MASTER MASSIVE – White Shadows
MASTER MASSIVE
White Shadows
(Heavy Metal)

 


Label: Fireflash Records
Format: (LP)

Release: 10.07.2026


Drei Stimmen bedeuten für uns drei Perspektiven derselben Geschichte.

Es kommt selten genug vor, aber im Fall von MASTER MASSIVE hat die Promotion-Abteilung der Plattenfirma nicht zu viel versprochen. Das Album „White Shadows“ der schwedischen langzeit Time taker Band ist ein wirklich starkes Stück traditioneller Heavy Metal. Im Beipackzettel zu diesem Album werden jedoch Referenzen wie MERCYFUL FATE, FATES WARNING und CANDLEMASS genannt.  Gitarrist und Songwriter Jan Strandh bestätigt diesen Einfluss und gibt offen zu, die Klassiker „Melissa“ und „Don’t Break The Oath“ von KING DIAMOND sowie das wegweisende „Awaken The Guardian“ von FATES WARNING unzählige Male gehört zu haben. Diese Einordnung ist absolut treffend: Der Sound von MASTER MASSIVE bewegt sich genau in diesem Fahrwasser, ohne dabei wie eine bloße Kopie zu klingen.

Strandh, der ursprünglich aus dem Progressive- und Symphonic-Rock-Bereich kommt, hat spürbar viel Zeit und Detailarbeit in diese Produktion gesteckt. Man merkt den Songs an, dass hier fast schon obsessiv darauf geachtet wurde, den organischen Fluss der Kompositionen nicht durch künstliche Brüche oder unnötige Schnörkel zu zerstören. Das Ergebnis ist ein bemerkenswertes Album, das trotz seiner langen Songs und komplexen Rhythmuswechsel eine enorme Dynamik entwickelt und den Hörer fesselt. Eine Besonderheit der Band ist die Besetzung mit gleich drei Sängern. Was ursprünglich gar nicht so geplant war, sondern sich organisch über Kontakte entwickelte, erweist sich als Glücksfall. Die Stimmen wurden gezielt danach ausgewählt, welcher Interpret der jeweiligen Stimmung eines Songs am besten gerecht wird. Dass letztlich alle drei Sänger fest in der Band verblieben sind, verleiht dem Album eine außergewöhnliche, fast schon theatralische Tiefe.

„White Shadows“ ist allerdings kein Album für nebenbei. Es fordert eine gewisse Aufmerksamkeit und aktives Hören ein,  belohnt dafür aber mit intensivem, metallischem Hörvergnügen. Man sollte hier nicht fälschlicherweise reinrassigen Progressive Metal erwarten, denn das Fundament ist klassischer Heavy Metal mit einer hervorragenden Rhythmusarbeit und messerscharfen Riffs. Die drei Vokalisten steuern eine packende Dramatik bei, die perfekt zu den mystischen, eher andeutenden Lyrics passt, welche oft düstere Stimmungen, Traumwelten oder mythologische und biblische Themen aufgreifen. Stilistisch erinnert dieser Ansatz durchaus an die Alben, die Iron Maiden seit ihrer Reunion veröffentlicht haben.

Das zeigt sich bereits im monumentalen Opener „Noah’s Cross“, der wie der Auftakt zu einer Rock-Oper wirkt. Der Track erstreckt sich über knapp zwölf packende Minuten, ist in verschiedene, melodisch starke Abschnitte unterteilt und glänzt mit songdienlichen, nie selbstzweckhaften Gitarrensoli. Bei „Islands And Bells“ übernimmt Sänger Viktor Gustafsson das Mikrofon. Der Song atmet eine spürbare BLACK SABBATH Atmosphäre und lebt von den sehr präsenten, dichten Basslinien aus der Feder von Max Warnby, eben ein echtes Highlight für Fans des traditionellen Doom und Heavy Metal.

Die Single „Blood On The Floor“ wird wiederum von Marcus „Masken“ Karlsson interpretiert. Es handelt sich um eine klassische Mid-Tempo-Nummer, die im Mittelteil mit interessanten Rhythmuswechseln überrascht und nach der Hälfte eine deutliche Hommage an OZZY OSBOURNE bereithält. Karlsson überzeugt hier beim Wechselspiel zwischen unterdrückter Aggression und feinen, melodischen Nuancen.

Für den eingängigsten Moment der Platte sorgt das sehr direkte „Jonah And The Whale“, gesungen von Ex-LION’s SHARE Frontmann Tony Niva. Nivas Performance erinnert an den Gesangsstil eines Bruce Dickinson, gepaart mit dem Timbre von Ian Gillan. Die treibenden Rhythmusgitarren und der prägnante Refrain machen das Stück sofort zugänglich.

Mit „Tantrum Rebellion“ hat das Album zudem eine Nummer im Gepäck, die stilistisch stark an die US Metal Ikonen METAL CHURCH und deren Klassiker „Hitman“ erinnert. Die exzellent arrangierten, zweistimmigen Gitarrenlinien wecken Assoziationen zum schwedischen Gitarristen Steven Anderson und verleihen dem Track eine sofortige Anziehungskraft.  Ein klassischer „Grower“ ist hingegen „Silver Bullet“. Ein Song, der sich erst nach mehreren Durchläufen voll entfaltet, sich dann aber dauerhaft im Gehörgang einnistet. Getragen von einem unaufhaltsamen Groove, sorgen hier dezent eingesetzte Keyboards für die passende klangliche Untermalung. Den Abschluss bildet der achtminütige Titeltrack „White Shadows“, der dem Hörer noch einmal volle Konzentration abverlangt.

Durch seine Platzierung am Ende des Albums und seine gewagte Struktur aus einer Mischung aus ruhigen Clean Gitarren, harten Riffs, ausgedehnten Instrumentalpassagen und epischen Chören im Stile von IRON MAIDEN, so erschließt sich der Song vielleicht nicht beim ersten Mal. Es lohnt sich jedoch, dranzubleiben, da die Komposition handwerklich extrem tiefgründig ist.

Autorin: Bianca Ully


Tracklist „White Shadows“:
1. Noah’s Cross
2.Islands And Bells
3.Jonah And The Whale
4.Bloos On The Floor
5.Tantrum Rebellion
6.Silver Bullet
7.White Shadows
Gesamtspielzeit: 49:20

 


Band-Links:
master massive - white shadows Master Massive - White Shadows

 

 

 


MASTER MASSIVE – White Shadows
MASTER MASSIVE – White Shadows
LineUp:
Tony Niva (Vocals)
Marcus ”Masken” Karlsson (Vocals)
Viktor Gustafsson (Vocals)
Jan Strandh (Guitars)
Max Warnby (Bass)
Johan Hautajärvi (Drums)
7.5
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