
Ab und zu bekommt man ein Album auf den Schreibtisch, wirft einen Blick auf das Art-Work und denkt sich, das kann doch nicht euer Ernst sein. So erging es mir auch bei den Herren von VICTORIUS mit ihrem neuesten Werk „World War Dinosaur“, bei dem sich der Künstler Stan W. Decker nur so austobte. Ein C-Movie Hai aus dem Raketen fliegen, schießt mit seinen Laseraugen, wird umstellt von Ninjas und Soldaten, daneben gepanzerte Dinosaurier, die von einem Panzer unterstütz werden. Wer bisher noch keine Lust auf die Musik der Leipziger hat, dem seien Titel wie „Dino Race From Outer Space“, Lazer Ninja Thunderstorm“ oder „Raptor Squad Attack“ ans Herz gelegt, denn einfallsreich sind sie unsere westlichen Nachbarn.
2004 gegründet orientierte man sich musikalisch an Bands wie FREEDOM CALL oder GLORYHAMMER. Gitarrenlastiger Power Metall mit viel Kitsch und humorvollen Texten. Nachdem man sich 2022 schon einmal den Riesenechsen widmete mit „Dinosaur Warfare, Pt. 2“, war es nun vier Jahre später erneut Zeit sich den Urgiganten zuzuwenden. Zwölf Songs die so klingen wie man es sich von Sänger David Baßin und seinen vier Mitstreitern erwartet. Nach „Kingdom Of The Strong“ folgt mit „World War Dinosaur” gleich der wohl eingängigste und stärkste Song auf dem Album. Die Gitarren glühen, der Refrain brennt sich sofort ein, auch wenn hier kein Literaturnobelpreis gewonnen wird. Aber irgendetwas klingt hier anders, genau ORDEN ORGAN mischen mit und drücken dem Song ihren Stempel auf. Doch eine Verstärkung reichte nicht und so durften kurzerhand auch ANGUS MCSIX mitmischen. Hier werden alle Klischees in Perfektion bedient.
David Baßin klingt und singt souverän und passt mit seiner Stimme ausgezeichnet zum Happy Metal von VICTORIUS. Bei „Raptor Squad Attack“ werden kurzerhand ein paar Befehle gesprochen ehe mit den Worten: „Move, Move, Move“ wieder die Musik regiert.
Nach ein paar Songs treten dann Ermüdungserscheinungen auf, da sich die Abwechslung leider in Grenzen hält und auch die gute Laune nicht auf Dauer gehalten werden kann. Ein paar Spaß-Nummern zwischendurch machen zwar Freude, doch fast eine dreiviertel Stunde sind dann zu viel des Guten. Die meisten Songs klingen so, als hätte man sie wo anders schon mal gehört.
Bei „March To War“ darf die ganze Band den Titel rufen, während bei „Evil Mean Megalodon“ ordentlich gegröhlt wird und dank der Hilfe von den Kollegen von ASENBLUT gibt es hier etwas Abwechslung. Gegen Ende sind eigentlich nur mehr die Songtitel unterschiedlich, denn musikalische ist hier nicht mehr viel los und so zieht sich das Album gegen Ende wie Kaugummi.
Selbst mit prominenter Verstärkung schaffen es VICTORIUS nicht, hier ein starkes Stück abzuliefern. Auch wenn die Jungs beim Aufnehmen wahrscheinlich eine gute Zeit hatten, ermüdet der Happy-Metal-Stil sehr schnell. Vielleicht sollte man etwas anderes probieren, denn sich regelmäßig zu wiederholen wird bestimmt auf Dauer nicht funktionieren. Potenzial und ein talentierter Sänger wären auf jeden Fall vorhanden.
Auto: Andi Wollersberger
Tracklist „World War Dinosaur“:
1. Kingdom Of The Strong
2. World War Dinosaur
3. Dino Race From Outer Space
4. Raptor Squad Attack
5. Brachio Bazooka Batalion
6. March To War
7. Evil Mean Megalodon
8. Dino Power Resistance
9. Prehistoric Panzer Power
10. Lazer Ninja Thunderstorm
11. Golden Glory
12. Lost Legacy
Gesamtspielzeit: 43:54
