MØL – Dreamcrush
MØL
Dreamcrush
(Blackgaze)

 


Label: Nuclear Blast
Format: (LP)

Release: 30.01.2026


In amongst clouds of unfathomable loss and grief, „Dreamchrush“ offers rays of almost unbearable hope – the option to keep on dreaming despite ourselves.

Dies ist ein ähnlich schwer zu schreibendes Review wie zu SLEEP TOKEN. Blackgaze spaltet die Metal Community wie kaum ein anderes Genre. Hier treffen die härtesten Traditionalisten auf teils überbordende Experimentierfreudigkeit, die Wände einreißt und neue Türen aufmacht, die vorher so nicht einmal zu sehen waren. Und der Ehrlichkeit halber ist dies auch nicht nur gut und ohne Kommentar gutzuheißen. Musik lebt immer schon von Innovation, Ideen und Denkweisen, die über Grenzen hinausgehen.

MØL aus Aarhus sind ein Teil dieser neu denkenden Metal Community, sicher nicht ohne Grund aus der enorm offenen und freidenkenden dänischen Szene. Was in dem kleinen skandinavischen Land an herausragender harter Musik entsteht ist wahrlich bemerkenswert. MØL sind hier nicht ganz neu, sind doch bereits zwei Alben veröffentlicht und besonders seit „Diorama“ vor vier Jahren sind die Kritiken überschwänglich.

„Dreamcrush“ geht nun noch mindestens einen Schritt in der Entwicklung der jungen Dänen weiter. Das Feld des Blackgaze wird immer wieder und immer prominenter platziert verlassen. Es werden Hits geschrieben, die de facto radiotauglich sind, wenn auch wahrscheinlich aufgrund der Vocals dort niemals laufen werden. Aber wer weiß das schon so genau bei dieser liberalen Musikkultur in Skandinavien.

„Dream“ eröffnet mit Synth Klängen, leichter Kost, bevor die verzerrten flirrenden Gitarren zubeißen und Kim Song Sternkopf Krächzgesang einsetzt. Von der ersten Minute an lassen MØL wissen was kommt und spielen ihre Stärken aus. Tobende Aggression im ständigen Wechselspiel mit sanften ausladenden Passagen prägen das Klangbild. Der Bass wummert herrlich rockig und gibt gleich ungeheure Tiefe. Das Riffing ist eher rockig als Black Metal, was sich als Merkmal durch das ganze Album zieht.

Das folgende „Små forlis” eröffnet den typischen Blackgaze Reigen. Alles startet mit einem Ausbruch und wendet sich dann in Shoegaze Klangflächen, die, auch gesanglich, teils schon an STEVEN WILSON erinnern. Aber durch das Zurückfallen von Sternkopf in sein Kreischen geht der Härtegrad immer wieder nach oben. All das ist immer eingebettet in fast verträumte Melodien. Atmosphäre erzeugen können die Dänen wirklich großartig.

Der Sound des gesamten Albums ist herausragend. Satt in der Intensität, mit bebenden Gitarrenwänden, aber trotzdem fein akzentuiert, und stets in allen Details hörbar. „Young“ und „Garland“ sind die bereits genannten Hits der Band. Die Melodieführung ist in den beiden Songs im Refrain schon fast poppig wird aber nie kitschig. Und gerade der intensive Gesang hat genug Metal in sich, um alles in die richtige Ecke zu stellen. Der Bass ist toll präsent und gibt denn hoch klingenden Gitarren eine gute Tiefe, die es benötigt, um nicht zu sehr radiotauglich zu sein. Der Cleangesang in „Garland“ ist selbst für MØL neu, aber präsentiert eine schöne Kehrseite zum heiser geschrienen Refrain. Die Bridge im Mittelteil des Songs ist wahrlich Songwriting auf höchstem Niveau.

„Hud“ hingegen ist interessant anders, ohne aber den Fluss des Albums zu verändern. Die Dänen wildern hier im Post Metal, mit hallenden flächigen Gitarren, langsam und deutlich zurückgenommen jonglieren sie auch hier gekonnt mit Emotionen.

„Favour“, „A Former Blueprint” und „Dissonance“ spiegeln die Entwicklung und den Status Quo in 2026 von MØL perfekt wider. Immer wieder Shoegaze Einflüsse, leichte Synthklänge und der schwarzmetallische Gesang erzeugen die ganz eigene Atmosphäre, von der das gesamte Album lebt. Klarer Gesang und Gekrächze, langsame cleane Gitarrenpassagen und verzerrte flirrende Metalriffs, langsame verträumte Passagen und Eruptionen von Aggression und Verzweiflung stehen sich im starken Kontrast gegenüber. Alles ist aber stets eingebettet in großartige Melodien. Nach dem Opener „Dream“ ist es der Closer „Crush“ der nicht nur titelgebend das Werk rund abschließt. Der Song schlägt die Brücke über das gesamte Album und vereinheitlicht nochmals alle Stärken von MØL.

„Dreamcrush“ ist ein durch und durch stringentes und songwriterisch auf höchstem Niveau verfasstes Album, das viele Fans finden wird und genauso viele Traditionalisten abzustoßen weiß. Aber aus eigener Erfahrung darf gesagt sein, dass ein MØL Konzert bei Sonnenuntergang eines der ganz großen Erlebnisse darstellen kann und die Intensität dieser Band komplett einnehmend ist.

Autor: Michael Wimmer


Tracklist „Dreamcrush“:
1. Dream
2. Små forlis
3. Young
4. Hud
5. Garland
6. Favour
7. A Former Blueprint
8. ∞
9. Dissonance
10. Mimic
11. Crush
Gesamtspielzeit: 42:45

 


Band-Links:

TRIBAL GAZE - Inveighing Brilliance MØL – Dreamcrush MØL – Dreamcrush

 

 

 


MØL – Dreamcrush
MØL – Dreamcrush
LineUp:
Kim Song Sternkopf (Vocals)
Frederik Lippert (Guitars)
Nicolai Hansen (Guitars)
Holger Rumph-Frost (Bass)
Ken Klejs (Drums, Percussion)
9
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