Nicht nur, dass Österreichs Symphonic Metal Flaggschiff EDENBRIDGE eine konstante Regelmäßigkeit im Album-Release-Rhythmus mit ebenso konstant hoher Qualität hat, nein auch ist es stets Tradition kurz nach einer Veröffentlichung in der Heimat die Runde zu machen. Als Lokalmatadoren in OÖ wählte die Truppe neben der Linzer Stadtwerkstatt und der Trauner Spinnerei die Zuckerfabrik in Enns, wo dieses Jahr die traditionelle Release-Tour Halt machte. Mit dabei die Punks von NOTHING IN RETURN und die stilistisch besser dazu passenden Herren und Damen von G.O.D. (GEARS OF DECEPTION), die den Abend einläuten sollten.
Bei unserer Ankunft in der Zuckerfabrik war schon gut was los, in der Bar kaum ein Platz und auch vor der Location war bereits reges Treiben zu vermelden, während es drinnen recht pünktlich zu Rumpeln begann. Und Rumpeln ist bei den drei Herren von NOTHING IN RETURN aus Steyr keine unpassende Bezeichnung. Der Sound war schwammig, teils übersteuert und die einzelnen Instrumente eher schwer heraus zu erkennen. Doch die Jungs gaben Vollschub, zeigten Truppen wie THE OFFSPRING oder DANKO JONES als Vorbilder, zogen aber auch härtere Töne auf. So gab es vom Fronter auch keifende Vocals, während der Kollege am Bass immer wieder, ganz in Punk-Trio-Tradition am Mikro auch einiges beisteuerte, um das fetzige Chaos perfekt zu machen. Die Ansagen waren kurz und launig, klangen aber mit den vielen F-Bomben zu den Songs „F* Vienna“ oder „WTF“ stellenweise doch etwas pubertär für ihr Alter. Im Gegensatz zum Treiben auf der Bühne, kam leider nicht viel Bewegung ins Publikum, doch auf Betriebstemperatur hatte man die Fabrik auf jeden Fall gebracht.
Es folgten die gut eingespielten Damen und Herren von G.O.D. bzw. GEARS OF DECEPTION, die einen viel besseren Sound hatten, ihre Instrumente mehr als routiniert würgten und den Symphonic Metal nach Enns brachten. Mit weiblichen Vocals beschallte man die Fans gekonnt, animierte zum Mitsingen und auch die Solo-Parts zeigten echte Profis, die ihr Handwerk seit Jahren, wenn nicht Dekaden, in-und auswendig kennen. Die Songs hatten aber allesamt ein ähnliches Tempo und so richtig hervorstechen wollte auch keine der dargebotenen Nummern. So blieb es eine spannende, aber Höhepunktarme Darbietung, die eher an Fans, die der Band schon länger folgen, gerichtet war.
Setlist G.O.D.:
Burning Cage
Paradise
Battlefield
Stay With Me Tonight
Down Down
Never Say Goodbye
Back
Hate Me
Das Licht ging wieder aus, es startete ein spannendes Intro und schon war man sofort in der Welt und im Sound von EDENBRIDGE. Die beiden neuen Tracks passten wunderbar ins Set, kamen mit viel Wucht und Dynamik aus den Boxen, was sofortige Reaktionen hervorrief. Gerade das orientalisch angehauchte „Where The Wild Things Are“ ging sofort unter die Haut, dank der dichten Atmosphäre und eingängigen Keys. Im Verlauf ging man zurück durch die Diskografie, erwähnte den Vorgänger nochmal lobend und bewies, dass man sich den Status in den mehr als 25 Jahren Erfahrung, hart erarbeitet hat. Die Ansagen waren sympathisch wie immer und auch nicht so ausufernd wie früher hier und da, was dann die Stimmung doch oft etwas unterbrach.
Nicht nur, dass man im späteren Verlauf noch so manch Klassiker aus der Hinterhand holte und damit auch Klassiker wie „MyEarthDream“ oder „Solitaire“ bediente, auch gab es auf der Tour ein paar Live-Debüts wie „Set The Dark On Fire“ von älteren Songs, die man ebenso routiniert präsentierte und sich wunderbar ins Set einfügten. Die Band zeigte sich außerdem sehr enthusiastisch und gerade Sabine und Lanvall versprühten eine Energie, die zeigte, dass sie in ihrer Musik und auf der Bühne absolut aufgehen. Zum Schluss gab es natürlich noch den Dauerbrenner „Higher“, bevor man sich ausgiebig verabschiedete.
Setlist EDENBRIDGE:
Cosmic Embrace
Where The Wild Things Are
Hall Of Shame
The Visitor
Live And Let Go
The Call Of Eden
At First Light
Set The Dark On Fire
Bonded By The Light
Alight A New Tomorrow
Lighthouse
Tauerngold
Paramount
Spark Of The Everflame / The Bonding / The Bonding (Part 2) (Medley)
–
On The Other Side
Higher
EDENBRIDGE haben ihren Stil gefunden, immer wieder ausgebaut und perfektioniert und ihre Fans stets begeistert. Wer mit der Truppe oder dem Genre nichts anfangen kann, der wird auch jetzt nicht überzeugt werden, doch die treuen Fans bekamen einen Abend, der den Qualitätsstandard von Oberösterreich hielt, wenn nicht sogar die Latte nochmal höher gelegt hat.
Autor & Fotos: Max Wollersberger




