AMENRA - De Toorn | With Claw And Fur

AMENRA
De Toorn | With Fang And Claw
(Post-Metal)

 


Label: Relapse Records
Format: (Doppel EP)

Release: 28.03.2025


Zwei neue AMENRA-EPs auf einmal – „De Toorn“ und „With Fang And Claw“. Beide Werke stehen für unterschiedliche Phasen in der Geschichte der Band, sind aber eng miteinander verbunden. Während „De Toorn“ das Kapitel „De Doorn“ abschließt und atmosphärisch stark an dessen langsame, rituelle Struktur anschließt, blickt „With Fang And Claw“ zurück auf die rohe Kraft der frühen “Mass“-Releases – und gleichzeitig voraus in Richtung des angekündigten „Mass VII“. Auch wenn beide EPs eigenständig veröffentlicht wurden, ergibt sich im Zusammenspiel ein eindrucksvolles Gesamtbild, das den Übergang von Rückblick zu Ausblick auf eindringliche Weise hörbar macht.

„De Toorn“ beginnt mit dem fast 14 Minuten langen Track “Heden“, einem Song, der weniger in klassischen Songstrukturen funktioniert, sondern vielmehr ein wachsendes, organisches Gefühl erzeugt. Anfangs dominieren Bass und ein pulsartiger Drumbeat, der wie ein schlagendes Herz wirkt – zurückhaltend und fast meditativ. Die gesprochenen Lyrics treten vereinzelt auf und wirken eher wie Gedankenfetzen, die sich langsam verdichten. Inhaltlich geht es um Vergänglichkeit, Identität, das Ringen mit Verlust und Licht. „Alles ist Licht“, heißt es im Refrain – eine Zeile, die wie ein Mantra wirkt. Erst spät entlädt sich der Song mit einer Welle aus verzerrten Gitarren und Colin Van Eeckhouts eindringlichen Schreien, bevor er in sich zusammenfällt.

Auch der Track „De Toorn (Talisman)“ folgt diesem Aufbau, ist jedoch noch düsterer aufgefallen und stärker vom Leid durchzogen. Der Song ist geprägt von Melancholie. In der Textzeile „Ik ben verderf / in dit zilte zijn“ – „Ich bin das Verderben / in diesem salzigen Sein“ – wird die Thematik der Schuld, des Schmerzes und der inneren Zerrissenheit deutlich. Musikalisch verstärkt sich dieser Eindruck durch dissonante Gitarrenflächen und einen insgesamt schweren, sehr schleppenden Sound. Der Song endet in einem langsamen Nachklang.


Die zweite EP „With Fang And Claw” schlägt direkt von Anfang an einen anderen Ton an. “Forlorn“ ist ein intensiver, direkter Ausbruch, in dem Schmerz und Wut nicht zurückgehalten, sondern herausgeschrien werden. Der Song beginnt ohne lange Einleitung mit einem massiven Gitarrenriff, das sofort Druck aufbaut. “Forlorn” hat einen ruhigeren Mittelteil, der mit ruhigeren Gitarren und getragenem Schlagzeug eine kurze Atempause bietet, in der Van Eckhout mit zierlichem Gesang  überzeugt. Aber es bleibt eine trügerische Stille, denn die Spannung entlädt sich zum Ende wieder mit voller Wucht. Thematisch ist „Forlorn“ eine Auseinandersetzung mit Einsamkeit, Verlassenheit und dem inneren Kampf, all das zu überstehen.

„Salve Mater“ ist kürzer – wenn man ein Lied, das länger als fünf Minuten dauert, als kurz empfinden kann – aber nicht weniger eindringlich. Der Titel verweist auf das Motiv der „Heiligen Mutter“, eine Referenz auf Trost, Schutz, vielleicht sogar Erlösung. Doch auch hier ist der Zugang nicht liebevoll oder sanft – der Schmerz, durch den Heilung erfolgt, wird hier lautstark eingefordert. Musikalisch ist der Track schleppend, fast doomartig, mit einem schweren Fundament aus tiefgestimmten Gitarren und dichten Texturen. Die Lyrics sprechen von Fleisch, Wunden und der Wiedergeburt durch Leid: „Through the wound comes salve“, ein Satz, der sich wie ein roter Faden durch den Song zieht. Es ist eine schmerzhafte, körperliche Darstellung von Transformation – typisch für AMENRAs bildhafte und spirituelle Symbolsprache.

„With Fang And Claw“ wirkt im direkten Vergleich zu „De Toorn“ wie ein roher Ausbruch, nach kontrollierter innerer Auseinandersetzung. Wo „De Toorn“ in sich gekehrter, fast rituell-meditativ bleibt, ist „With Fang And Claw“ das Ventil – laut, direkt, schmerzhaft und ehrlich. Beide EPs spiegeln unterschiedliche Wege, mit Schmerz und Identität umzugehen – der eine über Kontemplation, der andere über Katharsis. Und gerade diese Gegenüberstellung macht das Gesamtwerk so stark.

AMENRA zeigen mit dieser Doppel-EP einmal mehr, dass sie künstlerisch nie stagnieren, sondern ihr Schaffen konsequent weiterentwickeln – ohne ihre Grundessenz zu verlieren. Zwischen Stille und Lärm, Körper und Geist, Ritual und Chaos decken „De Toorn“ und „With Fang And Claw „alle Facetten ihres Sounds ab. Der Weg zu „Mass VII“ ist geebnet.


Tracklist “De Toorn“:
1. Heden
2. De Toorn (Talisman)
Gesamtspielzeit: 25:44

Tracklist “With Fang and Claw“:
1. Forlorn
2. Salve Matter
Gesamtspielzeit: 13:53


Band-Links:

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AMENRA - De Toorn | With Fang And Claw
AMENRA – De Toorn | With Fang And Claw
LineUp:
Colin H. van Eeckhout (Vocals)
Mathieu Vandekerckhove (Gitarre)
Lennart Bossu (Gitarre)
Bjorn Lebon (Drums)
8
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