
Atavistic Unraveling
(Death Metal)
Label: Me Saco un Ojo Records
Format: (LP)
Release: 26.06.2026
Death Metal aus Costa Rica die Zweite. Wer hätte gedacht, dies einmal so in Metal Rezensionen zu lesen? Haben vor kurzem die Landsmänner von CANDARIAN ihr sehr starkes Debüt vorgelegt, sind es nun ASTRIFEROUS, die ihr zweites Album „Atavistic Unraveling“ nachschießen. Bei der Größe des Landes verwundert es nicht, dass sich die Musiker der beiden Bands teilweise überschneiden. So sind Gitarrist Felipe Tencio als auch der Herr am Bass, José Pablo Phillips, in beiden Kombos vertreten. Stilistisch liegt aber doch einiges dazwischen. Das macht es umso schöner zu sehen, wie sich der musikalische Untergrund in Costs Rica mausert.
ASTRIFEROUS sind um einiges technischer unterwegs als die Kollegen und orientieren sich hier sehr stark am skandinavischen Death Metal der finnischen Tundra, rund um ABHORRENCE und DEMIGOD. Textlich bewegt man sich im kosmischen Bereich rund um H.P. Lovecraft inspirierte Lyrics. So weit so gut, aber wie hört sich das an?
„Carriers Of The Curse“ startet mit technischem teils dissonanten Riffing und zeigt vorneweg, dass hier der musikalische Pfad ein ganz anderer ist als bei den schon erwähnten Landsmännern von CANDARIAN. Die Gitarren dominieren die Landschaft, markante Leads singen, während sich die Drums mit Tempowechseln hervortun. All das wird hervorragend abgerundet durch das markante Growling von zwei Leuten am Mikro, was den Songs wirklich eine ganz eigene Kante und Dynamik mitgibt.
Es gibt absolut keine Zeit für Erholung. „The Floating Catacombs“ startet nahtlos und dreht den Geschwindigkeitsregler nach oben. Die Gitarren arbeiten in vertrackten Riffs gegeneinander, aber das Chaos wird nie unangehm anzuhören. Zum ersten Mal kommen dunkle Synths im Hintergrund zum Einsatz und geben kosmische Horrorstimmung mit. Es fällt auf, dass die Produktion wirklich ganze Arbeit geleistet hat. Was in hektischem Wahnsinn ein absoluter Soundbrei hätte werden können, ist ganz im Gegenteil überraschend akzentuiert in allen Facetten.
Auch „Dissolution Of Eternity“ startet ohne Übergang durch, ist aber zu den Vorgängern deutlich schleppender angelegt. Die zweite Hälfte des Songs ist voller dissonanter Riffs und alles andere als leichte Kost. Aber auch hier überdrehen ASTRIFEROUS nie und lassen ihre technischen Fähigkeiten nicht auf Kosten der Hörbarkeit überhandnehmen.
Die Band aus Costa Rica hat eines in ihrem Songwriting wirklich herausragend gemeistert. All die Dissonanz der Gitarren, die verschachtelten Strukturen und das wild zwischen den Geschwindigkeiten wechselnde Schlagzeug wird immer wieder von kurzen herausragend groovenden Passagen aufgefangen. „Proto Embryo (The Third Tribulation)“ und „Arcane Demonomania“ sind ein wilder Reigen, bleiben aber im Gehör wegen ganz spezieller melodischer Parts. Sind es im ersten Song die plötzlich die Soundlandschaft aufweichenden Gitarren, ist es dann im zweiten das teils grandios punkige Schlagzeug.
„Resonance Cascade“ als Closer überrascht mit einem Ausflug in den Death Doom. Der Song mit seinen über acht Minuten nimmt sich Zeit und springt nicht wild herum, wie alle seine Vorgänger, was zum Schluss des Albums hin ein gewagter Stilbruch ist. Am Ende steht all das für eine Band, die mit ihrem zweiten Album für sich selbst alle Grenzen sprengt. Es ist selten, dass Chaos so kontrolliert und gut geplant klingt. ASTRIFEROUS haben den schmalen Grat grandios gemeistert und sich damit in der oberen Liga des technischen Death Metal festgesetzt.
Autor*in: Michael Wimmer
Tracklist „Atavistic Unraveling“:
1. Carriers Of The Curse
2. The Floating Catacombs
3. Dissolution Of Eternity
4. Proto Embryo (The Third Tribulation)
5. Arcane Demonomania
6. Mnemonic Phenomena
7. Resonance Cascade
Gesamtspielzeit: 36:27
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