
Born With A Hammer
(Heavy Metal | Hard Rock)
Label: Edel (earMusic)
Format: (LP)
Release: 18.09.2026
Lange war es still um Kai Hansen Band GAMMA RAY, die er einst nach seinem Ausstieg bei HELLOWEEN gründete, aber eben genau diese aktuell sehr aus gegenteiligem Grund vernachlässigt. Zwar ist er viel auf Tour und zwei Alben entstanden seit der Kürbis-Réunion. „Empire Of The Undead“, das elfte und bisher letzte Album der Lazerstrahlen Power Metaller ist mittlerweile zwölf Jahre alt und weiterhin kein Nachfolger in Aussicht. Basser Dirk Schlächter geht einstweilen mit PRIMAL FEAR auf Tour, Henjo Richter und Michael Ehré sind mit THE UNITY recht erfolgreich und der spät dazugekommene Zweitfronter – dessen Einstellung bei der Band ich bis heute nicht ganz nachvollziehen kann – singt nun bei ALAMANAC und MASTERS OF DISGUISE.
Aber Kai ist nicht ganz faul und wartet auf die nächste HELLOWEEN Tour, sondern veröffentlichte mit HANSEN & FRIENDS bereits ein leicht verrücktes Solo-Album, dem er nun mit „Born With A Hammer“, das schlicht unter seinem Namen HANSEN veröffentlicht wird, neue Musik nach.
Es ist schon schön, wieder Musik und seine Stimme zu hören, was eben die Fank-Geschichte weiter merkwürdig erscheinen lässt, wollte sich Kai doch vorrangig stimmlich unterstützen lassen – das aber live, von einem Sänger, der stark ist, aber doch ein ganz anderes Timbre hat. Aber das soll hier nicht Thema sein…
Viele Track tönen wie gute GAMMA RAY Ideen. Das flotte „Feading The Beast“ lässt sofort die Richtige Stimmung aufkommen, der epische Titeltrack klingt wie eine bombastische Powerballade, die auch zu Ralf Scheepers Zeiten hätte entstehen können und hörbar QUEEN als Inspiration zeigt. Hochmelodisch und etwas düsterer wird es in „End Of The Road“. Alles gelungene Heavy Metal Stücke, die gut ins Ohr gehen, aber doch nicht so ganz auf ein echtes GAMMA RAY Album passen möchte. Das liegt zum einen daran, dass Kai mit seiner Solo-Band hier die Sau etwas mehr rauslassen möchte, zum anderen daran, dass sie nicht so detailverliebt und ausgearbeitet wirken, wie eben Klassiker der Marke „Heading For Tomorrow“ oder „Land Of The Free“. Das ist schade, aber kein Beinbruch.
Dagegen stehen aber schrullige wie krude Songs. Da wäre das punkige „I Don’t Care At All“, das aber etwas an das verrückte „Insanity & Genuis“, das immer hin schon 33 Jahre auf dem Buckel hat. Wirklich merkwürdig wird es aber mit „I.D.G.A.F.“, das zwar irgendwie Rock sein soll, aber das F-Wort hätte wahrlich nicht sein müssen und mit seinem immer wieder kehrenden platten Rufen und ebenso seichtem Text, nervt der Rocker recht schnell. Auch „Triple Trouble“, das eventuell auf „No World Order“ gepasst hätte mach Spaß, aber stellt halt diesen zu sehr in den Vordergrund, anstatt die echten Stärken Hansens auszuspielen. „Invaders“ geht dann nochmal gut nach vorne und mit „Wonderland“ gibt es abwechslungsreiche Kost.
„Born With A Hammer“ ist ein unterhaltsames, aber eigenwilliges Werk, das zwar irgendwie GAMMA RAY an allen Ecken erahnen lässt, die Genialität dieser Band aber nie ganz erreicht. So wirken viele der Tracks wie brauchbare B-Sides, andere wieder extrem deplaziert und wie klassische Proberaum Spaßnummern. Übrig bleibt, trotz der starken Instrumentierung bei der Produzet und Gitarrist Eike Freese (DARK AGE), Alexander Dietz (HEAVEN SHALL BURN), Daniel Wilding (CARCASS) und Sohnemann Tim Hansen (INDUCTION) mehr als amtliche Arbeit leisten, ein unterhaltsames Album, das aber mehr nach GAMMA RAY Sehnsucht macht, als wirklich für die Wartezeit entschädigt.
Tracklist „Born With A Hammer“:
1. Feeding The Beast
2. Welcome To Life
3. Don’t Care
4. Wait And See
5. Born With A Hammer
6. I.D.G.A.F.
7. End Of The Road
8. Triple Trouble
9. Invaders
10. Wonderland
Gesamtspielzeit: 45:39
