
The Allfather Awakens
(Melodic Death Metal)
Label: Metal Blade Records
Format: (LP)
Release: 02.10.2026
Ein unheilvolles Nebelhorn leitet Album Nummer Dreizehn der schwedischen Melodic Death Metal Institution AMON AMARTH ein, bevor epischer Gesang in Up-Tempo Riffing und Double Bass übergeht. Johann Heggs intensives Growling sowie diese ungemein melodischen Refrains runden das Gefühl des „Nachhause Kommens“ vollends ab.
Wenige Bands der modernen Metal Szene sind mit einem derart eigenen und wiedererkennbaren Sound ausgestattet wie die schwedischen Legenden. Und – Oh Boy – sie liefern wieder ab, wie der Opener „Gjallarhorn“ als typischer epischer Viking Metal der Marke AMON AMARTH bestens beweist.
Die Bezeichnung Legenden legt auch gleich die Problematik von Bands wie AMON AMARTH offen. Denn wie so oft ist es für eine Band, die ihre Karriere mit unsterblichen Alben wie „Versus The World“, „With Oden On Our Side“ und „Twilight Of The Thunder God“ krönen konnte, fast unmöglich die Qualität und Erwartungen aufrechtzuerhalten und zu erfüllen. Und so kam auch im Falle der Schweden oft die Kritik zu ähnlich, zu ideenlos und repetitiv zu agieren. Mit dem letzten Output „The Great Heathen Army“ wussten sie aber wieder zu gefallen und gaben Grund zu Optimismus.
„The Allfather Awakens“ kommt nun fast wie ein Best-Of von AMON AMARTH‘s Sound und Stärken daher. Nach dem treibenden Opener weiß auch „Eight Legs Of Thunder“ mit galoppierendem Riffing und grenzenlos melodischen Refrain zu überzeugen. Diese Fähigkeit Eingängigkeit mit Härte zu kombinieren, ohne jemals zu glatt zu werden, sucht in der Szene seinesgleichen. Dass mit Johann Hegg einer der wohl besten Vokalisten der Gegenwart am Mikro glänzt, steht dem Ganzen auch nicht schlecht. Seine tiefen, rauen und intensiven Growls sind stets divers und passen sich der Songdynamik perfekt an.
„Kvasir’s Blood“ ist ein langsamer unheimlicher Stampfer. Wieder ist es Hegg, der mit seinen bedrohlichen Vocals Atmosphäre schafft. Das Midtempo nimmt nach zwei schnellen Songs gehörig an Stimmung mit, bevor es mit der bereits seit 2025 bekannten Single „We Rule The Waves“ wieder in Metal-Party Gefilde geht. Wenn der Song nicht der neue „Viking Row“ Hit der Band bei zukünftigen Shows wird, weiß man nicht, was Eingängigkeit im Metal noch bedeuten soll.
„Die With A War Cry” hört sich, wie der Titel schon vermuten lässt, wie ein Kriegssong an: kurz, brutal, mit Blastbeats versehen bekommt man kurz sogar Blackend Vibes, die man so von AMON AMARTH nicht kennt.
„Raven God“ schließt sich mit großen Melodien durchtränkt an. Der Song ist so etwas wie ein Fingerzeig für die Stärken dieser Band. Die Riffs sind nicht technisch visionär oder einzigartig, aber grooven und agieren mit der singenden Leadgitarre stets als Einheit. Und gerade diese Verbindung mit der hämmernden Doublebass harmoniert zu einer höchst melodischen, aber trotzdem harten Stilistik, die AMON AMARTH so besonders macht.
Der Titeltrack, „Oden’s Hunt“ sowie „Ascending Like An Eagle“ sind zum Ende des Albums hin nochmals typische melodisch stampfende Nummern. Es groovt und wird in den Refrains äußerst eingängig. Die Songs fallen im Gesamtwerk vielleicht nicht auf, sind aber als vielleicht schwächste der Trackliste, trotzdem wie gemacht für Live-Performances auf der Bühne. Und das muss eine Band auch einmal schaffen.
Der neue Aufnahmeprozess, mit zwei langen Sessions im Studio, einer Pause dazwischen, sowie Songwriting direkt auf Tour, hat sich offensichtlich ausgezahlt. Die Band hat sich Zeit gelassen, jeden Song für sich perfektioniert und ihn erst so ins Studio gebracht. Das merkt man dem Songwriting an, welches als eine große Einheit harmoniert. Über die Ballade „Upphaf“ soll hier der Mantel des Schweigens gebreitet werden. Das Urteil darüber soll jeder für sich fällen.
„The Allfather Awakens“ ist ein enorm starkes Album der Legenden aus Tumba geworden, ob so erwartet oder nicht, und gehört mit Sicherheit zu den besten ihrer schon beeindruckenden Diskographie. Live werden alle Nummern knallen und AMON AMARTH ihren Status als Headliner und als eine der größten Bands der Szene noch ausbauen können … und das zurecht.
Autor: Michael Wimmer
Tracklist „The Allfather Awakens“:
1. Gjallarhorn
2. Eight Legs Of Thunder
3. Kvasir’s Blood
4. We Rule The Waves
5. Upphaf
6. Die With A War Cry
7. Raven God
8. The Allfather Awakes
9. Oden’s Hunt
10. Ascending Like An Eagle
Gesamtspielzeit: 46:05
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