
Können sich Bands in ihrem Sound und Stil homogen weiterentwickeln, oder braucht es immer so etwas wie einen klaren Bruch, der den Übergang in eine neue Phase kennzeichnet? Das Florida Duo von WORM beantwortet diese Frage seit Jahren beeindruckend und glasklar. Es ist möglich sich langsam und sukzessive weiter zu bewegen und nicht jahrelang im selben Sound zu stagnieren.
Vom Death Doom der ersten Veröffentlichungen, mit dem szeneintern abgefeierten „Foreverglade“ hin zu einer Öffnung in schnellere, stark von Synthklängen geprägte Symphonic Black Metal Landschaften. Nach der Wandlung auf der 2022er EP „Bluenothing“ ist 2026 mit „Necropalace“ der Gipfel der Neuorientierung erreicht. Da ist viel von frühen DIMMU BORGIR und EMPEROR zu hören, aber trotzdem fußt es im Death Metal und Death Doom früher Tage. Es ist eine dreckige und gemeine Brühe, die uns WORM hier brauen, die aber vor allem eines ist. Der erste starke Anwärter auf das Album des Jahres im Black Metal Bereich.
Necromantic Black Doom nennt sich das laut der Band selbst, und kommt in der breiten Masse an wie ein Deal mit Century Media Records eindrucksvoll beweist. Und wo Horror und Vampirästhetik bei CRADLE OF FILTH inzwischen eher lächerlich wirken, bewegt sich WORM in einer Szenerie, die glaubhaft und intensiv vermittelt wird, getragen von einfach großartigen Songwriting Fertigkeiten.
Nach dem kurzen Intro steigt der Titeltrack direkt hinab ins Grab. Die Atmosphäre ist vom ersten Takt weg eisig und gefühlt unter Null Grad, während Dungeon Synth Klänge in die okkulte Welt von WORM in 2026 entführen. Die Krächzstimme ist EMPEROR zum Verwechseln ähnlich, während die singende Leadgitarre gehörig Stimmung erzeugt. Die Fahrt geht rasant in beste Symphonic Black Metal Welten der 90er Jahre, „Enthrone Darkness Triumphant“ von DIMMU BORGIR lässt grüßen.
Ist der erste Song schon richtig gut, hat man das Gefühl die Kreativität von WORM steigert sich mit jedem weiteren Stück in lichte Höhen. Gefühlt bietet „Necropalace“ als Album wirklich alles. „Halls Of Weeping” und „Blackheart” zeigen stolz die Wurzeln im doomigen Bereich des Death Metal. Hier sind es langsamer getragene Parts, immer wieder von purer Raserei zerissen, die in eine Welt voller Horror und Schmerz entführen.
„The Night Has Fangs“ und „Dragon Dreams” sind schnelle sich manchmal fast überschlagende Brecher, die in ihrer virtuosen Gitarrenarbeit an CHILDREN OF BODOM erinnern. Überhaupt ist das gebotene technische Niveau atemberaubend. Was die Leadgitarre an Hooks und Melodien aus dem Ärmel schüttelt ist schlicht großartig, ganz zu schweigen von den fantastischen Soli. Manchmal ins Growling wechselnde Vocals betonen die Wurzeln im Death Metal, und geben der sonst recht theatralischen Vampirästhetik einen realeren und brutaleren Anstrich.
Und wäre das nicht alles schon genug, tobt sich beim Closer „Witchmoon: The Infernal Masquerade“ noch Gitarrenhero Marty Friedman aus. Der Song sprengt, nicht nur mit seiner Länge, alle Grenzen und bietet pures Kopfkino.
„Necropalace“ ist im Black Metal ein absolutes Highlight der letzten Jahre. Der knarzige aber auf den Punkt getroffene Sound der Platte setzt dem Ganzen die Krone auf. Alle Songs sind fast in Überlänge gehalten, aber das fantastische Songwriting lässt keine Minute Langeweile zu. All Hail to WORM.
Autor: Michael Wimmer
Tracklist „Necropalace“:
1. Gates To The Shadowzone (Intro)
2. Necropalace
3. Halls Of Weeping
4. The Night Has Fangs
5. Dragon Dreams
6. Blackheart
7. Witchmoon: The Infernal Masquerade
Gesamtspielzeit: 62:51
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