Seit mittlerweile mehr als zehn Jahren begleitet mich die Musik von CASEY. 2019 habe ich die Band zum letzten Mal live gesehen, damals auf ihrer Farewell Tour. Als sie dann zurückkamen, hat es weder nach Leipzig geklappt, wo ich bereits Karten gehabt hätte, noch zum Impericon Festival. Dann ist Sänger Tom Weaver wegen einer Herz-OP wieder für längere Zeit ausgefallen. Am 7. April war es endlich soweit: CASEY ist für eine Headliner-Show ins Feierwerk nach München gekommen.
Den Abend haben WATCH ME RISE eröffnet und dabei genau die Stimmung gesetzt, die man sich als Vorprogramm für CASEY wünscht und erwartet. Die Band aus Frankfurt hat es schnell geschafft, das gut gefüllte HANSA 39 mitzunehmen. Bei „All My Friends Are Sad“ haben die Musiker die Mikrofone zur Seite gelegt und nur Richtung Publikum geschrien, was für einen der intensivsten Momente des frühen Abends gesorgt hat. Als die Band erzählt hat, dass sie sich geehrt und unglaublich glücklich fühlt, mit CASEY gemeinsam zu spielen, weil sie mit deren Musik aufgewachsen ist, habe wohl nicht nur ich mich in dem Saal gesehen gefühlt.
LASTELLE hat nahtlos weitergemacht. Musikalisch ähnlich, aber deutlich melodischer als WATCH ME RISE. Die Briten haben die Münchner zum Moshen gebracht, und der Sänger ist bei einem Song selbst intensiv in die Menge gestiegen. Ein besonderes Element war die Trompete, die stellenweise zum Einsatz gekommen ist und dem Sound eine interessante Facette gegeben hat. Großer Respekt auch an den Schlagzeuger, der gleichzeitig den Klargesang übernommen und dabei die emotionalsten Passagen des gesamten Auftritts abgeliefert hat.
Vor der Tour haben CASEY eine Online-Umfrage nach Setlist-Wünschen gemacht. Dementsprechend war ich gespannt, welche Songs es ins Set geschafft haben und ob meine Wünsche dabei waren. „Unique Lights“ als Opener war perfekt: ein irrsinnig gutes Lied, das sich als Eröffnung hervorragend geeignet hat, und gleichzeitig mein Favorit des neuesten Albums. Es war auch einer meiner drei Wünsche. Die anderen beiden, „Needleworks“ und „Mourning“, haben es aber leider nicht in die Setlist geschafft.
Mit „Puncture Wounds To Heaven“ und „I Was Happy When You Died“ folgten zwei weitere Songs des aktuellen Albums. Trotz Lineup-Änderungen, ein Gitarrist weniger und ein neuer Schlagzeuger, hat die Band alles souverän gespielt. Im ersten Drittel des Konzerts hat Tom in sentimentaler Stimme gesagt, dass er vor ein paar Jahren selbst nicht geglaubt hätte, heute hier stehen zu können – aber gemeinsam werde der Abend ein schöner. Ein Satz, der im Kontext seiner Herz-OP und der langen Pause besonders schwer gewogen hat.
Mit „Fluorescents“, „Haze“ und „Phosphenes“ kamen dann Highlights aus der mittleren Phase der Diskografie, die im Saal für durchgehende Bewegung gesorgt haben. Das Licht war den gesamten Abend reduziert und gezielt eingesetzt, was besonders in den ruhigeren Passagen eine fast intime Atmosphäre erzeugt hat. Den Abschluss haben „Teeth“, „Hell“ und „Little Bird“ gemacht, drei Songs, die das Konzert emotional perfekt abgerundet haben. Auf eine Zugabe hat die Band bewusst verzichtet, nach „Little Bird“ war der Abend genau dort zu Ende, wo er sich richtig angefühlt hat.
Der Sound war durchgehend gut, Toms Vocals haben echt hervorragend geklungen und da die Setlist durch die Fan-Umfrage quasi eine Best-of-Auswahl war, wurde den ganzen Abend durchgehend mitgesungen und gemosht – auch die ein oder andere Träne war im Publikum zu sehen. CASEY haben einmal mehr bestätigt, dass sie live eine uneingeschränkte Empfehlung sind und die Welt mit ihnen als performende Liveband eine bessere ist. Als Fan der ersten Stunde haben mir natürlich Lieder gefehlt, aber man muss sich einerseits glücklich schätzen, dass dieBand überhaupt wieder auf der Bühne steht und zusätzlich gehört das 2024er Album ja auch gefeiert.
Setlist CASEY:
1. Unique Lights
2. Puncture Wounds To Heaven
3. I Was Happy When You Died
4. Great Grief
5. Fluorescents
6. Happy
7. Haze
8. Phosphenes
9. Bruise
10. For Katie
11. How To Disappear
12. Teeth
13. Hell
14. Little Bird
Nach sieben Jahren Warten hat sich dieser Abend, ziemlich sicher nicht nur für mich, mehr als gelohnt! Man kann echt nur hoffen, dass die Band bald wieder kommt.
Autor & Fotos: Anthony Seidl



