
Loss
(Post-Black Metal | Modern Metal)
Label: Century Media Records
Format: (LP)
Release: 20.03.2026
Die Weiterentwicklung im Schaffen einer Band und das Einreißen der musikalischen Grenzen ist für jede Band ein stetes Balancieren auf Messers Schneide. Niemand, auch noch so bekannt, erfolgreich oder gehypt ist vor kritischen Stimmen und Feedback jeder Art gefeit. Dem anonymen Kollektiv von GAEREA aus Porto geht es nicht anders. Warum auch? Stand die Band doch immer schon dafür von Album zu Album eine stete Veränderung und Weiterentwicklung im Sound voranzutreiben. Leider kann dies nicht immer gefallen, so schwer es manchmal aufgrund von persönlichen Präferenzen auch sein mag.
„Luminary“ ist ab Minute eins an der große Fingerzeig, wo es hingeht. Die Produktion erweist sich von Beginn weg als satt und tief im Sound. Die Gitarrenwände sind enorm und die Kick-drum schlägt in die Magengegend. Unerwartet ist jedoch diese nicht nur starke, sondern fast aufdringliche Hinwendung zu Metalcore Klängen. Man kann zum plötzlich überhandnehmenden cleanen Gesang stehen, wie man möchte, aber der Opener ist ein Hinwenden in eine Richtung, die in den letzten Jahren eine absolute Übersättigung erfahren hat, und es so wirklich schwer macht GAEREA diesen neuen Schritt nicht übel zu nehmen.
„Submerged“ und „Hellbound“ schielen dann doch wieder mit einer gehörigen Portion Post Black Metal Riffing und Blastbeat in Richtung Nostalgie, ohne ein Abklatsch von „Mirage“ oder „Coma“ zu sein. Die Hinwendung in Richtung moderner Metalklänge ist interessant und wäre weiter ausgeführt großartig. Aber warum der Refrain in „Hellbound“ fast nach ARCHITECTS klingen muss, ist einfach schade und liegt zu einem großen Teil an der Vocalperformance die rein gar nichts mehr von Black Metal in sich hat.
Die folgenden „Uncontrolled”, „Phoenix“ und „Cyclone“ können als Blaupause der neuen GAEREA herangezogen werden. Die Songs sind beileibe nicht schlecht. Die Band ist technisch und songwriterisch derartig professionell und talentiert, dass viele Künstler*innen sich nach solchen Kompositionen sehnen würden. Aber im Falle der Portugiesen geht mit dem penetranten Core Anteil die Originalität, die GAEREA immer besonders ausmachte, komplett verloren. Eine Beliebigkeit macht sich breit, unterfüttert teils von überbordenden Keyboard Klängen, die Fans jeglicher alten Phase ratlos und traurig zurücklässt.
„Submerged“ ist dann der Abschluss des Albums in einer Art, die wahrscheinlich Fans von „Mirage“ mit offenem Mund stehen lässt. SLEEP TOKEN in jeder Note der ersten zwei Minuten gehen in Blastbeat über und erzeugen eine gebrüllte Post-Metal Atmosphäre. Acht Minuten lang windet sich der Song dahin und ist am Ende dann doch weder Fisch noch Fleisch.
Die Bewertung von „Loss“ ist gelinde gesagt schwierig. Eine Band sollte nicht wegen Innovationsdrang schlechter dargestellt werden, sondern man muss auch Mut und künstlerisches Talent miteinfließen lassen. Die Sache ist aber die, dass man teilweise das Gefühl hat, dass sich GAEREA nicht ganz entscheiden können, wo die Reise hingeht und man es sich nicht eingestehen will, dass man auf diesem Weg viele der älteren Fans liegen lassen wird. Einfach gesagt: man kann nicht alles haben. Und dieses Mäandern zwischen kurzen alten Post Black Metal Einsprengseln und dick aufgetragenen Metalcore Hymnen passt nicht und behindert gefühlt die Band selbst.
Autor: Michael Wimmer
Tracklist „Loss“:
1. Luminary
2. Submerged
3. Hellbound
4. Uncontrolled
5. Phoenix
6. Cyclone
7. LBRNTH
8. Nomad
9. Stardust
Gesamtspielzeit: 46:01
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