
Die Einleitung aus dem Promotext zu „Descent“, dem zwölften Album der lebenden Death Metal Legenden IMMOLATION, könnte nicht passender sein. Nach den Zeilen braucht man keine weiteren Worte mehr darüber verlieren, wer IMMOLATION sind oder was ihr Beitrag zur Entstehung des amerikanischen Death Metal war.
Ehrlich gesagt ging die Band aber eher an meiner Beachtung vorbei. Das Debüt „Dawn of Possession“ ist mir natürlich bekannt und ist für das Jahr 1991 wirklich ein Meilenstein an purem brutalem Death Metal. Aber entgegen der Florida Szene spielten IMMOLATION stärker mit Doom Elementent und langsamen zurückgenommenen Parts. Auch live blieb nicht sonderlich viel hängen. Trotz allem war es klar, dass der neue Langdreher „Descent“ reviewed werden sollte. Und ehrlich gesagt bin ich darüber froh, denn dieses Album weiß zu überraschen.
Der Opener „These Vengeful Winds” kracht mächtig aus den Boxen. Die Produktion ist dick und kraftvoll und zwei Hauptakteure machen mächtig Wind. Das Drumming von Steve Shalaty begeistert von Minute Eins weg in seiner Intensität gepaart mit Groove und Brutalität. Dazu das tiefe infernale Growling vom Meister am Mikro Ross Dolan erzeugt die typische dunkle IMMOLATION Atmosphäre. Nach 37 Jahren schaffen es die New Yorker Legenden sich und ihrem Sound einerseits treu zu bleiben, aber doch auch interessant genug zu sein, um nicht als langweilig im großen Pool an US Death Metal Acts zu versinken.
Auch „The Ephemeral Curse“ ballert mächtig im Blastbeat dahin. Hier steigen dann der nächsten Meister ihres Faches ein. Robert Vigna und Alex Bouks erzeugen dissonates und teils wirres Riffing, aber immer mit Riesengefühl für Melodie und Groove. Teils entwischt die Leadgitarre oder ein Solo mischt sich ins Chaos, aber alles hat vollständig Hand und Fuss und balanciert gekonnt auf dem Rythmusgerüst und wird eingedeckt vom dunklen Grunzen Dolans.
Stücke wie „God’s Last Breath“ oder „Attrition“ wildern in dunklen Doom Gefilden. Das Riffing ist langsam und zäh und ergänzt sich fantastisch mit den Gänsehaut erzeugenden Vocals. Alles ergibt eine Mischung perfekter morbider und endzeitlicher Atmosphäre, eine Spezialität, die IMMOLATION von ihren Genrekollegen in New York wie INCANTATION oder SUFFOCATION stets abgehoben hat. „Adversary“ ist ein schneller Brecher alten Schlages. Das Drumming ist einer der Stars dieser Show, aber wenn Vigna an der Gitarre sein Solo loslässt, hält man inne und lauscht seinem Können. Ähnliche Strukturen fahren auch „Bend Towards The Dark“, und „Host“ auf. Beide Songs begeistern aber mit unerwartetem Gespür für coole Hooks und melodisch im Ohr hängenbleibenden Parts.
Das Instrumental „Banished“ leitet den Titeltrack als Schlusspunkt ein. „Descent“ zieht in knapp sechs Minuten nochmals alle Register. Das Drumming ist irrwitzig und kämpft mit dem teils hektischen Riffing um die Aufmerksamkeit im Song. IMMOLATION vereinen hier nochmals Chaos und Komplexität zu einer brutalen Melange, die aber in sich immer auf Melodie und einer überzeugenden Idee von höchst fähigen Musikern basiert.
„Descent“ ist ein wirklich gelungenes Album von Death Metal Legenden, die zeigen, dass man nach fast 40 Jahren noch lange nicht zum alten Eisen gehören muss. Die Stimmung ist durchwegs apokalyptisch und destruktiv. Die satte und glasklare Produktion tut ihres dazu und macht IMMOLATION’s Message ganz klar: The answer is clear – no help is coming”
Autor: Michael Wimmer
Tracklist „Descent“:
1. These Vengeful Winds
2. The Ephemeral Curse
3. God’s Last Breath
4. Adversary
5. Attrition
6. Bend Towards The Dark
7. Host
8. False Ascent
9. Banished
10. Descent
Gesamtspielzeit: 41:35
