
Deuterium
(Progressive Metal)
Label: Peaceville Records
Format: (EP)
Release: 22.04.2026
Ab wann spricht man bei einer Band von einer Allstar Formation? Eigentlich ist es auch egal und inzwischen schadet dieses Label einer Band mehr als es hilft. Im Falle von BLINDEAD 23 können wir einfach sagen, dass die Gruppe aus höchst erfolgreichen und erfahrenen Personen an allen Instrumenten besteht. Mastermind Mateusz Śmierzchalski werkte früher bei BEHEMOTH, der Rest ist von KATATONIA, VLTIMAS und DECAPITATED mehr oder weniger bekannt.
Das Debüt „Deuterium“ hat mit diesen „Vorbands“ aber eher wenig bis gar nichts zu tun. Die Musik des Quartetts ist schwer einzuordnen und vereint viele Attribute in sich. Progressive Metal scheint das zutreffendste Genre zu sein.
Es geht im Ambient Intro langsam los, Skepsis macht sich kurz breit, wird aber dann von drückenden Riffs weggeblasen. Die ersten beiden Songs „Immersion I“ und „Immersion II“ nehmen dann für die nächsten 18 Minuten gefangen. Die Gitarren sind teils drückend, teils verspielt, das Drumming ist eher im Hintergrund, ergänzt sich aber wunderbar mit dem Schlagzeug. Der Star der Show ist mit Sicherheit der Wechselgesang von Patryk Zwoliński und Roger Öjersson. Das Pendeln zwischen intensivem Growling und teils wirklich hervorragendem cleanen Gesang in höheren Stimmlagen gibt BLINDEAD 23 eine ganz eigene Dynamik und Stilistik. Rifftechnisch ist es teils vertrackt wie bei LEPROUS, mit den melodiösen Vocals kommt man in Sphären der leider viel zu unbekannten Franzosen von HACRIDE.
„Wither“ geht in eine unerwartete Richtung, auch wenn der Abgesang von „Immersion II“ ganz leise ist, würde man doch nicht erwarten auf diese Post-Soundlandschaften zu treffen. Auch gesanglich ist man weich und getragen unterwegs, schafft es aber hervorragend emotional mitzunehmen. Das ist schon stark.
Grandios ist dies alles aber dann im Zusammenspiel mit dem folgendem „Worst Laid Plans“. Der Song ist ein brutales musikalisches Gewitter und steht im kompletten Kontrast zum Vorgänger. Sludgige dunkle Gitarrenwände treffen auf infernales Growling und Doublebass. Der Song bündelt in zehn Minuten Urkräfte und donnert intensiv aus den Boxen. Der cleane Gesang im Refrain erinnert fast an MASTODON.
Diese starken Gegensätze bilden auch in den folgenden „Deuterium“, „Towards The Dark“ und „You Are The Universe“ den Kern der Marke BLINDEAD 23. Langsame getragene Passagen treffen auf urgewaltige Ausbrüche, wabern dahin und gipfeln in dem Duell am Mikro zwischen Growling und cleaner Stimme.
„Deuterium“ kommt etwas unerwartet daher, als ein proggiger Höhepunkt des bisherigen Jahres. Wer vor allem Bands wie die schon erwähnten HACRIDE und UNEVEN STRUCTURE vermisst, oder IN MOURNING derzeit gerne hört, sollte hier blind zugreifen.
Autor*in: Michael Wimmer
Tracklist “ Deuterium“:
1. Immersion I
2. Immersion II
3. Wither
4. Worst Laid Plans
5. Deuterium
6. Towards The Dark
7. You Are The Universe
Gesamtspielzeit: –
Band-Links:
