
Für typische Kost standen TUNGSTEN noch nie, denn die Heavy/True/Power Metaller rund um HAMMERFALL Legende Anders Johansson, der hier mit seinen beiden Söhnen Nick und Karl sowie Sänger Mike Andersson seit gut sieben Jahre für Aufsehen sorgen, sind immer für eine Überraschung gut. Und das soll sich auf dem fünften Werk mit dem schlichten Titel „Ashes“ nicht ändern.
Die Grundrezeptur ist klar, denn stampfende Heavy Metal Rhythmen, hymnische bis pathetische Songs und flotte Power-Bretter findet man hier, wie auch bei den Genregrößen, doch TUNGSTEN weben gerne weitere Elemente und Experimente in ihren Sound. So ist man sich nicht zu schade Industrial Trademarks zu erzeugen und weiter zu entwickeln und so manch fast parodistisch anmutende Versuche zu wagen. So startet man jodelnd – ja das ist keine Umschreibung von Nicke’s Gesang – in den Opener „Joker“, ehe stampfende Rhythmen mit düsteren Keys einsetzen. Der hohe Gesang, der Joacim Cans‘ Stimme nicht unähnlich ist, aber etwas rauer ertönt, begleitet durch den Song, der bald mit dichten Chören vereinnahmt und zum Mitsingen einlädt. Auch „Fuego Del Sol“ ist ein genreuntypisches und krudes Stück, das Süd-Amerikanisches Flair mit Industrial Rhythmen kombiniert.
Doch keine Sorge, die Herren wissen auch die alteingesessenen Fans zu begeistern und bieten mit fetten Rifs, fetten Keys und eindringlichem Refrain in „Byte My Tongue“ einen klaren Hit, der aber ganz eigene Riffs und ein paar harsche Vocals mitbringt, während „Ted The Exorcist“ zwischen flotten Power Metal und dramatischem Dark-Synths schwankt und man im modernen, hochmeldodischen und getragenen „Supernova“ auch einen Kuckuck erschallen lässt. Dieser kann zugegebenermaßen etwas nerven.
Doch dann geht es mit der Vorabsingle „The North Will Rise“ in die Vollen. Die Uptempo-Nummer überrollt einem förmlich mit thrashiger Schlagseite und überrascht mit einem Tony Kakko (SONATA ARCTICA), der im Duett so ganz anders als gewohnt klingt. Definitiv das Highlight des Albums. Aber auch nordischen Folk können die Herren, wie man im beschwingten „For Thee“ einmal mehr zeigt, bevor es im finalen „The Forge“ nochmal eingängig und dramatisch wird.
TUNGSTEN sind keine typische Band, das machten sie schon auf ihrem Debüt „We Will Rise“ klar, doch wissen die Herren wie ihr ausgewählten Genres funktionieren und haben sich anstatt eine weitere Band dieser Art zu sein, entschieden, neue Wege zu gehen. So bringen die Nordmänner weiterhin frischen Wind in die Szene und ecken bei vielen Fans einmal mehr an. Und das macht auch auf „Ashes“ auf jeden Fall Spaß.
Autor: Max Wollersberger
Tracklist „Ashes“:
1. Joker
2. Bite My Tongue
3. Fuego Fel sol
4. Supernova
5. Happy
6. Ted The Exorcist
7. Sunshine Of Fall
8. The North will Rise
9. For Thee
10. Ruin
11. The Forge
Gesamtspielzeit: 39:36
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