Nun ist es schon ein paar Wochen her, doch möchte ich doch noch ein paar Worte zur aktuellen IRON MAIDEN Tour verlieren. Die Legende zelebrierte am 17. Juli im Zuge der Run For Your Lives Tour ihr – Sage und Schreibe – 50 Jähriges Bestehen. Und das mehr als gebührend.
Aber der Reihe nach. Im legendären Ernst Happel Stadion war schon am späten Nachmittag reges Treiben und alles wartete bei gutem Wetter auf den Supporter der Eisenen Jungfrau. Was dies betrifft, gibt es seit jeher Unstimmigkeiten in der Fanbase, suchen sich Steve Harris und Co. eigentlich selten bis nie passende Supporter aus, sondern schauen, was halt grad angesagt ist oder lassen manchmal wohl auch einfacht die Würfel entscheiden. Klar, LAUREN HARRIS, Tochter des Mainman, einst eine Katastrophe als Opener, war eine wenig überraschende Wahl, LORD OF THE LOST auf der letzten Tour waren thematisch ebenso wie einst KILLSWITCH ENGAGE am Nova Rock Zusatztag oder auch DRAGONFORCE vor vielen Jahren, stilistisch eher überraschend, um es nett auszudrücken. Als MAIDEN Freund, der viele Genres liebt, störte mich persönlich die Wahl in diesem Jahr auch nicht, zeigten die kreativen Schweden von AVATAR bereits in den letzten Jahren dass sie grandiose Live-Performer sind und auch das Zeug zum Headliner haben.
Es war noch gut hell, als die Show von AVATAR begann. Ein Roadie trug ein Paket mit rotem Luftballon – Steven King’s ES lässt grüßen – auf die Bühne. Das Paket ging auf und ein schräg grinseder Clown namens Johannes Eckerström erschien daraus. Und schon ging es los mit „Dance Devil Dance“ vom zuletzt veröffentlichten Album. Die Melodic Deather, die in den letzten Jahren auch Rock, Nu Metal und zahlreiche andere Genres in ihren abgefahrenen Sound einwoben wurden zwar mit gemischen Gefühlen aufgenommen, doch ein Großteil der eisenen Jünger*innen hatte Spaß am bunten Treiben auf der Bühne.
Einmal mehr zeigte sich Johannes als wahre Rampensau, entzückte mit seinen unterhaltsamen Ansagen in gebrochenem Deutsch, erzeugte eine düstere und bedrückende Atmosphäre und führte gekonnt durch das tighte Set, in dem sowohl Klassiker wie das eindringliche und bitterböse „Blood Angel“ und „Smells Like A Freakshow“, als auch neuere Songs der Marke „In The Airwaves“ oder das eindringliche „Captain Goat“, die beide erst kürzlich veröffentlicht wurden, zu finden waren. Den Abschluss machte dann viel zu bald das unausweichliche „Hail The Apocalypse“, während die Ballade „The Tower“, „Paint Me Red“ oder der Überhit „The Eagle Has Landed“ dieses Mal leider schmerzlich vermisst wurden. Doch im kommenden Jahr wollen die Herren auf ihre bisher größte Headlinertour gehen und versprechen mehr als großes.
Setlist AVATAR:
Dance Devil Dance
Let It BUrn
In The Airwaves
Bloody Angel
The Dirt I’m Buried In
Captain Goat
Smells Like A Freakshow
Hail The Apocalypse
Schön langsam wurde es dunkel und die Spannung immer größer, denn die Run For Your Lives Tour versprach bekanntlich Großes. IRON MAIDEN kündigten zum Jubiläum die teuerste und opulenteste Show ihrer Karriere an. Das hieß etwas und erhöhte die Spanung, wenn man bedenkt, was man auf der letzten Tour abfeuerte. „The Flight Of Icarus“ mit Pyro-Anzug, ein fetter Flieger zu „Aces High“ und der Dämonenkopf-Eddy in XXL mussten da mal getoppt werden. Und all das fehlte….
Die Show war dennoch ein mehr als unglaublicher Ritt durch die alten Tage von IRON MAIDEN. Statt ausgeglügeltem Bühnenaufbau mit passendem Thema und verschiedensten Backprints, gab es dieses Mal eien schlichte Stahlkonstruktion, auf der auch Kilometerfresser Bruce Dickinson dieses Mal eher gemütlich seine Wege ging. Und statt großen Bannern, zierte den Hintergrund eine monströse Videowall, auf der es so einiges zu entdecken gab.
Die Show begann etwas verhalten. Nachdem man die üblichen Intros in Form von „Doctor Doctor“ und „The Ides Of March“ abfeuerte, gab es mit „Murders In The Rough Mourge“ einen eher weniger charismatischen Track und auch „Wratchchild“ wollte noch nicht ganz zünden. Doch spätestens mit „Phantom Of The Opera“, das schon eindrucksvolle Visuals zeigte und dem unausweichlichen Überhit „Number Of The Beast“ bei dem sich Bandmaskottchen Eddy zeigte, war der Abend gerettet. Zwar übertrieb man es im Mittelteil etwas mit den Longtracks, doch „2 Minutes To Midnight“ oder „The Trooper“ brachten Bewgung in die über 40.000 Besucher, die dann auch „Hallowed Be Thy Name“ oder im Zugabeteil „Fear Of The Dark“ stimmgewaltig mitträllerten. Bruce war nicht sehr gesprächig, haute seine „Scream for me“ raus, zeigte sich aber bei bester Laune und hatte auch stimmlich alles im Griff.
Neu war aber, dass ein gewisser Nico McBrain fehlte, der zwar noch Teil der Band sei, wie Bruce versprach, aber aus gesundheitlichen Gründen seine Live-Karriere beendete und durch Simon Dawnson von BRITISH LION vertreten wurde. Auch wenn mich die Show etwas enttäuschte, da die Opulenz fehlte, machten die genialen Videos im Hintergrund echt Bock, die fetten Scheinwerfer zu „Aces High“, die den Wiener Nachthimmer in Aufruhr versetzten, waren ein weiteres Highlight und so verflog die Zeit und mit „Wasted Years“ verabschiedete man sich einmal mehr eindrucksvoll und hinterließ trotz etwas Enttäuschung meinerseits, den Eindruck, dass es einen Headliner auf diesem Niveau wohl nie wieder geben wird. Danke dafür IRON MAIDEN!
Setlist IRON MAIDEN:
(Doctor Doctor)
Wrathchild
Killers
Phantom Of The Opera
The Number Of The Beast
The Clairvoyant
Powerslave
2 Minutes To Midnight
Rime Of The Ancient Mariner
Run To The Hills
Seventh Son Of A Seventh Son
The Trooper
Hallowed Be Thy Name
–
(Churchill’s Speech)
Aces High
Fear Of The Dark
Wasted Years
IRON MAIDEN kamen sahen und siegten auf ihrer „Run For Your Lives“Tour. Die Setlist ist wie immer Geschmackssache, war aber mit allem, was wichtig war, gespickt und ließ kaum Wünsche offen. Bruce zeigte sich stimmlich von der besten Seite und auch bewegungsfreudig. Die Stimmung war aber sowieso in der ganzen Band überaus gut wie auch im Publikum. So darf man gerne noch ein paar großartige und opulente Tourneen anbieten. Wir sind dann auf jeden Fall wieder dabei!
PS: Von den verbrecherischen Bierpreisen und, dass die Ausschank, die 0.5L Marke nicht einmal getroffen hat, möchte ich hier gar nicht erst anfangen.
Autor & Fotos: Max Wollersberger