Pure Ecstasy Tour: BEARTOOTH, SILVERSTEIN, KINGDOM OF GIANTS @ Gasomenter, Wien (27.09.2026)

beartooth - pure ecstasy Tour - silverstein

 


Manchmal gibt es Konzertabende, bei denen man schon vor dem ersten Ton weiß, dass es heute nicht besonders gemütlich zur Sache gehen werden wird. Genau so einer war dieser Abend im Wiener Gasometer: BEARTOOTH, SILVERSTEIN und KINGDOM OF GIANTS auf einer gemeinsamen Bühne – drei Bands, die ihre ganz eigene Mischung aus Härte, Emotion und jeder Menge Energie mitgebracht hatten.

Den Anfang machten die Metalcore’ler KINGDOM OF GIANTS, die mit „Asphalt“ direkt ordentlich Druck aufbauten. Die Kalifornier ließen dabei wenig Zweifel daran, dass sie gekommen waren, um den Saal schon einmal auf Betriebstemperatur zu bringen. Das kurze Set war abwechslungsreich und druckvoll und funktionierte als Einstieg durchaus gut. Allerdings zeigte sich bereits hier ein Problem, das sich leider durch den gesamten Abend ziehen sollte: Der Sound im Gasometer war wie so oft nicht wirklich optimal. Das Schlagzeug war teilweise deutlich zu laut, während Leadgitarre und stellenweise auch der Gesang etwas untergingen. Schade, denn gerade bei einer Band wie KINGDOM OF GIANTS lebt der Sound von der Kombination aus Härte, Atmosphäre und den unterschiedlichen Gesangsparts von Frontmann Dana Willax und Bassist Levi Norris, die einige interessante Duette ablieferten. Dennoch war der Applaus beachtlich und die Temperaturen stiegen schon etwas an.

Setlist KINGDOM OF GIANTS:
Asphalt
Wasted Space
Respawn
Smoke
The Edge Of A Dream
Reign
Wayfinder

Danach betraten SILVERSTEIN die Bühne – und spätestens jetzt war klar, dass die Temperatur im Gasometer noch weiter steigen würde. Frontmann Shane Told fegte gewohnt agil über die Bühne und präsentierte sich dabei optisch durchaus passend zum Abend: MISFITS-Shirt unter einer Camouflage-Jacke und mit grauem Rauschebart, sowie schulterlangem Haar, was doch zu früheren Auftritten nun ein grober Stilbruch war, war er früher doch eher dunkel und schlicht gekleidet, mit gepfelgtem Bart und gestylter Frisur auf der Bühne zu finden. Auch nach über 25 Jahren Bandgeschichte hat der Kanadier offensichtlich noch immer genügend Energie für eine ordentliche Bühnenattacke.


Silverstein- Pure Ecstasy Tour 2026 - Gasometer Wien

SILVERSTEIN konzentrierten sich dabei weniger auf große Showelemente, als auf das, was sie seit Jahren auszeichnet: eine Mischung aus aggressivem Post-Hardcore, Melodie und jeder Menge Emotion. Besonders die älteren Songs sorgten für lautstarke Reaktionen und zeigten, wie tief manche Stücke mittlerweile im Publikum verankert sind. Bei „My Heroine“, „Smile in Your Sleep“ und dem abschließenden „Bleeds No More“ wurde schließlich gemeinsam gesungen, gebrüllt und gesprungen, aber auch die moderne Synthie-Hymne „Infinite“ wurde lautstark mitgebrüllt. Dass die älteren Fans hier mehr als sattelfest waren ist zudem vielleicht auch der Tatsache geschuldet, dass die Kanadier schon lange mit BEARTOOTH befreundet sind und demnach auch nicht zum ersten Male gemeinsam unterwegs sind. Shane Told und seine Mitstreiter bewiesen einmal mehr, dass Routine nicht automatisch Stillstand bedeuten muss. Die Band wirkte spielfreudig, hungrig und jederzeit bereit, noch eine Schippe draufzulegen.

Silverstein- Pure Ecstasy Tour 2026 - Gasometer Wien

 

Setlist SILVERSTEIN:
Negative Space
Drain The Blood
Smashed Into Pieces
Your Sword Versus My Dagger
The Altar
Infinite
The Afterglow
Stress
Bad Habits
My Heroine
Smile in Your Sleep
Bleeds No More

Nach dieser intensiven Dreiviertelstunde war die Bühne schließlich bereit für die Headliner. BEARTOOTH starteten mit „Pure Ecstasy“ – allerdings nicht ganz so reibungslos wie geplant. Gleich am Ende des ersten Songs verabschiedete sich die PA, wobei die Band noch munter weiterspielte und Caleb Shomo vermutlich durch sein In-Ear System den Eindruck hatte, dass alles nach Plan lief. Beim Publikum kam, abegesehn vom energische maltretierten Drumset, aber kein Ton mehr an, was schon ziemlich komisch anmutete und damit für einen ziemlich ungewöhnlichen Konzertauftakt sorgte. Da man nach dem Verschwinden der Band nicht wusste, wann es weitergehen würde kam kurz zu Unruhe im Publikum auf. Dieses lies sich die Laune aber nicht verderben und es gab in der Wartepause bis die Band wieder auf die Bühne kam Publikumschöre mit „In Between“ Melodie, erheiternde „One More Song„-Rufe und Crowdsurfer. Man sah jedoch einen kurzzeitig weniger entspannten Caleb Shomo seitlich der Bühne nervös und ungeduldig auf und ab laufen.

Caleb fing sich aber offensichtlich nach den sich sehr lange angefühlten 15 Minuten wieder und fand sofort mit dem zweiten Song „Bullshit“ in seinen Rhythmus und die dazugehörige nach dieser ungeplanten Situation. Shomo entwickelte sich schnell zum menschlichen Duracell-Hasen und absolvierte auf der Bühne gefühlt gleichzeitig Konzert und Workout. Springen, Rennen, Headbangen, Brüllen, viel Posen und auf die Bühne spucken! – kaum ein Moment, in dem der Sänger einmal ruhig stand. Zuerst noch mit bauchfreien Top, präsentierte der Frontmann im Laufe des Sets mit extremen Körpereinsatz seinen körperfettfreien Körper, auf dem bekanntlich ein Löwer prangt. Die Band dahinter lieferte den passenden Soundtrack für dieses persönliche Hochleistungsprogramm, ging aber in der Performance ihres Masterminds doch etwas unter.

Beartooth - Pure Ecstasy Tour 2026 - Gasometer

Doch BEARTOOTH funktionieren nicht nur über pure Energie. Gerade bei den emotionaleren Nummern wurde deutlich, wie sehr sich das Publikum mit den Texten identifiziert. Bei Songs wie „In Between“, „Beautiful Again“ oder „Free“ wurde nicht einfach nur mitgesungen. Man hatte vielmehr das Gefühl, dass viele im Saal die Inhalte tatsächlich nachempfinden und aus Überzeugung und Mitgefühl mitsingen und darin, teils mit geschlossenen Augen, versinken. Genau diese Momente gaben dem ansonsten brachialen Auftritt eine zusätzliche Tiefe.

Beartooth - Pure Ecstasy Tour 2026 - Gasometer

Dazwischen wurde natürlich ordentlich abgerissen. Moshpits, hochgerissene Fäuste und jede Menge Bewegung prägten das Bild vor der Bühne. „Eyes Closed“ entwickelte sich dabei zu einem besonders starken Mitsingmoment, während weitere neuere Songs zeigten, dass BEARTOOTH längst nicht mehr ausschließlich von ihren frühen Hits leben und nach und nach immer mutigere Seiten in ihrem Sound aufzeigen, was bei den überaus persönlichen Lyrics dank Calebs mentalen Leidensweg sowie seinem kürzlichen Outing, sowie immer schon der fall war.. Trotz des nicht immer optimalen Sounds blieb die Energie der Band jederzeit spürbar und die dadurch mit dem finalen „Might Love Myself“ nochmal eine Vollbedienung in Emotion und Härte lieferten.

Beartooth - Pure Ecstasy Tour 2026 - Gasometer

Der wohl berührendste Moment kam allerdings erst ganz zum Schluss. Caleb Shomo wandte sich nach dem Konzert noch einmal an das Publikum, erhob das erste Mal so richtig das Wort an seine Fans und sprach über Dankbarkeit, Selbstliebe und den Mut, sich selbst anzunehmen. Nach einem Konzert, das bis dahin vor allem von Schweiß, Bewegung und brachialer Energie geprägt war, wirkte diese ruhige und persönliche Ansage umso stärker, zumal der geborene Fronter, hier sichtlich mit der Fassung rang, seine Stimme immer wieder bei den Worten aus seinem Innersten wegbrach und womöglich sogar den Tränen nahe war, was sich auch auf das Publikum übertrag. Shomo machte Mut zur Individualität und vermittelte die Botschaft, dass man sich nicht dafür entschuldigen sollte, wer man ist und bekundete seine unendlich Dankbarkeit, dass jeder einzelne Anwesende nicht nur auf jeden BEARTOOTH Konzert willkommen sei und duch den Kauf der Karte, dem Opfer seiner Zeit für diese Show und den Support es Möglich mache, dass er seinen Traum leben könne. (Amen!)

Setlist BEARTOOTH:
Pure Ecstasy
Bullshit
Beaten in Lips
Hated
In Between
Beautiful Again
Bad Listener
Disease
Free
Sunshine!
The Past Is Dead
Drum Solo
Stadiums
Eyes Closed
Riptide
The Lines
Might Love Myself

 


Damit endete ein Abend, der trotz einiger technischer und soundtechnischer Schwächen einiges zu bieten hatte. KINGDOM OF GIANTS sorgten für einen druckvollen Einstieg, SILVERSTEIN zeigten einmal mehr, warum sie auch nach über 25 Jahren noch so gut funktionieren, und BEARTOOTH lieferten eine schweißtreibende Mischung aus purer Energie und überraschend viel Emotion. Am Ende blieb vor allem die Erkenntnis, dass ein Konzert manchmal mehr sein kann als nur laute Musik – nämlich ein Ort, an dem sich viele Menschen für ein paar Stunden verstanden und vielleicht sogar ein kleines bisschen stärker fühlen.

Autor: Florian Rosenberger
Fotos: Max Wollersberger


Band-Links:
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