MORTIIS – Ghosts Of Europa
MORTIIS
Ghosts Of Europa
(Electronic Rock | Dungeon Synth)

 


Label:  Prophecy Productions
Format: (LP)

Release: 12.06.2026


„Die Maske war nie ein Kostüm. Sie war die Fratze meiner inneren Realität. Wenn ich sie trug, war der Mensch Håvard tot und es existierte nur noch die Kreatur Mortiis und ihr eigener, finsterer Kosmos“

Ghosts of Europa“ ist das klangliche Testament eines gereiften Meisters, der sich von jeglichen Fesseln befreit hat. Abseits aller Genre Diktate beschwört MORTIIS das herauf, was er am tiefsten liebt und am besten beherrscht: Industrial und Electronic-Rock, der sich zu finsteren Klanglandschaften und cineastischen Visionen des Untergangs formt – ein Strudel aus nackten, unbarmherzigen Emotionen. Dieses Album ist das direkte Abbild des inneren Krieges seines Schöpfers. Für MORTIIS  entstehen solche Werke nur unter Opfern; es sind Schöpfungen, die mit verbrannten Brücken, dem Ende von Freundschaften und einer quälenden, tiefschürfenden Seelenschau erkauft wurden. Das Resultat ist eine stilistische Evolution, die weit über den harten Kern des Industrial hinausreicht.

Die Reise in den Abgrund beginnt mit dem titelgebenden Eröffnungstrack „Ghosts of Europa“. Hier regiert die Elektronik, während der Gesang von Iliana Basileios Tsakiraki  und Laurie Ann Haus klar und unbarmherzig durch die Nacht schneidet. Eine lähmende, fast schon fröstelnde Melancholie breitet sich aus, denn es ist die eisige Ruhe vor dem Sturm. Die ungerührte, maschinelle Monotonie der Stimmen verströmt eine anorganische Kälte, die wie ein frostiger Hauch des Todes spürbar wird. Darauf folgt mit „Return to the Old Fields“ eine endlose Odyssee zu einem längst vertrauten, dem Untergang geweihten Ort. Zögerliche, zaghafte Töne dehnen die Zeit ins Unendliche, ehe rituelle, hochemotionale Gesänge einsetzen. Es ist ein verzweifeltes Aufbäumen gegen die Vergänglichkeit, bevor alles wieder in der Dunkelheit versinkt und von einer unheilvoll heiligen Atmosphäre getragen wird.

Die Stimmung wandelt sich mit „The Faith That Fades Away“, das von einer hypnotischen, tanzbaren 80er-Jahre-Tristesse im Stile der düstersten Stunden von Depeche Mode getrieben wird.

Unbarmherzig hallt die Zeile durch den Raum: „Ich will deine Berührung nicht spüren. Ich will deine Stimme nicht hören. Überlass mich meinen Sinnen, überlass mich meinen finsteren Gedanken.“ Diese künstliche Entfremdung setzt sich in „Violent Silence“ fort, wo der Gesang durch Effekte von Benedicte Computorgirl zu einer mechanischen Fratze verzerrt wird. Elektronik gleicht hier gefrorenem Stahl der scharfkantig, unnachgiebig und gezähmt von einem eisernen Rückgrat, das keine Gnade kennt, getragen wird.

Mit „Transcending Morpheus“ öffnet sich ein gähnender Abgrund aus Raum und Ambient-Klängen, der ein morbides Mysterium erschafft. Was erblicken die Gestalten, die sich um die glühende Sphäre drängen? Ist es ihr eigener Verfall? Ein schleppender, hypnotischer Trommeltakt packt den Hörer am Hals, zieht ihn aus dem Schatten und flüstert: „Komm näher… sieh hinab.“ Direkt im Anschluss walzt „Tundra, Heart of Hell“ heran, dass eine tonnenschwere Lawine aus mutierter Elektronik auslöst, welche sich nach dem Willen des Ketzers biegt und windet. Auch „Tribes of Dystopia“ besitzt einen solchen Takt, der die Glieder wie von Geisterhand bewegt. Es ist eine Einladung, die Augen zu schließen und sich in dieses dystopische Paradies hinzugeben, auch dank Matthew Setzers kehligen Gesangs. Es ist eine subtile, lauernde Dunkelheit, die sanft nach einem greift, bis man ihr die Hand reicht und sich dorthin zerren lässt, wo kein Licht mehr brennt.

Das finale Requiem bricht schließlich mit „Farewell Romero“ an. Eine fressende Frage bleibt im Raum stehen: „Wie lange kannst du ein Mensch bleiben, wenn sie dich wie ein Tier behandeln?“ Die Scherben der Existenz lassen sich nicht mehr zusammensetzen. Der Schmerz wird hier nicht geheilt, sondern betäubt, während die monumentale Elektronik in bedrohliche, tiefste Frequenzen absackt. Vegard Blomberg bringt sich da mit seinem Gitarrenspiel perfekt ein und unterstützt den Aschluss des Albums mit gezielten brushes über die Saiten.

Am Ende bleibt nichts als absolute, pechschwarze Musik. Sie weckt die Geister der eigenen, jugendlichen Zerrissenheit und Isolation. Dieses Album liefert keine Antworten und keine Erlösung, denn es schenkt uns lediglich den perfekten, finsteren Spiegel für die eigene Selbstreflexion im Abgrund.

MORTIIS bleibt der ultimative Beweis dafür, dass man die Ketten des traditionellen Extrem-Metals sprengen kann, um etwas völlig Neues zu erschaffen. Ohne seine Pionierarbeit in den 90ern wäre die heutige Dark-Ambient- und Dungeon-Synth-Landschaft schlichtweg nicht denkbar. Ein wahrer Visionär des Undergrounds.

Autorin: Bianca Ully


Tracklist „Ghosts Of Europa“:
1.Ghosts of Europa
2.Return to the Old Fields
3.The Faith That Fades Away
4.Violent Silence
5.Transcending Morpheus
6.Tundra, Heart of Hell
7.Tribes of Dystopia
8.Farewell Romero
Gesamtspielzeit: 50:23

 


Band Links: 

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MORTIIS – Ghosts Of Europa
MORTIIS – Ghosts Of Europa
LineUp:
Håvard "Mortiis" Ellefsen (vocals, keyboards, vocoder, bass guitar, programming)
Gäste
Håvard "Mortiis" Ellefsen (Vocals, Keyboards, Vocoder, Bass, Programming)
Benedicte Computorgirl (COMPUTORGIRL) –(Vocals)
Christopher Amott (ARCH ENEMY et al.) – (Guitar)
Christopher Rakkestad (ELVARHØI) – (Vocals)
Emil Nikolaisen (SERENA MANEESH) – (Fuzz & Noise / Guitars)
Iliana Basileios Tsakiraki (SEPTICFLESH) – (Vocals)
Laurie Ann Haus (BLIZZARD GAMES) –(Vocals)
Matthew Setzer (SKINNY PUPPY) – (Throat singing)
Michal Kielbasa (BLACK MAGIC RITES) – (Tubular bell & Synths)
Sarah Jezebel Deva (CRADLE OF FILTH) – (Vocals)
Vegard Blomberg (MOCK) - (Guitars)
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