Zwei Abende, zwei völlig unterschiedliche Welten und doch zweimal volle musikalische Wucht in der Wiener Simm City: Am Vortag sorgten HAKEN, IONS und IHLO für einen sensationellen Progressive-Metal-Abend, keine 24 Stunden später wurde es deutlich folkiger, mittelalterlicher und vor allem tanzbarer. SUBWAY TO SALLY spielten ihre erste Hallenshow nach den Open-Air-Festivals und bewiesen dabei eindrucksvoll, dass der Wechsel zurück in die Clubs und Hallen genau der richtige Zeitpunkt war.
Den Anfang machten die Piraten-Metaller von STORM SEEKER. Mit ihrem Mix aus Folk Metal, Seefahrerromantik und jeder Menge Augenzwinkern passte die Band hervorragend zum Abend. Schon bei „Set the Sails“ war klar, dass hier niemand einfach nur auf der Bühne stehen und seine Songs herunterspielen würde. spätestens bei „Row, Row, Row“ war die Simm City fest in Piratenhand und fast das ganze Publikum setzte sich auf den Boden und ließ sich zum Rudern animieren. „How to Be a Pirate“ und „Destined Course“ sorgten für weitere Mitsingmomente, bevor die Band zum Finale noch einmal ordentlich Fahrt aufnahm.
Im Zugabenblock durfte die bandeigenen Coverversionen „I’m Gonna Be (500 Miles)“ ebenso wenig fehlen wie „I’m Shipping Up to Boston“. Mit „Homeward Bound“ verabschiedeten sich STORM SEEKER schließlich von einem bereits bestens aufgeheizten Publikum.
Setlist STORM SEEKER:
Set The Sails
Gouverneur Of The Coco Island
Old Maui
The Longing
Row, Row, Row
How To Be A Pirate
Destined Course / Miles & Miles
I’m Gonna Be (500 Miles)
I’m Shipping Up To Boston
Homeward Bound
Nach einer kurzen Umbaupause ertönte aus den Boxen „Don’t Stop Me Now“ von QUEEN – ein perfekter Vorbote für das, was folgen sollte. Als schließlich das Licht erlosch, wurde es zunächst mystisch: Zum „Phönix“-Intro betrat eine Tänzerin im roten Phönix-Kostüm die Bühne und eröffnete damit die Show, bevor SUBWAY TO SALLY mit „Leinen los“ direkt in ihr Set starteten. Was danach folgte, war keine bis ins kleinste Detail durchgetaktete Best-of-Maschine, sondern eine erstaunlich entspannte Band, die spürbar selbst Freude an diesem Abend hatte. Natürlich stand mit „Post Mortem“ das aktuelle Album im Mittelpunkt, doch SUBWAY TO SALLY machten keineswegs den Fehler, daraus eine reine Albumshow zu machen.
Stattdessen wurde quer durch die Bandgeschichte gespielt – und genau diese Mischung machte den Abend so stark. Mit „Was ihr wollt“ und „Böses Erwachen“ nahm die Stimmung weiter Fahrt auf. Letzteres sorgte dabei für einen der wohl überraschendsten Momente des Abends: Eric Fish ließ sich als Crowdsurfer ins Publikum tragen – offenbar war es bis dahin noch keine*r Besucher*in gelungen, diese Aufgabe zu übernehmen. Ganz ohne Folgen blieb die Aktion allerdings nicht: Sein teures In-Ear-Monitoring-System verabschiedete sich während des Ausflugs ins Publikum.
Danach folgten mit „Eisblumen“ und „Kleid aus Rosen“ zwei absolute Fanlieblinge, bevor „Minne“ und „Herz in der Rinde“ wieder stärker die mittelalterlich-folkige Seite der Band betonte. Bei „Krähenfrass“ tauchte schließlich die Tänzerin aus dem Intro wieder auf – diesmal allerdings komplett in Schwarz. Ein schönes visuelles Detail, das dem ohnehin abwechslungsreichen Konzert noch eine zusätzliche Ebene gab. Besonders viel Energie entwickelte das folgende Metal Medley aus „Henkersbraut“, „Knochenschiff“ und „Falscher Heiland“. Danach wurde es mit „Das Rätsel II“ und dem Titelsong „Post Mortem“ wieder etwas düsterer. SUBWAY TO SALLY ließen sich dabei alle Freiheiten, die ein Livekonzert eben bieten sollte. Genau das war vielleicht die größte Stärke dieses Abends: Trotz großer Hits, aufwendiger Showelemente und einer beeindruckenden Karriere wirkte hier nichts wie reine Pflichtübung.
Mit dem Folk Party Medley aus „Sag dem Teufel“, „Ohne Liebe“ und „Tanz auf dem Vulkan“ war die Simm City endgültig in Feierlaune. „Sieben“ und „Veitstanz“ bildeten schließlich den regulären Abschluss, doch natürlich ließ das Wiener Publikum die Band nicht so einfach von der Bühne. Die Zugaben starteten mit „Grausame Schwester“, bevor „Weit ist das Meer“ für einen der atmosphärischsten Momente des gesamten Konzerts sorgte. Besonders der große Publikumschor blieb hängen: erst die eine Seite der Halle, dann die andere – „aaaah“ gegen „aaaah“. Für einen kurzen Moment gehörte der Song nicht mehr nur der Band, sondern der gesamten Simm City. „Julia und die Räuber“ setzte schließlich den Schlusspunkt unter einen Abend, der genau das bot, was man sich von SUBWAY TO SALLY wünscht: große Hymnen, Folk, Metal, Theater, spontane Momente und vor allem eine Band, die nicht den Eindruck machte, einfach nur ihren Job abzuspulen. Nach den großen Open-Air-Festivals war die erste Hallenshow der perfekte Ort, um wieder näher an das Publikum zu rücken. Und wenn Eric Fish dabei sogar persönlich zum Crowdsurfer wird, darf man wohl endgültig von einem gelungenen Heimkommen in die Hallensaison sprechen.
Setlist SUBWAY TO SALLY:
Phönix Intro
Leinen Los
Was Ihr wollt
Böses Erwachen
Eisblumen
Kleid aus Rosen
Minne
Herz In Der Rinde
Krähenfrass
Henkersbraut
Knochenschiff
Falscher Heiland
Das Rätsel II
Post Mortem
Sag Dem Teufel / Ohne Liebe / Tanz Auf Dem Vulkan
Sieben
Veitstanz
–
Grausame Schwester
Weit Ist Das Meer
Julia Und Die Räuber
SUBWAY TO SALLY spielten ihre erste Hallenshow nach den Open-Air-Festivals und bewiesen dabei eindrucksvoll, dass der Wechsel zurück in die Clubs und Hallen genau der richtige Zeitpunkt war.
Autor & Fotos: Florian Rosenberger



