Anfang des Jahres habe ich CASEY noch in München gesehen. Kurz nach dieser Show wurde angekündigt, dass „Love Is Not Enough“ zum zehnjährigen Jubiläum eine eigene Tour bekommt, auf der das Album komplett gespielt wird. Am 3. Oktober war es dann in Wien so weit. Gespielt wurde allerdings nicht in der Flex Halle, wie ich zuerst erwartet hatte, sondern im kleineren Flex Café.
Den Anfang machten ANCHORAGE aus Wien. Die Band verbindet Post-Hardcore der 2000er mit modernem, technischem Metal und hat damit ein Set gespielt, das gut zum Abend gepasst hat. Positiv aufgefallen ist, dass ANCHORAGE als einzige Band die LED-Wand hinter der Bühne wirklich genutzt haben. Für mich als Fotograf war das natürlich ein Glücksfall. ANCHORAGE war auf jeden Fall eine super ausgewählte lokale Opener-Band!
Danach folgten DOWNSWING aus Albany, New York, die deutlich härter unterwegs sind: Metalcore mit schweren Breakdowns und dunkler Grundstimmung. Optisch war ihr Auftritt eher schwierig, denn ohne LED-Wand wurde es auf der Bühne recht dunkel. Das Flex Café ist lichttechnisch leider nicht besonders gut aufgestellt, was man hier deutlich gemerkt hat.
Dann CASEY. Dass es die Band überhaupt wieder gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. Nach einer längeren Pause haben sich die Waliser wieder zusammengefunden, und für diese Tour stand sogar die Originalbesetzung auf der Bühne, die es so eigentlich nicht mehr gibt. Allein das hat den Abend besonders gemacht.
„Love Is Not Enough“ wurde von Anfang bis Ende gespielt, und man merkt schnell, warum das Album bis heute so einen Stellenwert hat. Die Songs sind ehrlich, schwer und trotzdem melodisch, und live wirken sie genauso stark wie vor zehn Jahren.
Das Publikum war von der ersten Minute an dabei. Von der ersten bis zur letzten Reihe wurde jede Zeile mitgesungen, und bei den Songs, die es hergaben, war der Moshpit durchgehend in Bewegung. Auch der Sound hat gepasst. Für das Flex Café war das ein wirklich guter Mix, bei dem sowohl die harten als auch die ruhigen Passagen gut zur Geltung kamen.
Zwischen den Songs bedankte sich die Band bei den Fans dafür, dass CASEY zehn Jahre später überhaupt noch auf der Bühne stehen können, und dass so viele Leute diese Songs bis heute auswendig kennen. Man hat gemerkt, dass ihnen das wirklich etwas bedeutet.
Im Anschluss an das Album kamen noch „Fluorescents“, „Bruise“, „Fade“, „Teeth“ und „Hell“. Zum Schluss spielte die Band „Little Bird“ ein zweites Mal, was laut setlist.fm auf keinem anderen Termin der Tour passiert ist. Ein schöner Abschluss, den die Wiener exklusiv hatten.
Setlist CASEY:
Bloom
Little Bird
Darling
Sleep
Happy
Haze
Passion Flowers
Ceremony
Cavities
Doubt
Mourning
Fluorescents
Bruise
Fade
Teeth
Hell
Little Bird
Schön finde ich, dass solche Jubiläumstouren inzwischen fast zur Tradition geworden sind. LA DISPUTE haben „Wildlife“ gefeiert, TOUCHÉ AMORÉ „Stage Four“ und jetzt CASEY „Love Is Not Enough“. Drei Alben, die in ihrem Genre jeweils zu den Standardwerken gehören und auch heute nichts an Qualität verloren haben.
Autor & Fotos: Anthony Seidl
