
The Ringing Bell
(Death Metal | Crust)
Label: Triple B Records
Format: (LP)
Release: 17.07.2026
Tod und die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit sind ein höchst persönliches und sensibles Thema. Selten kam die Wut und Verzweiflung über das eigene Schicksal so kraftvoll rüber wie bei FUMING MOUTH zweitem Album „Last Day Of Sun“. Die Krebserkrankung von Sänger Mark Whelan war Dreh- und Angelpunkt des in seiner Hoffnungslosigkeit schier erdrückenden Machwerks.
Das Schicksal meinte es anders und „The Ringing Bell“ befasst sich erneut mit dem Thema, jedoch aus der Perspektive eines genesenen, aber nicht minder wütenden, Frontmanns. War das Zweitwerk schon ein großer Schritt weg vom Oldschool Death Metal des Debüts und voller Hardcore Einschlag, ist auf dem neuen Output der corige Punch allgegenwärtig. Das Fundament, auf dem der Vierer aus Massachusetts stets wandelt, ist aber nach wie vor tief im Death Metal verwurzelt, aber einfach als Hardcore gespielt. Und all das passiert in der inzwischen schon zur Perfektion getriebenen Produktion von Kurt Ballou.
Und meine Güte klingt Whelan wütend. Seine Growls scheinen direkt aus der Hölle, in der er sich vor nicht zu langer Zeit wiedergefunden hat zu stammen und die Schreie sind markerschütternd. Das tiefe Riffing, Breakdowns und Gangshouts zerren den Sound immer und immer wieder in Hardcore Gefilde.
„Cheat Death“ als Opener ist in seiner Intensivität erdrückend und so persönlich wie es nur sein kann. Whelan shoutet sich heiser und bei den Zeilen „…Near death but I have escaped I have survived. I refuse to die…” ist die Gänsehaut unvermeidlich. In knapp zwei Minuten brüllt der Fronter seine Leidenszeit direkt aus sich hinaus.
„Self-Exhumed“ dient als weiterer therapeutischer Schritt:
„I thought I had died but I’m alive.
I’m back from the dead and I’m taking my life back
…
Buried in the ground
I climbed out of my grave
I’m alive”
Musikalisch ist der Hardcore Punch allgegenwärtig. Das Riffing sägt diesmal im HM-2 Gewand und insgesamt bewegt sich der Track wieder ganz dem Core getreu im zweiminütigen Sektor. Trotzdem schaffen es FUMING MOUTH in der kurzen Zeit unendlich viele Emotionen wie Wut, Zorn und Verzweiflung zu transportieren. Der Spagat zwischen Hardcore und Death Metal gelingt dem Vierer meisterhaft. Tracks wie „Finally Fearless“ oder „Vivid Revelations“ warten mit Doublebass Gewitter und grandiosen Soli auf, während Breakdowns und coriges Riffing allgegenwärtig sind.
In „After Oblivion“ präsentiert Whelan stimmlich seine Meisterleistung. Das HM-2 Riffing trifft auf gutturale Vocals aus der Hölle, die sich mit heiserem Shouting abwechseln und so eine großartige Variabilität aufzeigen. Die Gangshouts im Refrain geben dem Song dann eine Kante, die man im Death Metal Riffgewitter so nicht erwartet hätte, die aber zueinander genial im Kontrast stehen.
Und so findet man auf „The Ringing Bell“ wirklich allerhand. Von Leads mit Ohrwurmqualität wie in „Hidden In The Moor“ zu sich hervorragend ins Gesamtbild einfügenden cleanen Vocals im Titeltrack, schaffen es FUMING MOUTH ein durch und durch intensives und abwechslungsreiches Spektakel zu erzeugen.
Wer die fast perfekte Symbiose von Hardcore und Death Metal sucht ist hier genau richtig und es wird interessant sein zu erfahren, wohin die musikalische Reise weitergeht.
Autor: Michael Wimmer
Tracklist „The Ringing Bell“:
1. Cheat Death
2. Self-Exhumed
3. Finally Fearless
4. A Blaze Of Nihilism
5. After Oblivion
6. Hidden In The Moor
7. Vivid Revelations
8. Flourishing Flesh
9. The Ringing Bell
10. Barbarian Scourge
11. Respect Morality
Gesamtspielzeit: 34:07
