
Wenn jemand sein Album „From The Dark“ nennen darf, dann wohl Tony IOMMI, Mastermind, Legende, Gitarrist und Urvater des Doom. Der Mann, der sogar das Zerquetschen seiner Finger nicht einfach hinnahm und mal eben auf Linkshänder umtrainierte und dennoch zu einem der berühmtesten Gitarristen der Metal-Szene wurde. Die Rede ist von BLACK SABBATH Urvater, der es mit Ozzy Osbourne nicht nur aushielt, sondern diesen auch berühmt machte und dann auch mit Ronnie James Dio unter HEAVEN & HELL nochmal ein riesen Revival zelebrierte, ehe man doch nochmal mit Ozzy den Planeten unsicher machte.
Aber auch solo hat es der sympathische Brite, der auf die 80 hinschreitet das eine oder andere Mal versucht. Im Jahre 2000 debütierte er mit überraschenden Gastsängern und –musikern wie Dave Grohl, Serj Tankien, Phil Anselmo oder Pete Steele. Es folgten 2004 Ausgrabungen alter Aufnahmen mit Glenn Hughes und 2005 nahm er das zuletzt veröffentlichte Werk „Fused“ ebenfalls mit Mr. Hughes auf.
Mehr als 20 Jahre später folgt nun „From The Dark“ mit Stimmgewalt Jorn Lande (Ex-MASTERPLAN), dessen Stimme nicht selten mit der Ronnie James Dio’s, dessen Songs er sich auch selbst schon solo zur Brust nahm, verglichen wurde. Doch IOMMI versucht hier nicht neue H&H oder Sabbath Songs zu schreiben, sondern versprüht hier seinen ganz eigenen Charme. Dennoch fällt hier natürlich sein starkes, drückendes Gitarrenspiel in erster Linie auf, auch wenn er mit Becky Baldwin, Karl Brazil und Mike Exeter wahre Meister mit an Bord hat.
M al regieren orientalisch angehaucht und virtuose wie Künste wie im Opener „Over The Violent Sun“, drückend doomige Glanztaten in „Black Times“ oder auch flotterer Heavy Rock in „World Alone“. Natürlich zeigt das norwegische Stimmwunder mit seiner rauen, aber oft auch schön gefühlvollen Stimme in bester Verfassung und passt perfekt zum rifforientierten Sound. Einzig fällt auf, dass man auf bewusst eingängige Refrains verzichtet, sodass die Platte durchaus etwas Zeit braucht um sich richtig zu entfalten. Aber bei den grandiosen Soli, den teils reduzierten Parts, die vor allem im finalen und unheimlich vereinnahmenden „Legacy“, aber auch dem düster-melancholischen „Death Wake“ ihren Zauber entfalten, ist es auch so eine Wonne den beiden Großmeistern zu lauschen. Und als wäre das nicht genug, mischt hier auch noch Sir Brian May (QUEEN) mit.
Als wohl zwingendsten Hitkandidaten sei aber „Return To The Arbalist“ erwähnt, bringt dieser starke NWOBHM Einflüsse mit ohne gleich nach der Eisernen Jungfrau oder dem Juden-Priesten klingen zu wollen. Bombastischer geht es bei „Death Wake“ zu und da darf auch Mike Exeter, der bereits für bei HEAVEN & HELL ein Tästchen mitreden durfte, aber auch für Halford himself und JUDAS PRIEST arbeitete seine Kunst mehr in den Vordergrund stellen.
Wer nun ein neues BLACK SABBATH Album der Ära Dio – was durchaus hätte funktionieren können – von IOMMI erwartet hat, täuscht sich. Wer jedoch die Riffgewalt von TONY IOMMI wünscht, der bekommt die Vollbedienung. Und wenn man noch träumen darf, dann sollte der Mann mit Jorn Lande auf Tour gehen und neben diesem Album auch noch so manch Klassiker unter die Leute bringen. Da sagen sicher nicht wenige Fans: „Shut up and take my money!“
Tracklist "From The Dark":
1. Over The Violent Sun
2. Black Times
3. World Alone
4. Beyond The Dead
5. Stormwatcher
6. Death Wake
7. Return Of The Arbalist
8. Legacy
Gesamtspielzeit: 41:00
