Antimon
(Melodic Black Metal | Death Metal)
Label: DIY
Format: (LP)
Release: 24.01.2025
Was ist denn da passiert? Eigentlich hatte ich die motivierten Herren von SHEOGORATH eher dem Göteborg-Sound, mit Ausflügen in Richtung Black Metal und etwas Thrash der guten alten Schweden-Schule in Erinnerung, doch das neue Werk „Antimon“ überrascht dann mit einer gröberen Neuausrichtung.
Immer noch sind die beiden Wiener tief im Black Metal verwurzelt, doch wagt man mit dem nun vierten Album einen (Kurz-)Urlaub nach Finnland, genauer gesagt in die Heimat von ENSIFERUM. Verspielte, folkige Riffs, zu denen natürlich auch die immer wieder eingestreuten Humpa-Beats passen, sind dafür Anzeichen. Aber auch die etwas giftiger gehaltenen Vocals, die nicht zufällig an Petri Lindroos oder auch Jari Mäenpää erinnern, sind ebenso Zeuge von dem Wandel, wie auch Songtitel wie „Battle Song“, „Sword’s Dance“ oder „Gerstenbräu“. Dass im letzten Song dann, trotz deutschem Text, astreine nordische Wirtshausgaudi aufkommt, ist dabei auch klar.
Technisch und vom Songwriting her zeigt man sich mehr als solide, wenn auch nicht großartig kreativ. Sieht man das Album jedoch als Tribut an das Folk-Melod-Death Genre, dann leisten Patrick und Matej auf jeden Fall ganze Arbeit. Alle nötigen Trademarks sind da, gekonnt eingewebt, eingängige Passagen peppen auf und auch die Härte kommt nicht zu kurz. Garniert ist das alles mit gelungenen Soli und kleinteiliger Gitarrenarbeit. Der Sound ist mehr als solide, kann aber mit den Vorbildern in Sachen Volumen und Durchschlagskraft nicht mithalten, da wären dann wohl noch mehr Keys – die eher dezent eingesetzt sind – oder weitere Gitarrenspuren und ein etwas satterer Sound dazu.
Aber keine Sorge, wie gehabt, ist das Album definitiv nicht im Underground angesiedelt, aber vielleicht für die Authentizität bewusst in den 90ern zu Hause. Bleibt also Geschmackssache und eventuell halt auch eine Frage des Budget, weshalb das nur als Randnotiz und nicht als negative Kritik zu vermerken ist.
Wer auf traditionellen finnischen Melodic Death mit Folk-Elementen steht, bekommt hier eigentlich das komplette Paket und zeigt, dass SHEOGORATH nicht nur gute Musiker sind, sondern auch eine Neuausrichtung ernst nehmen und bis zum Letzten durchziehen. Respekt dafür.
Tracklist „Antimon“:
1. Odin
2. Battle Song
3. Sword’s Dance
4. Mage In Rage
5. Gerstenbräu
6. Victory
7. Raziel
8. Magic Runes
9. Set Sails
10. Pharaoh’s Grave
Gesamtspielzeit: 53:16