Be Fjort Tour 2026: FJØRT, TRIBUTE TO NOTHING @ WUK, Wien (13.03.2026)

Fjort - Live


War das Konzert der deutschen Post-Hardcore Truppe FJØRT schon länger auf der „Voraussichtlich Liste“, änderte sich das mit der Bekanntgabe der Supportband schlagartig. Konnten die Aachener doch niemand geringeren als die legendäre TRIBUTE TO NOTHING aus England für den ersten Run ihrer Be Fjort Tour gewinnen. Eine Band, die mich seit meiner Jugend begleitet und deren legendäres Konzert in den Stadtsälen mit ON THE MIGHT OF PRINCES sich einst in das Gedächtnis so einiger St. Pöltner*innen gebrannt hat.

Das Quartett bestehend aus drei Brüdern war bis Ende der 2000er unermüdlich in Europa unterwegs und erspielte sich dabei einen mehr als beachtlichen Ruf als Liveact, den man gesehen haben sollte. Nun nach über zwölf Jahren des Hiatus von TRIBUTE TO NOTHING folgten sie dem Ruf des befreundeten Trios, dieses auf deren Tour zum neuen Album „Belle Époque“ zu begleiten. Und als das Quartett mit „Every Word’s A Whisper”, dem Opener des Albums „How Many Times Did We Live?” – das heuer auch sein zwanzigjähriges Jubiläum feiert – loslegte, war man gefühlt um diese Zeitspanne zurückversetzt. Auch wenn man der Band die Jahre dazwischen ansah, und sich auch im Lauf des Sets so mancher Verspieler einschlich, haben TRIBUTE TO NOTHING nichts an ihre Energie und Eindringlichkeit eingebüßt und ließen mit „Maybe I’m Waiting“ und „Something I Can Trust“ zwei weitere Klassiker folgen.

Be Fjort Tour 2026Und so einige der Anwesenden schienen die Texte auch nach gut 20 Jahren noch mitgröhlen zu können. Das Publikum war ein wenig zweigeteilt zwischen denen, die die Band und die Songs frenetisch abfeierten und denen, die wohl vernommen haben, dass FJØRT eine legendäre Band als Support gewinnen konnten, den Zugang zu deren Musik aber (noch) nicht ganz finden wussten, aber dennoch respektvoll applaudierten. Natürlich durfte „Quicksand Mindset“ nicht fehlen, bevor die Hymne „Day In, Day Out“ das knackige Set beendete.
Aber auf was für eine sympathische Art und Weise. Erwähnte das Quartett eingangs, dass sie das Privileg haben ihre Familien und Partner*innen mit auf dieser dabei haben zu können. So übernahm der kleine Sohn von Bassist Jim das Schlagzeug und machte seine Sache nicht nur hervorragend, sondern sorgte für einen herzerwärmenden Moment zum Abschluss des viel zu kurzen Sets. Bis dato haben TTN einige weitere Termine in Deutschland für den Herbst angekündigt, bleibt die leise Hoffnung, dass sie hier vielleicht auch ihren Weg erneut nach Wien finden.


Setlist TRIBUTE TO NOTHING:
Every Word’s a Whisper
Maybe I’m Waiting
Something I Can Trust
Broken in Hand
Quicksand Mindset
Breaking Your Fall
Day In, Day Out


Beim kurzen Luftschnappen im schönen Innenhof des Wiener WUKs, lief ich dann einigen alten Bekannten aus St. Pölten über den Weg, die ebenfalls in erster Linie wegen TRIBUTE TO NOTHING Tickets gekauft haben und wie ich die Band das erste Mal damals 2004 live sehen durften und uns nachhaltig beeindruckt haben. Ähnlich durfte es den ziemlich gleichaltrigen FJØRT damals in den 2000er ergangen sein. Das Trio hat sich inzwischen schon vor gut 15 Jahren gegründet und laut der Danksagung am Ende ihres Sets, war gerade die Begegnung und mit TRIBUTE TO NOTHING prägend für ihren Zugang zum Musiker*innen Leben.

Die Aachner haben sich über die Jahre musikalisch stetig weiterentwickelt und sich mit ihren Veröffentlichungen, ihrer extrem stabilen politischen Haltung, sowie ihren Liveshows eine immer weiter wachsenden Fangemeinde erspielt und so wagten sie den Sprung in die nächstgrößeren Konzertlocations. Dieser scheint ihnen auch – mehr als zurecht – ob des wirklich gut gefüllten WUK in Wien, gelungen zu sein. Die in kühle Farben getauchte Bühne passte perfekt zum Opener „Aer“, der wuchtig über die Anwesenden hereinbrach mit einem satten, klaren Sound.

fjort 2026 wien

Auf diesen Song vom aktuellen Album ließ man mit „Südwärts“ und „Anthrazit“ zwei ältere Songs folgen, was vom Publikum dementsprechend textsicher goutiert wurde. Ist das Trio schon auf Platte mehr als wuchtig unterwegs, drücken FJORT live noch um ein Eck mehr und wildern dann, auch wegen dem stoischen Schlagzeugspiel von Frank Schophaus, musikalisch fast in Post Metal Gefilden. Zudem kommt im Livesetting das Wechselspiel der beiden Sänger Chris Hell und David Frings deutlich mehr zur Geltung. Die Setlist, geprägt vom aktuellen, wie letzten Album „Nichts“, ließ zwar Fans der ersten Alben den einen oder anderen Song schmerzlich vermissen, dies machte die Band aber nicht nur mit ihren sympathischen Ansagen, sondern auch der leidenschaftlichen und atmosphärisch beeindruckenden Show spielend wett. Dass FJØRT eine sehr politische wie offen antifaschistische Band sind ist ja nichts neues und so nutzen sie auch ihre Konzerte um ihre Haltung kundzutun. Während „43“ bahnte sich dann Bassist David Frings mit dem Mikro in der Hand durchs Publikum in Richtung Mischpult, um sich dort auf dem Absperrgitter zu platzieren.

FJØRT, TRIBUTE TO NOTHING

Um vor dem Finale des Songs nochmals die Wichtigkeit eines respektvollen Umgangs miteinander, vorallem aber des Widerstands gegen den überall erstarkenden Faschismus, zu betonen. Ein absoluter Gänsehautmoment, bevor dann das mächtige und nicht minder politische „Couleur“ und „Valhalla“ das reguläre Set beendeten. Die tosende Halle musste nicht lange um eine Zugabe bitte und das Trio kehrte gleich für drei Songs zurück und verabschiedete dann mit „Nacht“ Wien auch in die eben selbige.


Setlist FJØRT:
1. Aer
2. Südwärts
3. Anthrazit
4. Kolt
5. Windschief
6. Mir
7. Lod
8. Bonheur
9. Fernost
10.Messer
11.’43
12.Couleur
13.Valhalla

14. Yin
15. Feivel
16. Nacht


FJØRT lieferten einen fulminanten Konzertabend, eine Band die im deutschsprachigen Raum aber hoffentlich auch darüberhinaus zu größeren Sprüngen ansetzt, denn den internationalen Vergleich baucht des Trio wirklich nicht mehr zu scheuen. Das persönliche Highlight an diesem Freitag war dann aber dennoch die halbstündige Zeitreise mit TRIBUTE TO NOTHING.


Autor*in & Fotos: David Zuser

 


Band-Links:

FJØRT, TRIBUTE TO NOTHING

 

 

 

 

 


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