
Mit ihrem zweiten abendfüllenden Werk bricht eine finstere und doch wunderschöne Naturgewalt aus den Schweizer Bergen hervor: WAZZARA. Ihr neues Monument „Arbor“ ist ein intensives, zutiefst atmosphärisches Erlebnis. Ein musikalischer Wirbelsturm, der die Sinne mit einer gewaltigen Melange aus Black Metal, Doom und Blackgaze zu überwältigen droht.
Es ist ein Werk, so verkündet es die Band selbst, „gewidmet all jenen, die sich nicht scheuen, von der ungezähmten Frucht zu kosten“. Um diese klangliche Schöpfung in Stein zu meißeln, beschworen sie erneut die donnernde Hand des Meisterschlagzeugers Andrei Jumugă (DORDEDUH), der bereits dem 2021er Debüt „Cycles“ sein rhythmisches Fundament schenkte. An seiner Seite erhebt sich die beschwörende Stimme der Hohepriesterin Barbara Brawand, getragen von den dichten Riff-Kaskaden der Gitarristen Tom Kuzmic und Mäsi Stettler sowie den tiefen Frequenzen von Bassist George Necola.
Schon mit den ersten Klängen des Openers „9 Confines“ wird offenbar, dass uns hier keine sanfte Reise erwartet. Die Klanglandschaft, die sich vor dem Hörer auftürmt, ist schier kolossal. Wie eine Naturgewalt brechen markerschütternde, gepeinigte Schreie und dunkler, sakraler Klargesang hervor; Barbara Brawand offenbart sich als stimmliche Urkraft, deren geschichtete Harmonien eine fast schmerzhafte emotionale Tiefe erzeugen. Die Musik gleicht einer glühenden Wand aus schimmernden Gitarren, welche die Raserei des Black Metals mit der tonnenschweren Langsamkeit des Dooms vermählt. Die Songs scheinen zeitlos im Raum zu schweben, nur um im nächsten Moment in apokalyptischen Eruptionen zu explodieren.
Unter diesem dichten, nebligen Schleier schlägt Jumugås Schlagzeug wie der Puls der Erde selbst und schenkt den ausladenden Epen festen Halt. An diesem Opus ist nichts gewöhnlich. Die schiere Grausamkeit von „Hollow“ entfesselt schon früh die aggressivste Wut des Albums, während ein geisterhaftes, unheimliches Riff wie ein böses Omen hinter Mauern aus purem Klang nachhallt. Über eine Spanne von 48 Minuten entfaltet sich eine beeindruckende Vielfalt des Schauderns. „Her Ashes Down The River“ wirft mit einer unheilvollen Einleitung lange, geisterhafte Schatten voraus, bevor es sich in ein fließendes, episches Heldenepos verwandelt. Direkt darauf folgt die unerbittliche Klanglawine von „Indigo Sleep“, ein Monument im Herzen des Albums, das Brawands ätherischer, engelsgleicher Seite Raum schenkt, nur um sie kurz darauf in einer rasanten Blackgaze-Ekstase gefangenzunehmen.
Und der Triumphzug schreitet unaufhaltsam voran. „Dandelion“ schlingt seine dichten Riff-Kaskaden wie eine tödliche, aber tröstende Umarmung um den Hörer, während die melancholische Stimme der Sängerin wie ein kalter Windhauch durch die Hallen fegt, mal fröstelnd, mal seltsam wärmend. Das treibende Tempo hält den Geist gefesselt, bis die Stimme erneut in jene viszerale, urtümliche Raserei umschlägt, die schon die ersten Kapitel des Albums dominierte.
Mit „Nova“ und „Oceans“ durchbricht die Band schließlich endgültig durch die Tore des reinen Black Metals. „Nova“ gleicht einem unbarmherzigen Hagelsturm, bei dem rasende Blastbeats und dämonische Growls wie Blitze einschlagen. „Oceans“ hingegen bricht kurzzeitig den Rhythmus; es beginnt beinahe erhaben, wie die trügerische Ruhe vor dem perfekten Sturm. Doch die Erleichterung währt nur kurz: Nach einem flüchtigen Atemzug eruptiert der Song in purer, ungezähmter Wildheit. Alles steuert unaufhaltsam auf das große, rituelle Finale zu: „Zessa (Reborn)“, eine mächtige, wiedergeborene Reinkarnation jenes allerersten Liedes, mit dem einst alles begann.
„Arbor“ ist mehr als nur ein Album, denn es ist ein klangliches Monument. Es verlangt Opfer, es fordert Zeit, um seine verschlungenen Pfade zu ergründen, doch mit jedem rituellen Hören offenbaren sich neue, verborgene Geheimnisse. Für Jünger des Black Metals und all jene, die die atmosphärische Dunkelheit suchen, ist dieses Werk ein absolutes Heiligtum, das fortan die Playlist beherrschen sollte.
Tracklist „Too Bad To Be Good“:
1. 9 Confines
2. Hollow
3. Her Ashes Down The Rive
4. Indigo Sleep
5. Dandelion
6. Nova
7. Oceans
8. Zessa (Reborn)
Gesamtspielzeit: 48:30
