
Dark Asylum
(Power Metal | Symphonic Metal)
Label: Napalm Records
Format: (LP)
Release: 28.08.2026
KAMELOT sind in Sachen Symphonic Metal nach wie vor die Speerspitze in der internationalen Szene. Die ebenfalls sehr international besetzte Band konnte einst den Verlust von Roy Khan gut wegstecken, feierte mit Tommy Karevik als neues Gesicht ebenfalls Erfolge wie diverse Rock und Metal Charterfolge, begeisterten weltweit ihre Fans und durften auch immer wieder namhafte Gäste auf ihren Alben begrüßen. Nach nun 35 Jahren Bandgeschichte, präsentiert man „Dark Asylum“ als 14. Longplayer und beweist einmal mehr, dass man den Thron nach wie vor wunderbar zu verteidigen weiß.
Mit ihrem intensiven und eindringlichen Symphonic Power Metal, der bei jedem Song eine atmosphärische, aber auch stets düstere Klangwelt erzeugt, sich aber nie für das eine oder andere kleine Experiment zu schade ist, trumpfen die Herren auch dieses Mal wieder auf. Dass dieses Album bei mir für noch mehr Aufsehen, als die letzten Werke sorgt, ist womöglich der interessanten Hintergrundgeschichte rund um die Raven-Hill Anstalt geschuldet. So erschaffen KAMELOT eine düstere, viktorianische Welt und taucht in die Psyche des Menschen ein.
Musikalisch wirkt sich das nämlich auch aus. Nach gesprochenem Intro, wird es sogleich hollywoodreif dramatisch und mit mit „Ashen World“ zeigt man gleich seine Stärken. Eindringliches Riffing, begleitet dramaturgisch starken Orgelklängen, dezenten Keys, die von der hochemotionalen Stimme von Tommy ihr I-Tüpfelchen bekommen. Perfekt inszeniert, mit einer Produktion allererster Güteklasse, hochprofessioneller Inszenierung und zahlreichen Details, merkt man, dass es sich hier um ein perfekt durchinszeniertes Machwerk handelt. Und doch wirkt alles sehr organisch, authentisch und nicht so steril, wie bei so manch Kolleg*innen im Genre. Hier mischt sogleich Ignacia Fernández (DECESSUS) mit – eher im Hintergrund gehaltenen – Screams mit. Growls sind ja sowieso bei manch Power Metal Fan ein heikles Thema, doch hier sehr gut eingesetzt.
Und das hohe Niveau, den Spannungsbogen und die Eindringlichkeit können die Herren im Verlauf mühelos hochalten, sorgen für Abwechslung durch mal eingängigere hymnische Tracks wie dem Titeltrack, progressive Ausflüge, kleineren Spielereien, die zusätzlich daran erinnern, dass man es hier mit einem Konzept zu tun hat, sowie kleineren und größeren Soundanpassungen. Da überrascht wohl am Meisten, dass hier EDGUY und AVATANASIA Mastermind Tobias Sammet, der schon mit Karveik auf dem letzten Album „Here Be Dragons“ zusammenarbeitet und somit etwas von AYREON abwarb, den Gefallen zurückgab und sich überraschend gut in den Sound von KAMELOT einfügt. Aber auch sonst ist der moderner gehaltene Track ein echtes Highlight, wagt sich der begnadete Fronter hier, sowie auch in weiteren Tracks mal näher an seinen stimmgewaltigen Vorgänger Roy Khan ran und brilliert dabei, während er im Refrain mit Sammet die Stimme von unten nach oben gehen lässt, während die Beats dann doch auch an Sammets Schaffen erinnern und ihm somit Raum zum bestens Mitmischen geben.
Aber nicht nur das, auch Sascha Paeth und Miro Rodenberg, die langjährigen Gefährten der Metal Oper Koryphäe sind, haben ihre Hände auf dem Album im Spiel. Dazu gesellt sich Clemientine Delauney (VISIONS OF ATLANTIS), die sich den fetten Chören in „Sanctuary“ anschließt, während Kobra Paige (KOBRA AND THE LOTUS) bei der herzzerreißenden und mittelalterlichen Ballade „Ivy, My Dear“ unterstützt. Aber dem nicht genug, denn mit zwei Damen aus Island, die in ihrer Amtssprache trällern, gibt es auf „Beneath The Moon“, das bedächtig und auch musikalisch dazu mit Streicher und Percussion passend tönt, ganz neue Klänge aus dem Hause KAMELOT.
Die Truppe rund um Mastermind Thomas Youngblood hat sich mit „Dark Asylum“ einmal mehr übertroffen und bietet das wohl beste Album seit „Ghost Opera“, zumindest für mein Empfinden. Ein Album, das von Anfang bis Ende die KAMELOT in Bestform mit allen Trademarks präsentiert, aber auch neue Wege beschreitet und das Resultat aus 35 Jahren harter Arbeit darstellt.
Autor: Max Wollersberger
Tracklist „Dark Asylum“:
1. Sanctorium
2. Ashen World
3. Dark Asylum
4. Sanctuary
5. Nocte Veritas
6. One Last Masquerade
7. Ivy, My Dear
8. Godlike Alchemy
9. The Sleeping Mind (Orphic Paradigm)
10. Kaleidoscope
11. Enigma (Think Of Me)
12. Cassandra’s Disease
13. Beneath the Moon (Tunglið)
14. The Puppet King
15. Sanctum Requiem
Gesamtspielzeit: 51:15
