
Seit mehr als zwei Jahrzehnten zählen die Baden-Württemberger FINSTERFORST zu gern gesehenen Gästen bei Pagan/Viking-Events und können auch schon auf Touren zurückblicken. Sieben Jahre sind vergangen seit dem Release des letzten Albums und nun gibt es mit „Still“ ein neues.
Der Opener „Obduktion“ startet sehr wohltönend, allerdings sorgt langsamer tiefer Gesang für eine düstere Atmosphäre. Nach einer Weile wird die Musik immer druckvoller und letztendlich bekommt man auch heftige Growls zu hören, die kurzzeitig von epischem Backgroundgesang ergänzt werden. Es wird also viel Abwechslung geboten, die jedoch kaum Ecken und Kanten aufweist. Der Anfang von „Herbstwanderung“ erinnert an „Mein Teil“ von RAMMSTEIN, allerdings entwickelt sich dieser Track in eine ganz andere Richtung, nämlich anfangs in die wohltönende mit cleanen Vocals, die teilweise hymnischen Charakter annehmen.
Auch „Knie Nieder“ geht ein bisschen in Richtung NDH und weist klaren, eindringlichen Gesang auf, der bedrohliche Lyrics transportiert. Das 10-minütige „Im Wind“ ist von gemächlicher Machart mit viel Gitarrenspiel und tönt gelegentlich nach Ballade, allerdings von ein paar härteren Parts ergänzt. „Stille Nacht“ hat definitiv nichts mit Weihnachten zu tun, sondern ist eine äußerst aggressive Hymne mit abwechselnd tiefen Growls und cleanen Vocals, bei dem auch ein kurzes Gitarrenspiel am bedrohlichen Flair kaum was ändern kann. „Fels“ ist eine von Gitarrenspiel unterlegte Ballade, und bei „Leere“ setzt man dann auf Masse, denn dieser Track ist fast eine Viertelstunde lang. Der Beginn ist so wie ich FINSTERFORT in Erinnerung hatte, eher hart, allerdings finden sich im weiteren Verlauf viele klangvolle Ergänzungen was Musik und Gesang betrifft. Damit endet das offizielle Album, allerdings gibt es noch zwei Cover-Songs, nämlich „Beyond The North Waves“ von IMMORTAL und „Another Brick In The Wall Pt. II“ von PINK FLOYD die beide sehr gut gelungen sind.
Irgendwie hatte ich FINSTERFORST ganz anders in Erinnerung, aber ich kannte die Truppe nur live und da in erster Linie mit Folk/Pagan/Viking-Klängen. Auf „Still“ hat man neue Wege eingeschlagen und so muss sich der Fan jetzt etwas neu orientieren, denn man ist deutlich abwechslungsreicher geworden. Mich haben die Freiburger zwar überrascht, aber „Still“ ist ein wirklich gelungenes Werk, dass man sich bedenkenlos gönnen kann.
Autorin: Elisabeth Eichmüller
Tracklist „Still“:
1. Obduktion
2. Herbstwanderung
3. Knie Nieder
4. Im Wind
5. Stille Nacht
6. Fels
7. Leere
8. Beyond The North Waves (IMMORTAL Cover)
9. Another Brick In The Wall Pt. II (PINK FLOYD Cover)
Gesamtspielzeit: 77:54
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