monochrome Blade
3. Anima
4. The Face Of God
5. I Gave You Wings
6. Asteria Beneath The Tranquil Sea
7. Cold Heavens
8. Misanthrope River
9. Lethe
Gesamtspielzeit: 57:54

 


Band-Links:
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DRACONIAN – In Somnolent Ruin
DRACONIAN – In Somnolent Ruin
LineUp:
Anders Jacobsson (Vocals)
Lisa Johansson (Vocals)
Johan Ericson (Guitars, Keys)
Niklas Nord (Guitars)
Daniel Arvidsson (Bass)
Daniel Johansson (Drums)
8
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