
Season Of Mist war immer schon ein Label der Extreme und so streckt das französische Label weiterhin die Fühler in alle Richtungen und holte sich nun das extrem spannende Projekt UNVERKALT. Die Band stammt aus Griechenland, wird angeführt von Gitarrist und Mastermind Themis Ioannou und hat auch zwei deutsche Mitglieder zu verzeichnen.
Themis‘ Vision bestand zur Gründung der Band darin, romantische, sanfte Momente mit purem Chaos zu vermischen. „Something slow-burning, crushing, yet delicate“, unterstreicht der Grieche. Mit dem Album treibt man das nun auf die Spitze, denn zu den sowieso schon ambienten, verstörenden und hypnotischen Momenten, die mit heavy Riffs unterlegt sind, gesellen sich nun neuerdings auch ultra fiese Shouts sowie BlastBeats und weitere Black/Death Elemente, die dieses einzigartige Klangbild noch intensivieren.
Die Dunkelheit im Sound ist förmlich spürbar, die teils wirren und verstörenden Gesänge von Frontdame Dimitra Kalavrezou scheinen oft aus der Ferne oder gar aus mehreren Richtungen zu kommen, sind oft hinter verzerrten Effekten zu finden und geben der bedrückenden Stimmung das gewisse Etwas. Wenn dann Verzweiflung oder gar Wut die überhandnimmt, dann untermauern die Screams und Blasts, die dann aber stets von wabernden oder treibenden – ja eben romantischen – Keys und Synthesizern umgeben sind. Die Symbiose funktioniert. Mal geht man dabei doomig, drückend und hoffnungslos vor, dann prescht man aber auch wieder mit hoher Präzision á la STRAPPING YOUNG LAD oder MESHUGGAH nach vorne. Hier regiert weniger der Tech-Prog, sondern eine gewisse dystopische Nu Metal meets Cinematic Post-Rock Atmosphäre.
Doch dem nicht genug, denn immer wieder finden neue Elementen in den tiefgründigen Sound der deutsch-griechischen Kooperation. So geht es mit „Ænæ Lithi“ mit orientalischen Versatzstücken in die Heimat. „A Lullaby For The Descent“ spielt mit sphärischen Sounds und Chören im Hintergrund und PINK FLOYD inspiriertem Schlussteil und bei „Introjects“ wähnt man sich zunächst im Kino irgendwo zwischen Thriller und Horror-Atmosphäre, aber auch rockigere Riffs halten hier Einzug, während Screams und erdrückende Synthesizer im Hintergrund bösartig lauern. Einen kleinen Sicherheitspush, den die Band aber definitiv nicht nötig hat, gibt man sich mit dem Einladen von Gitarrist, Sänger und Labelkollege Sakis Tolis von ROTTING CHRIST, der bei dem mit monolitisch drückenden Riffs ausgestatten „I, Deceiver“ mit seiner prägnant fiesen Stimme nochmal einen neuen Twist reinbringt.
Den Abschluss des Albums macht dann „Maladie De L´esprit“, das nochmal richtig an den Wurzeln anknüpft und mit ambienten Sounds, wabernden Vocallines, verstörenden Soundelementen und weiteren in den Abgrund führenden Sounds, das Album bedrückend wie – durch seine Melodien – wunderschön abschließt.
UNVERKALT laden auf eine Tour de Force der Gefühle ein, bieten ein einzigartiges Klangerlebnis zwischen erhabenen, majestätischen sowie wunderschönen Melodien und extremen Emotionen, wie Wut und Verzweiflung, die mit dementsprechend harten Elementen in die Welt getragen werden. Kurz gesagt: Kein easy listening und nichts für schwache Nerven, aber lohnend.
Tracklist „Héréditaire“:
1. Die Auslöschung
2. Oath Ov Prometheus
3. Ænæ Lithi
4. A Lullaby For The Descent
5. Penumbrian Lament
6. Introjects
7. I, The Deceit
8. Death Is Forever
9. Maladie De L’esprit
Gesamtspielzeit: 50:08
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