THE MENZINGERS -Everything I Ever Saw
THE MENZINGERS
Everything I Ever Saw
(Alternative Rock |Pop Punk)

 


Label: Epitaph Records
Format: (LP)

Release: 17.07.2026


„It’s never too late to be the person you want to be“

Innerhalb des Pantheons des modernen Millennial-Punk waren THE MENZINGERS jahrelang die unangefochtenen Poeten der Kneipenecke. Die biergetränkten Anthems der Viererbande aus Pennsylvania lebten von einer perfekten Balance aus schroffer Energie und bittersüßer Narrativik: Mit Meilensteinen wie „On the Impossible Past“ oder „After the Party“ vertonten sie wie kaum eine zweite Formation das schmerzhafte Ausklingen der eigenen Jugend, das Katern im Morgengrauen und die Growing Pains des Älterwerdens. Doch seit die Band dieses Erwachsenenalter vollends erreicht hat, gerät der Motor ins Stocken.

Auf ihrem neuen Album „Everything I Ever Saw“ kämpfen THE MENZINGERS spürbar mit der Herausforderung, ihre Songwriting-DNA an ihr Dasein als Mitte-Dreißiger anzupassen. Die Scheibe schließt nahtlos an die narrative Ernüchterung des 2023er-Werks „Some of It Was True“ und des ähnlich hölzernen „Hello Exile“ an. Was sich dort abzeichnete, gipfelt nun im Dauerzustand: Produktionstechnisch greift das Riffing gewohnt druckvoll ineinander, doch lyrisch bleibt das Material weit hinter den früheren Glanzzeiten zurück. Als Geschichtenerzähler wirken THE MENZINGERS auf dieser Distanz streckenweise wie ein Schatten ihrer selbst.

Wo die Co-Songwriter Tom May und Greg Barnett einst messerscharfe, visuelle Szenen zeichneten, von nikotingeschwängertem Herzschmerz in „Nothing Feels Good Anymore“ bis hin zu den schlechten Tattoos verstorbener Freunde in „Mexican Guitars“ , geraten die Zeilen auf „Everything I Ever Saw“ merkwürdig schemenhaft. Erzählungen über Küchen-Saufgelage oder Drogen zum Frühstück wirken seltsam klischeehaft und farblos. Dass die Band um diese Schieflage weiß, deutet Barnett im Titeltrack „Everything I Ever Saw“ selbst an: „Born with a bad memory / What a fatal flaw“. Angesichts der narrativen Ebbe auf diesem Album wirkt die Zeile weniger wie eine Metapher, sondern wie eine nüchterne Selbsterkenntnis.

Dabei beweist der Einstieg noch durchaus Zug nach vorne: Der Opener „Chance Encounters“ rollt als treibender Punk-Rocker an, in dem Barnett die verschwommenen Erinnerungen seiner Teenagerjahre nach einer düsteren Episode jugendlicher Suizidgedanken durchkämmt. Die Instrumentierung sitzt felsenfest, doch im Refrain bricht die Intensität ein. Die platte Parole „We might never stand a chance / But we still gotta try“ erreicht nicht ansatzweise die emotionale Tiefe und das ungeschönte Niederlagentum früherer Meilensteine wie „Good Things“ oder „Tellin’ Lies“.

Am Ende werden auf „Everything I Ever Saw“ mitreißende Oden an die verlorene Jugend auf kalkulierte Life-Lessons heruntergebrochen. THE MENZINGERS liefern ein handwerklich makelloses Punkrock-Album ab auf welchem allerdings genau die lyrische Kante und das Herzblut fehlen, die das Schaffen dieser Band einst so essenziell machten.

Autorin: Bianca Ully

 


Tracklist „Everything I Ever Saw“:
1.Chance Encounters
2.Better Angels
3.Romanticism
4.Ther People’s Money
5.Gasoline & Matches
6.The Fool
7.Nobody’s Heroes
8.Breathe With Me
9.When She Enters My Dreams
10.Parade Day
11.Everything I Ever Saw
Gesamtspielzeit: 40:48

 


Band-Links:
THE MENZINGERS - Everything I Ever Saw THE MENZINGERS - Everything I Ever Saw THE MENZINGERS - Everything I Ever Saw

 

 

 


THE MENZINGERS -Everything I Ever Saw
THE MENZINGERS – Everything I Ever Saw
LineUp:
Greg Barnett (Vocals, Guitar)
Tom May (Vocals, Guitar)
Eric Keen (Bass)
Joe Godino (Drums)
6.5
Share on: